Zuchwil

Ein Streichkonzert voller Misstöne

Abhängigkeit: Zuchwil erhält dieses Jahr viel weniger Steuern von der Scintilla. Aufgrund der grossen Investitionen steht die Gemeinde deshalb vor einem massiven Problem.

Zuchwils Finanzlage

Abhängigkeit: Zuchwil erhält dieses Jahr viel weniger Steuern von der Scintilla. Aufgrund der grossen Investitionen steht die Gemeinde deshalb vor einem massiven Problem.

Fünf vor zwölf ist längst vorbei. Zuchwil verzeichnet für das letzte Jahr einen massiven Finanzierungsfehlbetrag. Da es in naher Zukunft nicht besser aussieht, muss ordentlich gespart werden.

Gaudenz Oetterli

«Wir haben nicht kein Geld. Wir haben noch weniger», brachte es FdP-Mann Gerhard Stampfli auf den Punkt. Soeben hatte der Rat zwei 5-Millionen-Kredite (siehe Kontext) genehmigt und suchte nun bei den Investitionen nach Sparpotenzial.

Bei acht Posten ortete der Finanzausschuss 795 000 sparbare Franken. Unter anderem für Arbeiten am Gemeindehaus und am Kindergarten Blumenfeld, die eigentlich längst fällig wären. «Aber wir haben kein Geld», doppelte Finanzverwalter Balthasar Fröhlicher nach.

Weder der Appell von Stampfli noch derjenige von Fröhlicher zeigten Wirkung. Eine Mehrheit des Rates stimmte dennoch dafür, nicht global alle acht Investitionen zu streichen.

Kein Silberstreifen am Horizont

Dieses Abstimmungsresultat veranlasste den Finanzverwalter, ein paar nackte Zahlen auf den Tisch zu knallen. «Im Jahr 2008 weisen wir in der Laufenden Rechnung ein Defizit von 4,5 Millionen aus und haben einen Finanzierungsfehlbetrag von 7,5 Millionen Franken.»

Bei der Liquidität sehe es sogar noch schlimmer aus. Das Bittere daran: Die Prognose für dieses Jahr ist noch düsterer. Fröhlicher: «Die Scintilla hat uns letztes Jahr 11 Millionen Franken an Steuern gezahlt. Plus einen Vorbezug von 6 Millionen für 2009, von dem wir 5 Millionen übertragen konnten. Diese 5 Millionen sind alles, was wir 2009 von der Scintilla erhalten!»

Schaue man die Liquidität der Gemeinde an, so müsse man für dieses Jahr vermutlich noch einmal 10 Millionen Franken aufnehmen. Als der Rat nach diesen Worten die Posten durchging, blieb am Ende keiner mehr übrig. Mit meist klaren Ergebnissen wurden nun doch alle acht Posten aus der Investitionsrechnung gestrichen.

Spare, spare, kein Häusle baue

Der grösste gestrichene Posten ist die Investition von 480 000 Franken ins Gemeindehaus. Mit dem Geld hätte das Dach saniert und der Dachstock ausgebaut werden sollen. Bauverwalter Peter Baumann gab zwar zu bedenken, dass die überalterten Ziegel auf dem Dach jederzeit kaputtgehen könnten. Dies könnte einen Schaden im sechsstelligen Bereich verursachen.

In Anbetracht der Finanzlage war der Rat am Ende aber bereit, dieses Risiko einzugehen und auf den Bau vorerst zu verzichten. Im Namen seines Personals erklärte Gemeindepräsident Gilbert Ambühl, dass die Verwaltung auch noch ein Jahr mit der Raumknappheit im Haus zurechtkomme. Spätestens nächstes Jahr sei dies dann aber im Hinblick auf den erhöhten Platzbedarf durch die Sozialregion kaum mehr möglich.

Weiteres Sparpotenzial fand der Finanzausschuss auch in der Laufenden Rechnung. Hier vor allem bei werterhaltenden Massnahmen und vor allem bei den Schulanlagen. Stephan Hug, Schuldirektor, stiess dies ein wenig sauer auf und fragte deshalb, ob es denn nicht in anderen Abteilungen auch noch Sparmöglichkeiten gebe.

Dieser Meinung schloss sich der gesamte Gemeinderat an. Er will, dass sich der Finanzausschuss alle Abteilungen noch einmal vornimmt und verschob allfällige Streichungen in der Laufenden Rechnung auf einen späteren Zeitpunkt.

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