Villigen
Einweihung des innovAARE: Schon kurz darauf ging es los

Nach der Gründung im Mai geht bereits das erste Gebäude in Betrieb

Mathias Küng
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Landammann Urs Hofmann bei seiner Ansprache.
7 Bilder
Joel Mesot
Hubert Zimmermann
Daniel Kündig
innovAARE
Das Gebäude aus der Nähe
Das gestern eingeweihte erste Gebäude des Parks innovAARE

Landammann Urs Hofmann bei seiner Ansprache.

Alex Spichale

Nachgefragt

Wie kamen Sie auf die Idee eines Innovationsparks im Aargau?

Urs Hofmann: Schon vor meiner Zeit als Regierungsrat gab es in Villigen Überlegungen für eine Hightechzone. Man wollte in der Nähe des Paul-Scherrer-Instituts (PSI) Flächen für Firmen freihalten, die mit dem PSI zusammenarbeiten möchten. An der Weiterentwicklung dieser Idee war auch mein Departement beteiligt. Als das Projekt eines schweizerischen Innovationsparks aufkam, war die Vorarbeit schon geleistet. Daraus haben wir den Park innovAARE entwickelt, der als bestes Projekt bewertet wurde. Das war die Voraussetzung dafür, dass zwischen Zürich und Basel auch im Aargau ein Standort realisiert werden konnte.

Der Innovationspark kam im Parlament rasch durch. Was erhofft sich die Politik davon?

Die exportorientierte Industrie in der Schweiz hat, gerade auch im Bereich der KMU, langfristig nur eine Chance, wenn sie technologisch spitze und der internationalen Konkurrenz eine Nasenlänge voraus ist. Hier wollen wir in Kooperation mit der Wirtschaft Unterstützung leisten. Erst recht angesichts des starken Frankens und der grossen internationalen Konkurrenz.

Der erste Pavillon wurde in zwei Monaten erstellt. Ist das der neue Benchmark beim Bauen?

Dieses Tempo ist der neu gegründeten InnovAARE AG zu verdanken. Diese mehrheitlich von der Privatwirtschaft getragene AG leistet die Aufbauarbeit. Es freut mich, dass die Gemeinde
Villigen bei der Baubewilligung unkompliziert mithalf. Der Gemeinderat hat einen guten Job gemacht.

Was bringt der Park dem Aargau und der Region denn konkret?

Er ist ein Generationenprojekt. Die erste grössere Etappe sollte in etwa drei Jahren bezugsbereit sein. Wir erhoffen uns eine Stärkung des Forschungs und Werkplatzes Aargau. Und im unteren Aaretal, das mit der Schliessung des AKW Beznau früher oder später Arbeitsplätze verliert, sollen so wertvolle neue Arbeitsplätze entstehen.

(Interview: Mathias Küng)

Eben erst hat der Grosse Rat seinen Segen gegeben, im Mai wurde die Park innovAARE AG gegründet, und schon steht mit dem «deliveryLab» ein erstes Bürogebäude.

Gestern wurde dieses im Beisein von über 100 Politikern, Forschern und Wirtschaftsvertretern eröffnet. Landammann Urs Hofmann zeigte sich dabei überzeugt, «dass wir uns damit auf dem besten Weg befinden, zu einem wichtigen Glied in der Kette der verschiedenen Standorte des nationalen Innovationsparks zu werden».

Dass zahlreiche namhafte Grosskonzerne, Finanzinstitute und KMU nicht nur ideell, sondern als Aktionäre auch bereit sind, in dieses Projekt zu investieren, sei die beste Referenz.

Keine Frage, freut sich auch Joël Mesot, Direktor des Paul-Scherrer-Instituts (PSI). Man verfolge drei Ziele: Erstens die Forschung auf höchstem Niveau weltweit zu betreiben.

Zweitens soll schon die nächste Generation von Forschern, Ingenieuren und technischem Personal ausgebildet werden. Drittens sollen die Forschungsergebnisse von der Industrie genutzt werden.

Trotz weltweiter digitaler Vernetzung stelle er immer wieder fest, so Mesot, «dass die örtliche Nähe zwischen akademischer und industrieller Forschung ein wichtiger Erfolgsfaktor für Innovationen ist.» Das werde der Park fördern und unterstützen.

Profitieren vom PSI

Der Park innovAARE entsteht neben dem PSI in Villigen. Darin sollen Hightech-Unternehmen im Umfeld von PSI, Fachhochschule, Hightech Zentrum und internationalen Firmen wie ABB oder Alstom vom grossen Forschungs-Know-how profitieren und sich gegenseitig befruchten. Für Unternehmen soll der Park ein attraktives Umfeld für Forschung, Entwicklung und Innovation werden. (MKU)

«Innovation wirkt, wenn sie am Markt ankommt.» Dies rief Verwaltungsratspräsident Hubert Zimmermann der Festgemeinde zu. So könne man Wertschöpfung für die Region generieren.

innovAARE sei eine Vernetzungsplattform, über die Leute aus Forschung und Wirtschaft mit dem Ziel des Technologietransfers zusammengebracht werden. Man will sich auf Themen wie Mensch und Gesundheit, Energie sowie die Beschleunigertechnologie ausrichten.

