Medien

Einheimischer holt die «Basler Zeitung» zurück

Crossair-Gründer Moritz Suter übernimmt die «Basler Zeitung».

Crossair-Gründer Moritz Suter übernimmt die «Basler Zeitung».

Crossair-Gründer Moritz Suter kauft die «Basler Zeitung» und beendet das umstrittene Beratermandat mit Christoph Blocher. Festhalten will Suter am ebenfalls umstrittenen Chefredaktor Markus Somm.

Die Proteste gegen das Berater-Mandat von Christoph Blocher haben offenbar Früchte getragen: Per sofort übernimmt Crossair-Gründer Moritz Suter die Basler Zeitung Medien (BZM). Der in Basel allseits geachtete Wirtschaftskapitän beendet das umstrittene Mandat mit Blochers Robinvest AG. Und er holt den erst im Oktober nach Zug verlegten Sitz der BaZ-Holding zurück ans Rheinknie.

Der Tessiner Financier Tito Tettamanti, der mit 75 Prozent Mehrheitsaktionär war, und der Basler Medienanwalt Martin Wagner treten nach nur neun Monaten als Besitzer ab. Die Akzeptanz müsse auf allen Ebenen spielen, räumt Wagner ein. «Wir beide hätten das Unternehmen belastet.» Damit kommt es zu der hundertprozentigen Basler Lösung, die von vielen gewünscht wurde.

Mandat für Blocher «ungeschickt»

Zu Blochers Beratermandat sagt der neue Inhaber: «Herr Blocher ist sicher kein schlechter Ratgeber, wenn es darum geht, Unternehmen mit Problemen zu sanieren.» Das Engagement des SVP-Strategen bei der BaZ hält er dennoch für «etwas ungeschickt». Das habe bei weiten Teilen der Öffentlichkeit einen falschen Eindruck erweckt. Festhalten will Suter am ebenfalls umstrittenen Chefredaktor Markus Somm. Zudem will der neue Kapitän mit der heutigen Leitung um den kürzlich zum CEO ernannten Roland Steffen weiterfahren. Den Verwaltungsrat muss Suter neu besetzen, alle Bisherigen (unter ihnen Champions-League-Vermarkter Bernhard Burgener) scheiden aus: «Ich arbeite mit allen zusammen, die bereit sind, mit ihrem Namen zu dem sinkenden Schiff zu stehen.»

Der 67-Jährige betont, die BZM aus eigenem Vermögen erworben zu haben. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Wagner wollte nicht verraten, ob er und Tettamanti mit dem Deal Geld verloren haben. «Die BZM durfte nicht unheimlich viel Geld kosten. Schliesslich trage ich einiges Risiko», betont dagegen Suter und verweist auf den Schuldenberg von über 100 Millionen Franken und «Klumpfüsse» wie die Druckerei. Für 2010 rechnet er mit einem operativen Verlust in Millionenhöhe.

Herr Suter, haben Sie die BaZ gekauft, weil Sie als Basler Bauchweh wegen der jüngsten Entwicklungen hatten oder weil Sie als Unternehmer Herausforderungen mögen?

Moritz Suter:Wegen beidem. Ich bin dieses Engagement eingegangen, um das wirtschaftliche Überleben dieses Unternehmens zu sichern. Natürlich: Eine Zeitung aus Zürich oder Bern hätte ich in derselben Situation nicht gekauft. Ich habe mir in den letzten Tagen grosse Sorgen um die BaZ gemacht. Ebenso hätte ich auf ein Engagement verzichtet, wenn ich nicht überzeugt wäre, dass man mit dieser Zeitung Geld verdienen kann.

Wann können Sie guten Gewissens sagen: Meine Mission ist erfüllt.

Ich werde die BaZ wohl nicht zehn Jahre halten. Mehr kann ich über den zeitlichen Horizont meines Engagements nicht sagen. Meine Mission wird dann erfüllt sein, wenn die BaZ wieder wirtschaftlich funktioniert und eine Zukunft hat.

Sie sagen, für Blocher habe es bei der BaZ keinen Platz. Weshalb halten Sie aber zu Chefredaktor Markus Somm, der Blocher nahe steht?

Weil er frischen Wind in die Zeitung gebracht hat. Es gibt nichts Langweiligeres als ein Medium, das nicht zumindest ein bisschen polarisiert. Ich kenne viele Leute, die das gut finden.

Mit der Anstellung des Blocher-Biografen Somm Ende August ist die Debatte um den Rechtsrutsch der BaZ doch in Gang geraten.

Ich sehe das etwas anders: Für viele Baslerinnen und Basler wurde es kumuliert zu viel: Zuerst die Anstellung von Somm, dann die Verlegung des Holdingsitzes und dann das Bekanntwerden des Blocher-Mandats. Letzteres hat dazu geführt, dass in Basel die Emotionen überschwappten.

Glauben Sie, dass das angeschlagene Vertrauen der BaZ-Redaktion zu Somm repariert werden kann?

Davon bin ich überzeugt. Ich werde alles Mögliche tun, damit wir in der Redaktion eine gute Stimmung kriegen. Daran liegt mir sehr viel.

Wo sehen Sie eigentlich Parallelen zwischen der Zeitungs- und der Flugbranche?

Bei den Emotionen. Ich dachte früher immer, die Fliegerei sei die emotionalste Branche. Heute muss ich sagen: Bei den Medien geht es noch emotionaler zu und her. Die Ereignisse um die BaZ haben mal wieder vor Augen geführt, wie viele Menschen sich mit ihrer Zeitung identifizieren.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1