Ein Bade- und ein Bienenhaus sowie Wald Äcker und Wiesen, die zu Schloss Eugensberg ob Salenstein TG gehören, und weitere Liegenschaften: Rund 80 Fussballfelder oder 855000 Quadratmeter umfasst der Grundbesitz, der in einem kürzlich publizierten Schuldenruf des Konkursamtes des Kantons Thurgaus aufgelistet ist.

Die Vermögenswerte zählen zur Konkursmasse von Rolf Erb, dem Ex-Chef der im Dezember 2003 kollabierten Winterthurer Erb-Gruppe. Gegründet hatte sie Rolfs Vater Hugo Erb.

Er stieg 1946 in den Autohandel ein und baute ein Imperium mit 82 Firmen auf. Das Konglomerat kollabierte 2003 und hinterliess Schulden von mehr als zwei Milliarden Franken. Die meisten Gläubiger sind Banken.

Die im Schuldenruf aufgeführten Liegenschaften werden nun verkauft. Der Anwalt der Gläubiger, Matthias Hotz, sagt: «Für die Verwertung von Schloss Eugensberg, dessen Inventar sowie die Oldtimer- und Uhrensammlung werden voraussichtlich international tätige Immobilienmakler und Auktionshäuser beauftragt.» Dafür kämen beispielsweise Bonhams, Christie’s oder Sotheby’s infrage.

Zwillinge erhielten Millionen

Noch ist offen, wann Rolf Erb seine Strafe antreten wird. Im letzten Herbst bestätigte das Bundesgericht seine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren wegen gewerbsmässigem Betrug, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung durch Vermögensverringerung.

Letzteres brockte sich der Pleitier ein, weil er kurz vor dem Kollaps seinen Wohnsitz, Schloss Eugensberg, die von seinem Bruder Christian bewohnte Liegenschaft in Rüdlingen und das Haus seiner Eltern in Winterthur-Wülflingen seinen Zwillingen überschrieben liess. Neben diesen schuldenfreien Liegenschaften erhielten die Söhne sowie die Lebenspartner Aktien und Bankguthaben.

Der Erlös aller Vermögenswerte dürfte sich auf rund 50 Millionen Franken belaufen, sagt Anwalt Hotz. «Wir gehen nun Schritt für Schritt vorwärts. Dafür suchen wir zuerst das Gespräch mit Christian und Rolf Erb sowie ihren Anwälten.»

Sie müssen spätestens nach einem erfolgten Verkauf die von ihnen bewohnten Liegenschaften verlassen. Das dürfte, schätzen gut unterrichtete Quellen, bis Ende Jahr der Fall sein.

Sollten sie sich weigern, wird das Konkursamt des Kantons Thurgau einen Hausräumungsbefehl zustellen und allenfalls gar eine Zwangsräumung durchführen müssen.

Mit der Vermietung von Nebengebäuden und der Verpachtung des Landwirtschaftslands auf dem Schloss-Gelände ob Salenstein TG erwirtschafteten Rolf Erb und seine Partnerin gemäss Obergerichts-Urteil jährlich knapp 200000 Franken. Diese Einnahmen sollen nur noch für den Unterhalt des Schlosses verwendet werden, sagt Hotz. Zudem bezogen die Gebrüder Erb als Verwaltungsräte der ebenfalls den Zwillingen überschriebenen Schlosshof Immobilien AG je ein Honorar.

Im Fall von Rolf Erb waren es laut Urteil jährlich 75000 Franken. Auch auf die diese Firma werden die Gläubiger laut Hotz nun die Hand legen. Der Schlosshof AG gehören das Zentrum Töss in Winterthur und mehr als 100 Wohnungen in Seuzach ZH.