Kaffee

Eine neue App bringt Konsument und Kaffeebauer zusammen – das dürfte nicht jedem gefallen

Kaffeebohnen in einer Schweizer Rösterei.

Kaffeebohnen in einer Schweizer Rösterei.

Ein Schweizer Unternehmen macht die Lieferkette von Kaffee transparent – das dürfte nicht jedem gefallen.

Kaffee ist das beliebteste Getränk der Welt. Besonders um Spezialitätenkaffees ist in den letzten Jahren ein Hype entstanden. Auch in der Schweiz drängen Barista-Shops in die Innenstädte, und Privathaushalte investieren grosse Summen in Espressomaschinen in Kaffeehaus-Qualität. Und auch bei der Bohne selbst achten immer mehr Konsumenten ganz genau darauf, wo sie herkommt und unter welchen Umständen sie geerntet und verarbeitet wurde.

Letzteres herauszufinden ist allerdings nicht immer einfach. Labels wie Fair Trade haben sich darauf spezialisiert, dem Konsumenten glaubhaft zu versichern, dass der Bauer in der Anbauregion nicht zu kurz kommt. Doch die einzelnen Schritte nachvollziehen kann der Kaffeetrinker normalerweise nicht.

Zwischenhändler könnten überflüssig werden

Farmer Connect will das nun ändern. Die Firma aus Genf hat eine App entwickelt, die Konsument und Bauer zusammenbringt. Mehr noch: Die ganze Lieferkette soll transparent werden. Kaffeefans sollen ihren Kaffee so bis zum Anbau zurück­verfolgen können. Möglich macht dies die sogenannte Blockchain – eine Technologie, mit der Daten auf vielen Rechnern dezentral gelagert und überprüft werden. «Thank my farmer» heisst die App. Sie wurde gestern in Las Vegas vorgestellt.

Wie das ganze funktioniert, erklärt Franziska Reist von IBM Schweiz. Das Unternehmen hat die Technik entwickelt, die hinter der Kaffee-App steckt. «Die Daten werden direkt aus der Blockchain gezogen», sagt Reist. In der Praxis sieht das so aus: Der Konsument scannt den Kaffee im Laden und sieht auf einer interaktiven Karte in der App, von welcher Farm die Bohne kommt. Die Technologie ermögliche aber noch viel mehr, sagt Reist. So könne der Konsument nachhaltige Projekte in der Anbaugegend unterstützen oder dem Bauern ein finanzielles Dankeschön überweisen.

Sichtbar werde überdies, wer die Bohne röstete und welche Zwischenhändler sie auf ihrem Weg aus Übersee passierte. Für diese hat das Ganze jedoch einen Haken, denn einige Zwischenhändler könnten obsolet werden: Wer in der Lieferkette einen Mehrwert liefere, müsse nicht um seine Teilhabe fürchten, sagt Reist. Wer nicht, könnte jedoch künftig einfach übergangen werden.

In den kommenden Wochen soll die App lanciert werden – zuerst mit Pilotprojekten in Nordamerika und Europa. Der Genfer Kaffeehändler Sucafina, aus dem heraus Farmer Connect als Spin-off entstand, nimmt teil. Weitere grosse Kaffeehändler wie Beyers Koffie ebenfalls.

In der zweiten Jahreshälfte, sagt Franziska Reist, sollen grössere und kleinere Schweizer Unternehmen und auch Konsumenten mitmachen können. Zu den Plänen in der Schweiz sagt Farmer-Connect-Chef David Behrens: «Wir führen zurzeit Gespräche mit Kaffeespezialitätenröstern und einem grossen Einzelhändler mit Sitz in der Schweiz.» Mehr wollte Behrens dazu nicht sagen.

Autor

Fabian Hock

Fabian Hock

Meistgesehen

Artboard 1