Von Athen über Dublin bis nach Lissabon. Die Schuldenkrise greift um sich wie ein «Bacillus» - und befällt nun die letzte verbleibende Supermacht; die Vereinigten Staaten von Amerika.

Schuldenobergrenze erreicht

Die Frage ist: Wie konnte es soweit kommen? Die Antwort: Neben den ausufernden Haushaltsausgaben liess die Verstaatlichung einiger Bankeninstitute und die aufgelegten Konjunkturprogramme zur Stabilisierung der Volkswirtschaft die Staatsverschuldung der USA so stark ansteigen, dass die in der Verfassung verankerte Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen US-Dollar in Bälde erreicht sein wird.

Will heissen: Gelangen das Weisse Haus unter der Führung von US-Präsident Barack Obama und das Parlament in Sachen Sparpaket und Erhöhung des «Schuldendachs» nicht zu einer Einigung, dürften die Vereinigten Staaten ab nächstem Dienstag keine neuen Schulden aufnehmen und könnten dann die eigenen Rechnungen nicht mehr begleichen.

Keine Rente für Kriegshelden

Käme es zu einem Zahlungsausfall der Vereinigten Staaten, würde dies zunächst die Bevölkerung empfindlich treffen. So könnten die USA in einem ersten Schritt ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber der Sozialversicherung über 28 Milliarden Dollar nicht mehr nachkommen. Folglich würden an Kriegsveteranen keine Renten und Staatsangestellten keine Löhne mehr ausbezahlt.

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Hält diese Zahlungsunfähigkeit über einen längeren Zeitraum an, könnte dies zu einer verminderten Kaufkraft, Mindereinnahmen für Unternehmen und zu einer steigenden Arbeitslosigkeit in den USA führen. Die Reaktion auf den internationalen Finanzmärkten würde danach deutlich ausfallen.

USA würden China mit in den Abgrund reissen

Der Dollar fiele auf ein neues historisches Tief und die Ratingagenturen wie Standard & Poors würden die US-Staatsanleihen in der Bewertung herabstufen. Laut UBS-Ökonomen könnte dieser Schritt zu einem «moderaten» Zinsanstieg bei den Staatspapieren führen. Im schlimmsten Fall könnte dies daraufhin eine Kapitalflucht in Gang setzen - mit Folgen für die Weltwirtschaft.

Der Grund: Die Staaten geben gemeinsam mit den Notenbanken Staatsanleihen aus und bieten diese auf den Börsenmärkten den Gläubigern zum Verkauf an. Auf diesen Papieren müssen die Staaten den Käufern gegenüber einen Zins entrichten. Dieser wird meist in harter Währung - in Dollar oder Euro - veranschlagt. Auf diese Weise refinanzieren die Länder ihre Staatsschulden.

Schweizer Exportindustrie würde leiden

Das Problem: China gehört zu den grössten Gläubigern an US-Staatsanleihen. Das Reich der Mitte hält gegen 1000 Milliarden an US-Papieren. Würden diese Wertpapiere von der Höchstnote AAA auf AA herabgestuft, käme es in der chinesischen Wirtschaft zu einer konjunkturellen Abkühlung -mit spürbaren Konsequenzen für die Schweizer Volkswirtschaft.

«Der grenzüberschreitende Warenaustausch würde abnehmen, die Frankenstärke noch ausgeprägter - ganz zum Leidwesen der Exportindustrie», sagt Merino. Je länger dieser Zustand anhält, desto wahrscheinlicher sind die negativen Folgen wie Stellenabbau, Lohnkürzungen oder ein Investitionsstopp Schweizer Firmen.

US-Staatsanleihen sind heiss begehrt

Wie die UBS-Ökonomen aber beteuern, ist der Vertrauensverlust in die US-Staatsanleihen noch nicht gegeben, denn die Zinsen für die zehnjährigen Papiere lägen nach wie vor unter drei Prozent. Für Staatsanleihen gilt die Regel, je tiefer der Zins, desto sicherer sind die Papiere für die Anleger. Somit sind die Staatspapiere der Vereinigten Staaten auf dem internationalen Finanzmarkt weiterhin heis begehrt.

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Derweil gehen die UBS-Ökonomen nicht vom Schreckensszenario einer US-Staatspleite aus. Vielmehr ist mit einer Einigung über die Anhebung der Schuldenobergrenze zu rechnen. Merino geht davon aus, dass diese Quote um sieben bis neun Prozent des US-Bruttoinlandsproduktes angehoben wird. Damit könnte Barack Obama 1,3 Billionen Dollar an neuen Schulden erwirtschaften.

Haushaltsbudget um vier Billionen entschlacken

Zudem ist mit einem einschneidenden Sparpaket zu rechnen. Kein Wunder: Das US-Haushaltsbudget muss in den nächsten zehn Jahren um vier Billionen US-Dollar entlastet werden. Die Frage ist nur wie. Während die Republikaner auf tiefe Steuern pochen und die Gesundheitsreform von Obama zur Makulatur erklären möchten, wollen die Demokraten die Steuerschlupflöcher für die reiche Oberschicht schliessen.