Fall Céline

Embolie durch Pille: Bayer-Chefin versteht die Aufregung nicht

Barbara Heise

Barbara Heise

Die Chefin von Bayer Schweiz, Barbara Heise, versteht die Aufregung um den Fall der jungen Frau nicht, die nach Einnahme der Verhütungspille «Yasmin» eine Lungenembolie erlitt und seither schwer behindert ist.

"Ich verstehe nicht, weshalb die Diskussion so intensiv geführt wird", sagte Barbara Heise am Mittwoch in der Sendung "Rundschau" von Schweizer Fernsehen SRF.

Ob Bayer auf die Prozesskostenentschädigung von 120'00 Franken verzichten wird, die das Bezirksgericht Zürich der behinderten Frau auferlegt hat, liess sie offen: Es gebe noch kein rechtskräftiges Urteil, erklärte Heise. Erst wenn ein solches vorliege, könne Bayer einen Entscheid treffen.

Die heute schwer behinderte Frau hatte die Antibabypille Yasmin von Bayer wenige Wochen eingenommen und eine Lungenembolie erlitten. Das Bezirksgericht sei zum Schluss gekommen, dass kein Produktefehler vorliege, betonte Heise. Wenn dies durch ein rechtskräftiges Urteil bestätigt werde, müsse sich Bayer auch nicht an den Pflegekosten der jungen Frau beteiligen. "Wir würden das nicht bezahlen."

Pharmachefin Barbara Heise zum Fall Céline

Fall sei Einzelschicksal

Die Familie hatte von Bayer 5,3 Millionen Franken Schadenersatz und 400'000 Franken Genugtuung gefordert. Das Bezirksgericht wies die Klage im August ab. Stattdessen soll die Familie nun Prozessentschädigung an Bayer zahlen. Die Familie hat das Urteil ans Obergericht weitergezogen.

Das tragische Schicksal der jungen Frau könne einen "nicht unbewegt lassen", sagte Heise. Sie sprach aber von einem "Einzelschicksal". "Die Crux ist, dass jedes Medikament Nebenwirkungen hat." Verwundert zeigte sich Heise über Forderung, die Pille Yasmin und andere moderne Verhütungspillen vom Markt zu nehmen.

Den Vorwurf, Bayer habe nicht alle Nebenwirkungen auf den Tisch gelegt, lässt Heise nicht gelten: "Das muss ich mit allem Nachdruck von der Hand weisen." Bayer hat laut Heise immer transparent kommuniziert. "Wir haben alle Daten geliefert."

Unterschiedliche Rechtssysteme

In den USA hat Bayer ohne Anerkennung einer Haftung Vergleiche mit mehreren tausend Anspruchstellerinnen geschlossen und bisher über eine Milliarde Dollar bezahlt. Heise begründete dies mit den unterschiedlichen Rechtssystemen der USA und der Schweiz. Die Verhütungspille sei nicht gefährlich, hielt sie fest.

Das Interview wird in der "Rundschau" von Mittwochabend ausgestrahlt. Der Nachrichtenagentur sda lag der Beitrag vorab vor.

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