Der Konflikt mit White Tale entwickelte sich nach der angekündigten Fusion des Baselbieter Chemiekonzerns mit Huntsman. Durch den Zusammenschluss mit dem US-Konkurrenten wäre eine weltweite Nummer zwei in der Spezialchemiebranche entstanden. Das Muttenzer Unternehmen hätte sich damit ein bessere Position in einer Zeit geschaffen, in welcher eine Fusionswelle durch die Chemiebranche rollt.

Doch der Grossaktionär White Tale erachtete diesen Zusammenschluss als strategisch falsch. Clariant werde zu tief bewertet, sagte ein Sprecher des US-Investors im Juli, sechs Wochen nach der Ankündigung des Zusammenschlusses.

Weil Clariant für den Zusammenschluss eine Zweidrittelmehrheit der Aktionäre brauchte, kaufte White Tale Aktie um Aktie, bis die Beteiligung auf 20 erhöht war. Zudem hatte White Tale offenbar weitere Aktionäre auf seine Seite ziehen können. Die Zweidrittelmehrheit schien nun unwahrscheinlich, der Abbruch der Fusion war die Folge davon.

Clariant zeigt Grossinvestor kalte Schulter

White Tale stellte nun Forderungen an Clariant: Verkauf der Plastik- und Beschichtungssparte, drei Sitze im Verwaltungsrat von Clariant, externe Prüfung der Strategie von Clariant.

Doch Clariant erteilte den Forderungen eine Absage. Zum Spartenverkauf sagte Clariant-Chef Hariolf Kottmann in einer Telefonkonferenz vom Freitag: "Es ist fast unmöglich, die gesamte Sparte zu veräussern." Sie mache rund 35 Prozent des Konzernumsatzes aus. "Wir müssten nach einem solchen Verkauf zwei Jahre und 500 Millionen Franken aufwenden, um die Kostenbasis wieder herunterzubringen."

Damit würde letztlich das Unternehmen zerschlagen und die Vermögenswerte verkauft werden - dies stünde im Gegensatz zu der unternehmerischen Vision und Verantwortung, dem Verständnis sowie den Treuepflichten des Clariant-Verwaltungsrats und des Managements. Daher lehne der Verwaltungsrat die Forderung ab.

Entschieden lehnen die Muttenzer auch die Forderung nach einer externen Überprüfung der Strategie ab. "Dies bedeutet nichts Anderes, als Bieter für unsere einzelnen Geschäfte zu finden - mit der Konsequenz, die Firma aufzuspalten und die Teile zu verkaufen", sagte Kottmann.

An der Telefonkonferenz sagte Kottmann weiter, dass der Verwaltungsrat am Donnerstag entschieden habe, dass ein Nominierungsverfahren eröffnet werde. So könne White Tale der Generalversammlung im März 2018 ein Mitglied vorschlagen. Ein Mitglied, nicht drei, wie gefordert.

Eskalation nicht ausgeschlossen

Diese Entwicklungen zeigen, dass sich die Fronen langsam verhärten. Selbst ein kürzliches Treffen zuvor in Zürich hatte zu keiner Einigung geführt: White Tale habe keine eigene Strategie oder Pläne präsentiert, wie Clariant weiterentwickelt und langfristiger Wert für alle Aktionäre geschaffen werden solle, hiess es.

Statt sich den Forderungen zu beugen, geht Clariant nun in die Gegenoffensive und will seine Strategie anpassen, damit das Wachstum und die Wertgenerierung verbessert werden. Zu den Massnahmen gehören mögliche Übernahmen, Veränderungen des Geschäftsportfolios, mögliche Erträge für Anleger und Kostensenkungen. Die aktualisierte Strategie will Clariant Anfang 2018 vorstellen.

Ob diese Ankündigungen dem Grossaktionär genügen werden, ist offen. Der aktivistische Anleger wollte sich zu den Plänen der Clariant-Spitze vorerst nicht äussern. Die Beteiligungsgesellschaft hat auch mit der Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung gedroht.

Gemäss Kottmann hat Clariant aber die Rückendeckung der anderen grossen Aktionäre: "Wir haben 60 Prozent der grossen Aktionäre besucht. Sie unterstützen das, was wir ihnen vorgestellt haben", sagte Kottmann. Dazu gehört auch die Gruppe der ehemaligen Süd-Chemie-Aktionäre mit einem Anteil von rund 15 Prozent. Aber: "Wie unsere Aktionäre stimmen werden, weiss ich nicht", ergänzte er.

Die Aktien von Clariant fielen am Freitagmorgen hinter die Vortageskurse zurück. Bis am Mittag sank der Aktienkurs um 0,8 Prozent auf 26,38 Franken. Der Gesamtmarkt gemessen lag derweil um 0,15 Prozent im Plus.