Banken

Ein schweizerisch-deutscher Flirt

Logo der deutschen Commerzbank

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In den letzten Jahren haben sich die Grossbanken auf beiden Seiten des Rheins schon oft beschnuppert.

Wie die informellen Gespräche über eine Fusion zwischen der Deutsche Bank und der Commerzbank ausgehen werden, dürfte bis Ende April klar sein. Jedenfalls halten die beiden Institute am 22. und am 23. Mai ihre Hauptversammlungen ab. Und obschon es den Anschein macht, dass die deutsche Regierung mit ihrem 15-Prozent-Anteil an der Commerzbank eine starke Präferenz für die Grossfusion hat, wird sie mindestens den Aktionären ihres mutmasslichen Wunschpartners ein starkes Mitspracherecht einräumen müssen.

Unbestritten ist, dass die Sache schnell vorankommen muss. Denn vor allem die Deutsche Bank kämpft mit beträchtlichen Ertragsproblemen, deren Lösung keinen Aufschub mehr zulasse. Eine andere Frage ist, ob die beiden Banken durch den Zusammenschluss tatsächliche gestärkt werden können. Beobachter sind sich einig, dass dazu ein tiefgreifendes Restrukturierungsprogramm nötig wäre. Es geht die Rede, dass die Institute, die zusammen mehr als 140 000 Angestellte zählen, Zehntausende von Stellen abbauen und Hunderte von Filialen im ganzen Land schliessen müssten. Ob der sozialdemokratische Bundesfinanzminister Olaf Scholz für eine solche Rosskur Hand bieten will, erscheint eher unwahrscheinlich.

Politik spricht mit

Die Politik scheint bei Bankfusionen in Europa immer ein gewichtiges Wort mitzureden. Während die Bankaufseher bei der Europäischen Zentralbank schon seit geraumer Zeit lautstark für grenzüberschreitende Fusionen werben, sind solche bis heute weitgehend ausgeblieben. Auch zwischen der Schweiz und Deutschland ist es nie zu einem grösseren Bankenzusammenschluss gekommen, obschon solche Ideen in den vergangenen 30 Jahren immer wieder mehr oder weniger intensiv diskutiert worden waren. So hatte die Schweizerische Kreditanstalt (SKA; heute Credit Suisse) schon 1990 bei der Commerzbank Übernahmeinteressen angemeldet.

«Wir haben uns das näher angeschaut, aber die Deutschen haben sich gesträubt, weil wir ihnen zu mächtig waren», erinnerte sich der damalige SKA-Chef Rolf Jeker. Zwei Jahre später stand die Schweizerische Volksbank im Abseits und musste unbedingt einen Käufer finden. Am 21. Dezember 1992 traf sich der damalige Chef Werner Rüegg mit Hilmar Kopp, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, zu einem «Geheimgespräch», wie der Credit-Suisse-Historiker Joseph Jung in seiner Biografie über den früheren CS-Chef Rainer Gut schreibt. Kopp soll nach Rüeggs Urteil «ein echtes, sogar grosses Initialinteresse» gezeigt haben. Ein Jahr später ging die Volksbank in den Besitz der CS über.

Zehn Jahre später ventilierte der damalige Credit-Suisse-Chef Oswald Grübel erneut Interesse an den deutschen Banken. Die Übernahme einer Bank oder Sparkasse sei eine «strategische Option», meinte er, bis er vom Verwaltungsrat zurückgepfiffen wurde. Im Herbst wurden erneut Gerüchte über eine schweizerisch-deutsche Annäherung ruchbar. Diesmal hiess es, die UBS könnte Interesse an der Deutschen Bank haben. Deutsche Medien wollten eine Vielzahl von Einzelheiten dazu wissen. So hiess es, der Hauptsitz der UBS müsste wohl nach Frankfurt verlegt werden, weil sich die Schweiz das Risiko nicht mehr leisten wolle, im Krisenfall eine Bank mit einer Bilanzsumme von über 2,5 Billionen Franken retten zu müssen.

Doch UBS-Präsident Axel Weber winkte alsbald ab, und heute sagt die UBS zu den damaligen Spekulationen: «Dieses Gerücht entbehrt jeglicher Grundlage. Herr Weber hat in zahlreichen Interviews wiederholt öffentlich gesagt, dass wir vor allem auf organisches Wachstum setzen und keine grösseren Akquisitionen planen.» Auslandübernahmen im Bankenmarkt sind ein heisses Eisen, vor allem wenn die Institute im breiten Privatkundengeschäft tätig sind und damit die Grundversorgung eines Landes tangieren.

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