Franz Schaible

Seit anfangs Woche läuft die landesweite Aktion des Bundes: Maximal können 15 000 Liegenschaftsbesitzer einen sogenannten Gebäudeenergieausweis inklusive Energieberatung zu günstigen Konditionen erstellen lassen. Die Nachfrage ist gross. «Nach nur wenigen Tagen ist mehr als die Hälfte des Kontingentes bereits ausgeschöpft», erklärt Marc Schaffner. Er ist Leiter des Projektes Gebäudenergieausweis der Kantone (Geak), welches vom Bund finanziell gefördert wird.

Auch im Kanton Solothurn hat ein Run auf das «Papier» eingesetzt. «Unser Kontingent für Beratungen im Rahmen der Aktion ist bereits ausgeschöpft», erklärt etwa Bruno Jordi, Leiter Energieservice bei der AEK Energie AG in Solothurn. Die Ausweise dürfen nur von zertifizierten Geak-Experten erstellt werden und zwar je maximal 80 an der Zahl. Ein zweiter AEK-Mitarbeiter werde demnächst die Zertifizierung erhalten, aber auch dieser sei schon ausgebucht, sagt Jordi. Deshalb verweise man Interessenten an andere qualifizierte Fachleute im Kanton.

Weg führt übers Portemonnaie

Derzeit sind auf der Homepage von Geak (www.geak.ch) insgesamt neun Solothurner Experten aufgeführt, die praktisch alle von Hausbesitzern bestürmt werden. «Das Interesse ist erwartungsgemäss hoch, und ich werde wohl bald ausgebucht sein», meldet Rudolf Graf von der Firma Eco Energie-Consulting Oensingen.

Er bekomme Anfragen auch von weit ausserhalb seines Wirkungskreises im Thal/Gäu. Grund dafür sei, dass erst rund 400 der 1400 angemeldeten Experten zertifiziert seien. Ähnlich ergeht es den Experten in Olten, Breitenbach oder auch in Oberdorf. «Ich habe keine Kapazitäten mehr. Mehr als 50 Bewertungen liegen nicht drin», berichtet Roland Schneider von der Firma Weissenstein Immobilien in Oberdorf.

Die Euphorie unter den Hausbesitzern, sich Klarheit über den energetischen Zustand ihrer Liegenschaft zu verschaffen, gründet in erster Linie im grosszügigen finanziellen Anreiz durch den Bund. «Das ist der Hauptauslöser für das grosse Interesse», bestätigt Bruno Jordi von der AEK Solothurn.

Die AEK erstelle ähnliche Energie-Beratungen schon seit längerem. «Aber da waren es monatlich rund ein Dutzend.» Armin Meier seinerseits beobachtet «eine zunehmende Sensibilisierung für Umweltfragen». Der Geak-zertifizierte Experte arbeitet im Auftragsverhältnis für die Energieberatungsstelle Region Grenchen.

Das ganze Progamm nützt aber nur etwas, wenn die Hausbesitzer die empfohlenen Massnahmen, um den energetischen Zustand der Häuser zu verbessern, auch umsetzen. Da zeigt sich Armin Meier optimistisch. Zwar glaubten die meisten Liegenschaftsbesitzer, dass ihr Haus in Ordnung sei, weiss er aus seiner Praxis als Energieberater zu berichten. «Wenn wir dem Liegenschaftsbesitzer aber die Schwachstellen aufzeigen können, sind sie auch bereit, entsprechend zu reagieren.»

Obligatorisch oder freiwillig?

Das muss sich aber noch zeigen. Jedenfalls sind die Meinungen geteilt, ob der Energieausweis für Gebäude freiwillig oder obligatorisch erklärt werden soll. Für Bruno Jordi von der AEK ist klar: «Ein Obligatorium ist nicht zwingend. Der Energieausweis wird zum Standard und sich im Immobilienmarkt durchsetzen.» Es werde kaum mehr jemand ein Haus ohne zertifizierten Energieausweis kaufen. Skeptischer ist da der Grenchner Energieberater Meier.

Falls sich der Ausweis im Markt nicht durchsetzt, gäbe es verschiedene Möglichkeiten, um Druck zu machen; zum Beispiel den Weg über ein gesetzliches Obligatorium oder eine Koppelung der staatlichen Fördergelder für Sanierungsmasssnahmen an den Energieausweis. Freiwilligkeit sei immer der bessere Weg, meint Geak-Projektleiter Marc Schaffner. Er geht davon aus, dass der Energieausweis für Gebäude langfris-tig zur Selbstverständlichkeit wird.

Solothurn nein, Bern ja

In einer Vernehmlassung hat die Mehrheit der Kantone die vom Bund vorgeschlagene Einführung eines Obligatoriums abgelehnt. Darunter auch der Kanton Solothurn. Im Kanton Bern dagegen will der Regierungsrat die Einführung des entsprechenden Obligatoriums im neuen Energiegesetz festschreiben. Demnach können Besitzer von Liegenschaften in besonders schlechtem energetischem Zustand gezwungen werden, diese zu sanieren.

Dafür soll es staatliche Fördergelder geben. Das neue Energiegestz soll auf Anfang 2011 in Kraft treten. Der Grosse Rat muss es aber noch beraten. Im Kanton Neuenburg ist das Obligatorium bereits beschlossen. Es kommt aber zur Referendumsabstimmung.