Wirtschaft

Ein Laptop auf dem Küchentisch gilt nicht als Arbeitszimmer: Das sind die steuerlichen Folgen von Homeoffice in der Ostschweiz

Wer im Homeoffice sitzt, fährt nicht – kann also keine Kosten für den Arbeitsweg steuerlich abziehen.

Wer im Homeoffice sitzt, fährt nicht – kann also keine Kosten für den Arbeitsweg steuerlich abziehen.

Zu Hause arbeiten statt im Büro bedeutet, auch ein Auge zu werfen auf die Konsequenzen für die Steuerabzüge. Experten klären auf.

Pendler können Berufskosten steuerlich abziehen. Zum Beispiel für die Fahrt zum Arbeitsplatz. Oder für Mittagessen im Restaurant. Nun aber sitzen viele Berufspendler im Homeoffice. Was jetzt? Was ändert sich steuerlich betrachtet? Und wie verhält es sich mit dem Arbeitsplatz, den sich viele zu Hause eingerichtet haben?

Antworten geben Felix Sager, Leiter des Steueramts des Kantons St.Gallen, Jakob Rütsche, Vorsteher der Steuerverwaltung Thurgau, und Gianmarco Zanolari, Leiter der Niederlassung St.Gallen der BDO, die unter anderem Steuerdienstleistungen erbringt.

Ein Jahresabonnement für den öV kann geltend gemacht werden

Grundsätzlich gilt betreffend Berufskosten seit jeher, dass «lediglich die effektiv angefallenen Kosten steuerlich geltend gemacht werden können.» Das heisst für den Arbeitsweg, nur wenn die Fahrt zur Arbeit respektive deren Kosten auch angefallen sind, ist ein Steuerabzug möglich, beispielsweise für das Auto oder für ein Velo.

Felix Sager, Leiter des St.Galler Steueramts.

Felix Sager, Leiter des St.Galler Steueramts.

Etwas anders verhält es sich laut Sager, wenn ein berufstätiger Steuerpflichtiger ein Jahresabonnement für den öffentlichen Verkehr hat, aber während der Pandemie teilweise oder ganz im Homeoffice arbeitet:

Einfach ist die Regelung bei der auswärtigen Verpflegung. Steuerlich abzugsfähig sind nur die Mehrkosten für Verpflegung ausserhalb der Wohnstätte. Das bedeutet, dass für die Tage im Homeoffice kein Verpflegungskostenabzug geltend gemacht werden kann.

«Die Beweislast liegt beim Steuerpflichtigen»

Wie verhält es sich im Homeoffice mit einem Arbeitszimmer? Zu einem solchen funktionieren viele ihr privates Büro in der Wohnung um, rüsten den Laptop mit zusätzlicher Tastatur und grossem Bildschirm auf. Andere setzten sich mangels Platz mit dem Laptop kurzerhand an den Küchentisch.

Rütsche und Sager verweisen darauf, dass der Arbeitszimmerabzug zu den übrigen Berufskosten gehört. Diese gelten grundsätzlich als mit der Pauschale abgegolten. Diese beträgt in St.Gallen bei der Kantons- und Gemeindesteuer 700 Franken zuzüglich 10 Prozent der Nettoeinkünfte, maximal jedoch 2400 Franken. Im Thurgau beläuft sich die Berufskostenpauschale auf 3 Prozent des Nettolohns, mindestens aber 2000 Franken und maximal 4000 Franken.

Werden übrige Berufskosten einschliesslich Arbeitszimmerkosten geltend gemacht, die in der Summe die Pauschale übersteigen, müssen alle tatsächlichen Aufwendungen nachgewiesen werden. Zanolari weiss:

Erhebliche Anforderungen an ein Arbeitszimmer

Abgesehen davon gilt es kumulativ drei Voraussetzungen zu erfüllen, um Kosten eines Arbeitszimmers abziehen zu können:

  • Erstens muss ein wesentlicher Teil der Erwerbstätigkeit ausserhalb des Arbeitsortes erledigt werden, weil der Arbeitgeber das notwendige oder geeignete Arbeitszimmer nicht zur Verfügung stellt oder weil dessen Benützung nicht möglich oder zumutbar ist. Nach geltender Praxis gilt die im Arbeitszimmer zu verrichtende Arbeit als wesentlich, wenn sie rund 40 Prozent der gesamten Arbeitszeit ausmacht.
  • Zweitens muss der Steuerpflichtige auf einen ruhigen und abgeschirmten, spezifisch eingerichteten Ar­beitsplatz angewiesen sein und zur Berufsausübung ein Arbeitszimmer benötigen.
  • Drittens muss ein besonderer Arbeitsplatz, der vorwiegend den Charakter eines Arbeitszimmers haben muss, auch tatsächlich ausgeschieden worden sein. Das heisst zum einen, wie Zanolari sagt:

So funktioniert die 40-Prozent-Regel

Jakob Rütsche, Leiter des Thurgauer Steueramts.

Jakob Rütsche, Leiter des Thurgauer Steueramts.

Zum anderen erläutert Sager betreffend 40-Prozent-Regel: «Bei der Beurteilung, ob 40 Prozent der Arbeitszeit im Homeoffice gearbeitet wird, werden wir in der Praxis nicht auf die ganzjährige Erwerbstätigkeit abstellen, sondern lediglich auf jene Zeit, in welcher der Bundesrat im Rahmen der Coronapandemie Homeoffice empfiehlt».

Diese Praxis gilt laut Rütsche auch im Thurgau. Dabei ist es Aufgabe des Steuerpflichtigen, die Anzahl Homeoffice-Tage wahrheitsgemäss darzulegen, um eine vollständige und richtige Veranlagung zu ermöglichen.

Wann ist Homeoffice beruflich notwendig?

Die nächste Frage, die sich stellt: Was ist bei einem Arbeitszimmer abzugsfähig? Es ist dies der auf das Zimmer entfallende Anteil der Auslagen für Miete, Beleuchtung, Heizung und Reinigung. Zur Berechnung werden die Gesamtkosten durch die Anzahl der Zimmer plus eins geteilt oder, bei Objekten mit einem verhältnismässig hohen Wertanteil für die private Nutzung, durch die Anzahl Zimmer plus zwei. Das gilt bei Vollzeitbeschäftigung. Bei Teilzeitarbeit wird der Mietwert respektive Mietzins pro rata herabgesetzt.

Weiter ist da die berufliche Notwendigkeit eines Arbeitszimmers zu Hause, damit dessen Kosten steuerlich geltend gemacht werden können. Sager:

Mit der Pauschale fährt der Steuerpflichtige meist besser

Gleich handhabt es der Thurgau, wie Rütsche sagt. Zanolari begrüsst diese Ankündigung: «Das ist eine konkrete Aussage, und die Steuerverwaltungen zeigen damit, wie sie sich positionieren.»

Sager schliesst allerdings den Kreis, indem er nochmals betont, dass das Arbeitszimmer respektive dessen Abzug grundsätzlich mit den übrigen Berufskosten abgegolten sind. «Eine effektive Abrechnung ist für den Steuerzahler nur sinnvoll, wenn die Kosten für das Arbeitszimmer höher sind als die Pauschale.» Doch das «wird in vielen Fällen voraussichtlich nicht der Fall sein». Zanolari stimmt zu:

Die Thematik des Homeoffice wegen der Coronapandemie wird in der Steuererklärung 2020 relevant sein. Diese ist im Jahr darauf auszufüllen.

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