Frankenaufwertung und Einkaufstourismus haben den Warenpreis zum wichtigsten Thema des Schweizer Detailhandels gemacht.

Trotz Abkühlung an der Währungsfront erhitzt die Preisfrage die Gemüter weiterhin. Diese Woche sorgte die Ankündigung von Denner für Furore, Coca-Cola-Flaschen künftig günstig aus Tschechien zu beziehen, anstatt die Schweizer Coca-Cola-Niederlassung in Brüttisellen zu berücksichtigen.

Obwohl die Debatte anhält, kann festgehalten werden: Die Preise im Detailhandel sind in den letzten Jahren deutlich gesunken. Nach starken Nachlässen 2011 und 2012 gingen die Preise auch im abgelaufenen Jahr um 1 Prozent zurück, wie die Credit Suisse (CS) in einer gestern in Zürich präsentierten Studie schreibt.

Bei einigen Produkten günstiger

Es gibt allerdings Unterschiede zwischen dem Food- und Non-Food-Bereich. Während die Preise bei Non-Food-Artikeln im letzten Jahr um 2 Prozent zurückgingen, stiegen die Preise für Lebensmittel erstmals seit 2008 wieder leicht an (plus 1 Prozent).

Insgesamt ist der Schweizer Detailhandel in den letzten drei Jahren gegenüber dem Ausland aber deutlich konkurrenzfähiger geworden – die Preisunterschiede sind geschrumpft. Neben den erwähnten Preisrückgängen in der Schweiz hängt das auch mit der Inflation in den Nachbarländern zusammen.

Allerdings gibt es auch bei der Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Ausland grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Produktgruppen. Bei Unterhaltungselektronik und Einrichtungsgegenständen (Möbel, Heimtextilien etc.) ist der hiesige Detailhandel auf Augenhöhe mit den umliegenden Ländern – oder gar günstiger.

Bei alkoholischen Getränken, Tabakwaren oder Bekleidung und Schuhen dagegen beträgt die Differenz im Schnitt etwas mehr als 20 Prozent.

Am grössten sind die Unterschiede nach wie vor bei Lebensmitteln. In diesem Bereich bezahlen die Schweizer für Produkte gemäss Schätzungen der CS immer noch ein Drittel mehr als Käufer in den umliegenden Euroländern. Im Vergleich zu 2011 ist das dennoch eine deutliche Verbesserung.

Bei den Lebensmittelpreisen muss jedoch ein Umstand berücksichtigt werden: Ein Teil der Preisdifferenzen ist politisch gewollt.

Insbesondere die Marktabschottung bei Agrargütern sorgt dafür, dass die Konsumenten hierzulande für Eier oder Kartoffeln höhere Preise bezahlen. Das war schon immer so.

An Einkaufen im Ausland gewöhnt

Die Zahl der Ausfuhrbescheinigungen – die sich Schweizer am Zoll abstempeln lassen, um die Mehrwertsteuer zurückerstattet zu bekommen – zeigt, dass sich der Einkaufstourismus auf hohem Niveau eingependelt hat.

Das fulminante Wachstum aus den Jahren 2011 und 2012 wurde letztes Jahr zwar gestoppt, viele Schweizer scheinen sich aber an den Einkauf ennet der Grenze gewöhnt zu haben.

Die Schlussfolgerung der CS: «Das Ausmass des Einkaufstourismus wird mittelfristig keinesfalls auf das Niveau zurückfallen, das wir vor der Frankenaufwertung gesehen haben.»

Einkaufsgewohnheiten würden sich äusserst langsam ändern – zudem dürften viele Schweizer auch andere Vorteile der ausländischen Anbieter schätzen gelernt haben – zum Beispiel das breitere Sortiment.

Als Beweis gilt Österreich: Dort haben sich gemäss Berechnungen der CS-Ökonomen die Lebensmittelpreise – umgerechnet in Schweizer Franken – wieder dem Niveau von Anfang 2006 angenähert.

Damals machten sich jedoch deutlich weniger Schweizer die Mühe, im östlichen Nachbarland einzukaufen – obwohl der Nutzen gleich gross gewesen wäre.