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Ein «Spielertrainer»: So tickt der neue Raiffeisen-Chef Heinz Huber

Heinz Huber verlässt die Thurgauer Kantonalbank

Heinz Huber verlässt die Thurgauer Kantonalbank

Mit Heinz Huber wechselt ein stiller, gut vernetzter Schaffer zur Genossenschaftsbank. Seine neue Stelle tritt er schon Anfang Januar an.

Gut vier Jahre ist Heinz Huber im Amt gewesen. Vier Jahre als Chef der Thurgauer Kantonalbank (TKB), deren Geschäftsertrag in dieser Periode trotz Tiefzinsen deutlich gestiegen ist. Und was vielleicht noch mehr zählt: Er hat der Bank deren innere Ruhe zurückgebracht, die ihr in den Jahren davor abhandengekommen war, und einen kulturellen Wandel eingeleitet.

Mit Huber, der vor wenigen Tagen 54 Jahre alt geworden ist, änderte sich das Bild der TKB. Zwar ist auch er ein Gewächs der UBS wie seine zwei gescheiterten Vorgänger. Huber absolvierte dort eine Banklehre und arbeitete an verschiedenen Stationen, bevor er zur Credit Suisse (CS) wechselte. Danach aber war Huber ab 2001 unternehmerisch tätig, als Mitglied der Geschäftsleitung der globalen IT-Firma Dicom Group sowie als Gründer und Geschäftsführer der Sydoc, eines KMU im Informationsmanagement.

2007 kehrte Huber als Mitglied der Geschäftsleitung zur TKB zurück und verantwortete das Firmenkundengeschäft, bis er vor vier Jahren den Chefsessel übernahm. Er ist kein Mann der lauten Töne, sondern ein stiller Schaffer – gesellig, aber kein Selbstdarsteller, bestens vernetzt, ein Moderator oder: «ein Spielertrainer», wie es Bankratspräsident René Bock ausdrückt. Will heissen: Huber gewährt seinen Geschäftsleitungskollegen Freiraum, sie treten ebenfalls öffentlich auf, und so ist die ganze Führungsriege der Bank immer wieder sicht- und spürbar im Kanton Thurgau. «Ich hätte mir gut vorstellen können, dass Heinz Huber bis zur Pensionierung bei uns weitergearbeitet hätte», drückt Bock seine Wertschätzung aus. Und: «Wir bedauern seinen Weggang.»

Von einem Bank-KMU zu einem systemrelevanten Bankkonzern

Bei Raiffeisen wird sich Huber ungleich grössere Schuhe anziehen müssen. Er wird als Leiter der drittgrössten Bankengruppe des Landes der drittwichtigste Banker hinter UBS-Chef Sergio Ermotti und CS-Chef Tidjane Thiam. Auf Huber wartet viel Arbeit. Nicht nur, weil sein Französisch als verbesserungsfähig gilt. Sondern in erster Linie, weil er zusammen mit dem ebenfalls neuen Raiffeisen-Verwaltungsratspräsidenten Guy Lachappelle die Bankengruppe reformieren und nach der Affäre Vincenz zerstörtes Vertrauen wiederaufbauen muss.

Huber selbst macht vorsichtshalber schon mal auf gut Wetter. Das Geschäftsmodell von Raiffeisen habe ihn «seit je fasziniert», lässt er sich in der Mitteilung seines neuen Arbeitgebers zitieren – persönlich Stellung nahm er gestern nicht. Der Erwartungen, die in ihn gesetzt würden, sei er gewahr. Und er fährt fort: «Ich freue mich sehr darauf, das Profil von Raiffeisen Schweiz zu schärfen.» Und: «Aufgrund meiner bisherigen Tätigkeiten als CEO und meines reichhaltigen Erfahrungsschatzes in der Schweizer Finanzbranche fühle ich mich bestens vorbereitet.»

Klar aber ist: Die TKB ist vornehmlich im Thurgau tätig, Raiffeisen national – und systemrelevant. Die TKB beschäftigt 775 Mitarbeitende, Raiffeisen über 11 000. Die TKB zählt 29 Geschäftsstellen, die Raiffeisen-Gruppe ist mit 246 rechtlich autonomen Banken an fast 900 Standorten präsent. Das sind ganz unterschiedliche Dimensionen. Und: Die TKB läuft stabil, während Raiffeisen eine riesige Baustelle ist.

Dem Vernehmen nach hat der von Raiffeisen beauftragte Führungskräftevermittler Guido Schilling bei der Chefsuche die Geschäftsleitungen praktisch aller mittleren und grossen Geldhäuser regelrecht abgegrast. Warum ist die Wahl auf Huber gefallen? Raiffeisen-Präsident Lachappelle nennt ihn «eine erfahrene Führungsperson» und lobt «sein unternehmerisches Denken und seine Umsetzungsstärke» sowie die Wertvorstellungen Hubers. Raiffeisen-Sprecher Dominik Chiavi wirft zudem Hubers «IT-Affinität» in die Waagschale, was der Bankengruppe, die beim Einführen der neuen Informatikplattform enorme Probleme bekundet, eben- falls nützen dürfte.

       Heinz Huber tritt sein Amt am 7. Januar 2019 an. Eingearbeitet wird er von Michael Auer, der nach dem abrupten Abgang Patrik Gisels als Raiffeisen-Chef diese Funktion interimistisch ausübt. Nach der Einarbeitung wird Auer, der durch seine langjährige Nähe zu Gisel und dessen Vorgänger Pierin Vincenz ebenfalls belastet ist, wie angekündigt Raiffeisen verlassen. Die Nachfolgeregelung Auers als Leiter Privat- und Anlagekunden läuft.

Heinz Huber kann seinen Fixlohn verdoppeln

Vergangenes Jahr ist Huber als TKB-Chef mit 550 000 Franken Fixlohn und knapp 300 000 Franken Boni entlohnt worden. Die 550 000 Franken erhält Huber auch für 2018, muss sich aber den kompletten Bonus ans Bein streichen, da er in gekündigter Stellung ist. Das sieht das Reglement der TKB so vor, sagt Bankratspräsident Bock. Weil die TKB Huber, der bereits freigestellt ist, auf Ende Jahr ziehen lässt, zahlt sie ihm nur noch den Dezemberlohn.

Bei Raiffeisen wird Huber einen Lohnsprung hinlegen. Seine feste Vergütung beträgt 1,1 Millionen Franken – also das Doppelte des TKB-Fixlohns. Hinzu kommt eine variable Komponente, wobei die Gesamtvergütung des Raiffeisen-Chefs «neu bei 1,5 Millionen Franken gedeckelt und nur bei einer überdurchschnittlichen Zielerfüllung erreichbar ist», sagt Sprecher Dominik Chiavi. Zum Vergleich: Gisel bezog vergangenes Jahr eine Vergütung von total 2,4 Millionen. Vincenz kassierte 2014, seinem letzten vollen Jahr als Raiffeisen-Chef, 1,9 Millionen Franken.

Und der Bonus, der Huber bei der TKB entgeht? Hier springt Raiffeisen in die Bresche, als Dank für «den frühestmöglichen Antrittstermin» sozusagen. Dominik Chiavi: «Für Mitglieder der Geschäftsleitung sind Antrittsentschädigungen branchenüblich. In diesem Fall handelt es sich um eine Summe in Höhe des letztjährigen Bonus von Heinz Huber.» Also 300 000 Franken.

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