Schnelligkeit soll eins der Qualitätsmerkmale des im Entstehen begriffenen Parks sein. CEO Daniel Kündig verwies auf das unglaublich schnell errichtete erste von mehreren geplanten Gebäuden.

Damit wird der Park sichtbar und ein erster Meilenstein ist erreicht. Bereits sind zwei Firmen hier. Die in Gründung begriffene leadXpro und die «Advanced Accelerator Technologies (ACT), an der auch eine holländische Firma beteiligt ist. Jetzt feste man kurz, so Kündig, «und ab Montag wird hier gearbeitet».

Thomas Held: «Hätte schon längst erfolgen müssen»

Der frühere Direktor der Denkfabrik Avenir Suisse, Thomas Held, ist ein Anhänger der Idee des Parks innovAARE. Die traditionelle Standortförderung via Gewährung von Vergünstigungen und Privilegien aller Art stosse – abgesehen von ihrer ordnungspolitischen Problematik – zunehmend an aussenwirtschaftliche, aber auch innenpolitische Grenzen. Als neuer Königsweg zur Bewahrung von Wohlstand und Wachstum erscheine deshalb immer häufiger die Innovationsförderung. Am Standort Villigen könne mit diesem Park gar an eine «einzigartige Forschungstradition, an weltweite Exzellenz, an unvergleichliche, kaum reproduzierbare Infrastrukturen», angeknüpft werden. Diese echten Zukunftsinvestitionen, so Held, «hätten schon längst erfolgen müssen». (MKU)

Was sich Forscher, Politiker, Gewerkschafter und Unternehmer vom Innovationspark versprechen

Guustaf Savenije, ACT AG, Holland «Erfolgreiche Produkte kann man nicht von vornherein garantieren. Wir haben aber schon lange eine Zusammenarbeit mit der Schweiz. Wir passen zusammen und kommen deshalb hierher.»

Guustaf Savenije, ACT AG, Holland «Erfolgreiche Produkte kann man nicht von vornherein garantieren. Wir haben aber schon lange eine Zusammenarbeit mit der Schweiz. Wir passen zusammen und kommen deshalb hierher.»

Alex Spichale
Corina Eichenberger, Nationalrätin «Ich erwarte für den Werkplatz Aargau Impulse, wenn Firmen herziehen, die innovative und interessante Produkte entwickeln, gerade im Bereich von Mensch/Gesundheit.»

Corina Eichenberger, Nationalrätin «Ich erwarte für den Werkplatz Aargau Impulse, wenn Firmen herziehen, die innovative und interessante Produkte entwickeln, gerade im Bereich von Mensch/Gesundheit.»

Alex Spichale
Renato Mazzocco, Gewerkschaftssekretär «Man kann einen Leuchtturm nicht aufstellen und hoffen, er funktioniere ohne Strom. Ich hoffe, dass die Wirtschaft richtig mitmacht und den Park nicht als Konkurrenz sieht.»

Renato Mazzocco, Gewerkschaftssekretär «Man kann einen Leuchtturm nicht aufstellen und hoffen, er funktioniere ohne Strom. Ich hoffe, dass die Wirtschaft richtig mitmacht und den Park nicht als Konkurrenz sieht.»

Alex Spichale
Daniel Knecht, Präsident AIHK «Es ist grundsätzlich richtig, dass die vielen Schweizer Spitzen-Forschungsresultate auch für die Wirtschaft nutzbar gemacht werden können – zum Wohl der ganzen Volkswirtschaft.»

Daniel Knecht, Präsident AIHK «Es ist grundsätzlich richtig, dass die vielen Schweizer Spitzen-Forschungsresultate auch für die Wirtschaft nutzbar gemacht werden können – zum Wohl der ganzen Volkswirtschaft.»

Alex Spichale
Jakob Baumann, Gemeindeammann «Das untere Aaretal muss strampeln, um wahrgenommen zu werden. Wir hoffen auf zusätzliche Arbeitsplätze, wenn sich hier Firmen ansiedeln. Das hilft auch unserem Dorf Villigen.»

Jakob Baumann, Gemeindeammann «Das untere Aaretal muss strampeln, um wahrgenommen zu werden. Wir hoffen auf zusätzliche Arbeitsplätze, wenn sich hier Firmen ansiedeln. Das hilft auch unserem Dorf Villigen.»

Alex Spichale

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