Bayer

Ein schlechtes Omen: Rückabwicklung des Monsanto-Kaufs als Ausweg für Bayer?

Um Schlimmeres zu verhindern, muss Bayer schnell aus dem tiefen Loch herausfinden.

Um Schlimmeres zu verhindern, muss Bayer schnell aus dem tiefen Loch herausfinden.

3 Milliarden Dollar zahlten die Leverkusener für den amerikanischen Agrochemieriesen Monsanto. Inzwischen bewerten die Investoren das ehemals schwerste Unternehmens am deutschen Aktienmarkt zum exakt gleichen Preis, den der Kauf von Monsanto gekostet hatte. 13'400 Klagen sind bei Bayer wegen des mutmasslich krebserregenden Pflanzenschutzmittels derzeit anhängig.

Der deutsche Chemie- und Pharmakonzern Bayer war sich seiner Sache allzu sicher, als er im August 2018 den nicht nur in puncto Reputation angeschlagenen Konkurrenten Monsanto übernahm. 63 Milliarden Dollar zahlten die Leverkusener für den amerikanischen Agrochemieriesen – ein Rekordbetrag in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. So beispiellos wie die Dimension des Firmenkaufes war in der Folge auch dessen Wertvernichtung. Rund 40 Milliarden Euro hat Bayer in den vergangenen zwei Jahren an Börsenwert eingebüsst.

Inzwischen bewerten die Investoren das ehemals schwerste Unternehmens am deutschen Aktienmarkt zum exakt gleichen Preis, den der Kauf von Monsanto gekostet hatte. Die Frustration der Bayer-Aktionäre war an der Generalversammlung von vergangener Woche mit Händen zu greifen. Am Ende der 13-stündigen Mammut-Versammlung verweigerten sie ihrem Konzernchef Werner Baumann die Entlastung und hielten sich damit die Hintertüre für Verantwortlichkeitsklagen offen.

Hedge-Fonds im Nacken

Um Schlimmeres zu verhindern, muss Bayer schnell aus dem tiefen Loch herausfinden. Schon seit Dezember geht die Rede, dass sich der aggressive amerikanische Hedge-Fonds Elliott im Bayer-Aktionariat eingenistet habe. Noch soll sich die Beteiligung des Fonds unter der meldepflichtigen Marke von drei Prozent bewegen. Aber ein offener Angriff scheint jederzeit möglich. Aktionärsaktivisten vom Schlage Elliotts spielen mit dem Gedanken, Bayer aufzuspalten beziehungsweise den Monsanto-Kauf rückgängig zu machen. Das dahinterstehende Kalkül ist einigermassen simpel: Die Rückabwicklung lohnt sich, wenn die laufenden Glyphosat-Klagen gegen Monsanto beziehungsweise Bayer in der Endabrechnung weniger Kosten als die von der Börse bereits vorweggenommene Wertvernichtung.

13 400 Klagen sind bei Bayer wegen des mutmasslich krebserregenden Pflanzenschutzmittels derzeit anhängig. Dass jeder dieser Kläger 33 Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen erhält (womit die Schadensumme 40 Milliarden Euro erreichen würde) erscheint, ungeachtet der beiden erstinstanzlichen Gerichtsurteile in Kalifornien, sehr unrealistisch. Zwar haben die Gerichte zwei an Lymphdrüsenkrebs erkrankten Glyphosat-Opfern Schadenersatzleistungen von je rund 80 Millionen Dollar zugesprochen. Doch es ist nicht anzunehmen, dass in der grossen Masse der Kläger solche schlimmen Fälle eine Mehrheit bilden. Deshalb rechnen Finanzanalysten für den Fall eines aussergerichtlichen Vergleiches mit deutlich geringeren durchschnittlichen Schadenersatzzahlungen. Doch Bayer bleibt im Tief, bis mehr Klarheit herrscht. Ein drittes Verfahren geht in wenigen Tagen über die Bühne. Man rechnet mit einem ähnlichen Urteil wie in den beiden ersten Verfahren.

Konkurrenz rappelt sich auf

Derweil scheint die Konkurrenz flott voranzukommen. Corteva, der Agrochemiekonzern, der aus der Fusion der beiden US-Riesen DuPont und Dow Chemical hervorgegangen ist, kommt am 1. Juni als eigenständiges Unternehmen an die Börse. Der US-Konzern ist mit 14 Milliarden Dollar Umsatz zwar rund einen Drittel kleiner als Marktführer Bayer. Dafür schleppt er wenig weniger schwere Altlasten mit. DuPont und Dow Chemical hatten den Fusionsreigen im globalen Agropoly vor bald drei Jahren angestossen.

Jetzt sieht es ganz danach aus, als könnten ihre übereifrigen Nachahmer die Verlierer werden. Dieses Risiko muss auch die Basler Syngenta gewärtigen, die mit ihrer Eigentümerin Chem China schnell in den sino-amerikanischen Handelsstreit geraten könnte. Kleinere Agrochemiekonzerne wie die die deutsche BASF oder die amerikanische FMC ziehen schon jetzt den ungetrübten Nutzen aus den Geschäften, welche die Marktdominatoren auf Geheiss der Wettbewerbshüter abgeben mussten.

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