Aktienmärkte

Ende des Booms fällig, aber nicht in Sicht

Die Profis an den Börsen fragen sich: Wie lange können die Kurse noch steigen? key

Die Profis an den Börsen fragen sich: Wie lange können die Kurse noch steigen? key

Die lockere Geldpolitik hält an, die Notierungen steigen. Doch sieben Jahre sind lang für eine Hausse. Viele Beobachter sehen in der immer deutlicheren Korrekturanfälligkeit der letzten Monate, dass der positive Zyklus sich seinem Ende zuneigt

Neben der Erhöhung der Inflation wollen Notenbanken durch tiefe Zinsen und damit billige Kredite sowie durch die Erhöhung der Geldmenge (etwa durch Kauf von Wertschriften) Konsum und Investitionshunger ankurbeln. Das geschieht einerseits unmittelbar durch billige Darlehen. Anderseits aber auch dadurch, dass das in die Finanzmärkte (in Aktien, Anleihen, Fonds, Immobilien usw.) fliessende Geld den Wert der Wertschriften von Privatanlegern erhöht, die nicht neu eingestiegen sind. Diese fühlen sich reicher und geben in der Folge mehr aus. So bekommt der Wirtschaftskreislauf mehr Schwung. Dieser Effekt expansiver Geldpolitik wird Vermögenseffekt genannt.

Fliesst allerdings zu viel in die Finanzmärkte, kann es zu gefährlichen Preisübertreibungen kommen. Solche Preisblasen sind am Immobilienmarkt besonders gefährlich.

Liquidität treibt Börsen

Vor sieben Jahren begann der Aufschwung an den Aktienmärkten in den USA und dann weltweit. Die Kursavancen wurden befeuert durch die Liquidität in Billionenhöhe, die die Notenbanken über diese Jahre billig zur Verfügung stellten. Die noch immer anhaltende Börsenhausse ist zu einer der längsten der jüngeren Börsengeschichte geworden. Viele Beobachter sehen aber in der immer deutlicheren Korrekturanfälligkeit der letzten Monate auch, dass der positive Zyklus sich seinem Ende zuneigt.

Moderate Bewertung?

Ob diese Hausse noch lange dauert, mag bezweifelt werden. Nicht wenige Finanzmarktexperten halten die Bewertungen noch immer für moderat und erwarten weitere Kursavancen im laufenden Jahr. Die abermals massive Lockerung der Geldpolitik in der Eurozone und der Aufschub einer zweiten Erhöhung der Leitzinsen nach jener im Dezember durch die US-Notenbank haben sicher geholfen, die Börsen Ende Woche auf neue Jahresrekordstände zu hieven.

Suneil Mahindru, Chief Investment Officer (CIO) von Goldman Sachs Asset Management (GSAM), erklärt auf Anfrage, dass die Hausse von zwei Risiken bedroht sei: Erstens, dass die künftigen Unternehmensgewinne enttäuschen. Hier sieht er mittel- und langfristig keinen Anlass zu grosser Sorge. Das andere wäre ein Schock, der das System von aussen trifft, etwa der Einfluss der anhaltend tiefen oder gar negativen Zinsen auf die Finanzmarktstabilität. «Wenn man für das Ausleihen von Geld an einen Staat über 10 Jahre fast keinen Zins mehr erhält, dann stimmt etwas nicht mehr im System», erklärt Mahindru.

Es gebe noch immer zu viel Schulden, bei Staaten, aber auch bei Privaten. Es könnte sein, dass die Leute das Geld immer weniger schnell ausgeben, obwohl es immer billiger wird durch die negativen Zinsen. «Die Umlaufsgeschwindigkeit der ganzen Geldmenge hat abgenommen.» Sollte dieses Szenario zutreffen, dann würden die Preise noch weiter sinken, weil Konsumenten und Unternehmen immer weniger Geld ausgeben. Das Hauptszenario von (GSAM) ist das aber nicht.

In Gesundheitssektor investieren

Dennoch: Die Preise an den Börsen sind hoch und Anleihen rentieren nichts mehr, ausser sie sind sehr riskant. Was also tun? An Aktien führe kein Weg vorbei, sagt Mahindru und empfiehlt, in grosskapitalisierte Unternehmen zu investieren, die nicht nur vom Umsatz in ihrem Domizilstaat abhängen. Zu Vorsicht rät er aufgrund der sinkenden Preise vor den Sektoren Rohstoffe und Energie. Das Angebot beim Rohöl habe angefangen, sich an die infolge globaler Wachstumsschwäche geschrumpfte Nachfrage anzupassen. Dies sei aber erst ein Lichtblick.

Am positivsten sieht GSAM gegenwärtig den Gesundheitssektor und Pharma. Allerdings stelle eine mögliche künftige Preisregulierung in den USA, was die Gewinne von Pharmaunternehmen beschränke, mittelfristig ein Risiko dar.

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