Da stellte Beni Knecht (sp) unmissverständlich den Antrag, dass in Baden Nord künftig alle Um- und Neubauten mindestens nach Minergie-Standard erstellt werden müssen, und brachte das Anliegen - wenn auch knapp mit 22 zu 21 Stimmen - durch. Die Stadt Baden soll sich damit einmal mehr als würdiger Träger des goldenen Labels in Sachen Energie präsentieren können.

Stadtammann Stephan Attiger wies zwar darauf hin, dass Energie-Effizienz noch wichtiger als Minergie sei. Und Stadtrat Kurt Wiederkehr mahnte, dass der Minergie-Standard bei gewissen Umbauten nur schwerlich realisiert werden könne. Auch stellte der Bauvorsteher in Aussicht, dass man mit Erdgas runterfahren wolle und dafür Fernwärme von der Kehrichtverbrennungsanlage mit einer neuen Leitung holen möchte.

Wohnanteil und Verkehr

Die Hauptdiskussionen entspannen sich jedoch rund um den Wohnanteil und den Verkehr. Das sei auch in der Strategiekommission so gewesen, erklärte deren Präsident Reto Huber (cvp) voraus. Einig war man sich vor allem darin, dass die Firmen ABB und Alstom die benötigten Flächen erhalten, um sich gemäss ihren Bedürfnissen am Wirtschaftsstandort Baden entwickeln zu können. Darum war die Aufstockung der Ausnutzung von 1,8 auf 2,0 weder für Links noch Rechts ein Diskussionsthema.

«Wir sind an der Grenze angelangt und es darf kein Mehrverkehr generiert werden ausserhalb des öffentlichen Verkehrs», sagt Tomislav Kokot (team). Als fortschrittlich bezeichnete er, dass für Firmen mit über 50 Mitarbeitenden ein Mobilitätskonzept obligatorisch sei. Beni Knecht (sp) bedauerte es, dass ausser der SP sich nur eine Partei (die FDP) an der Vernehmlassung beteiligt habe. Architekt Knecht stiess sich daran, dass 20 000 m2 der Hotelfläche als Wohnnutzung abgegolten werden dürfen. Zudem wollte er wissen, wie man die - auch vom Kanton kritisierte - Gestaltung der Freiflächen verbessern wolle. Knecht forderte zudem autofreies Wohnen.

Proaktiver Stadtrat

Peter Courvoisier, der Architekt in den Reihen der FDP, stellte sich hinter die Vorlage des Stadtrates, mahnte jedoch, dass man beim geplanten Brown-Boveri-Platz etwas Besseres gestalten solle, als beim Trafoplatz herausgekommen sei. Reto Huber (cvp) lobte, dass der Stadtrat proaktiv vorgegangen sei. Der revidierte ERP sei ein Wegweiser der Prosperität.

Betreffend Verkehr verwies Huber darauf, dass de facto die Parkplatzzahl für die Arbeitsplätze um 380 reduziert werde. Ursina Schmidlin (gl) erklärte sich seitens ihrer Partei mit der Verdichtung einverstanden, solange genügend Freiräume für Fussgänger und Velofahrer berücksichtigt würden. Sie begrüsste, dass Sondernutzungspläne und für neue Gebäude Architekturwettbewerbe gefordert würden, und wollte am relativ definierten Wohnanteil von 25% festhalten.

André Bauer, Sprecher der SVP-Fraktion, lobte die Vorlage des Stadtrates. Baden würde mit diesen Anpassungen ein Zeichen nach aussen setzen, und das in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit. Mit dem Mobilitätskonzept könne der Verkehr weitgehend reguliert werde, meinte Bauer. Auch der SVP sei es ausserdem ein Anliegen, dass die neuen Plätze gut gestaltet würden.

ÖV bis nach Süddeutschland

Stadtammann Attiger betonte nochmals, dass ein Teil der neu entstehenden 1800 Arbeitsplätze Realersatz für die wegfallenden auf den Verenaäckern seien. Der Wohnanteil für die Hotelnutzung sei laut Attiger berechtigt, weil dadurch das Quartier belebt würde.

Der Verkehr ist laut Attiger ein besonders heikles Thema. Es brauche ein öV-Angebot (öffentlicher Verkehr), das bis in den süddeutschen Raum reichen müsse. Der Bedarf eines Hotels sei klar gegeben; mit der Wohnanteilsregelung werde man bessere Chancen haben, einen guten Investor zu finden.