Von Franz Schaible

Wie ein Strassennetz durchziehen automatisch gesteuerte Förderbänder das riesige Hochregallager. Das Herzstück der Langenthaler Rudolf Geiser AG, der Grosshändlerin von Beschlägen und Werkzeugen für das holzverarbeitende Gewerbe, misst 12,5 Meter in der Höhe und 30 Meter in der Länge. Auf der 430 Meter langen Beförderungsanlage fahren kleine, graue Kunststoffkisten, die jeweils einem Kundenauftrag entsprechen.

Der Lagerist auf dem Stapler in den engen Gängen des Lagers füllt die Behälter mit den Artikeln nach den kundenspezifischen Angaben auf dem Bildschirm. Wie von Geisterhand gesteuert fahren die Kunststoffkisten weiter in die Spedition. Flinke Hände verpacken die Ware. Die Kunden erhalten die bestellten Artikel entweder per Post, per Cargo oder per Geiser-eigenen Lieferwagen.

«Nur dank dem hohen Automatisierungsgrad können wir die hohe Zahl an Aufträgen abwickeln», erklärt Martin Bärtschi auf dem Rundgang. «Täglich liefern wir durchschnittlich 650 Sendungen in die ganze Schweiz aus. Jährlich sind das 170 000 Aufträge», ergänzt Kurt Weber. Die Co-Geschäftsleiter Bärtschi und Weber haben die traditionsreiche, 1868 gegründete Firma 2004 mit einem Management-Buyout übernommen. Erst 2007 wurde eine neue Lagerhalle erstellt und das Logistiksystem rundum erneuert. «Insgesamt haben wir dafür rund sechs Millionen Franken investiert», sagt Weber.

Die Rudolf Geiser AG ist ein klassischer Grosshandelsbetrieb. Sie kauft die Artikel bei rund 600 Stammlieferanten in der Schweiz und in ganz Europa ein und verkauft diese weiter an ihre Kunden. «Wir haben uns auf die holzverarbeitende Industrie spezialisiert», erläutert Bärtschi. Der Kundenstamm der Langenthaler zählt rund 3500 regelmässig einkaufende Betriebe; Schreinereien, Fenster-, Küchen-, Türen- und Möbelbauer sowie auch Zimmereien.

Der Bereich Beschläge inklusive Befestigungstechnik, also Schlösser, Türdrücker, Griffe, Auszüge, Wetterschenkel, Klebstoffe, Schrauben usw., ist mit einem Anteil von etwa 85 Prozent der mit Abstand wichtigste Umsatzträger. Den Restumsatz erwirtschaftet die Rudolf Geiser AG mit dem Verkauf von Werkzeugen (Hammer, Zangen usw.) und Kleinmaschinen wie Schleifer oder anderen Elektrowerkzeugen.

Warum der Warenfluss - vom Einkauf bis zur Spedition - nur mit dem Einsatz modernster Logistiktechnik möglich ist, erklärt Martin Bärtschi anhand einiger Zahlen. Das gesamte Lager umfasst rund 32 000 Artikel. Und zwar von kleinsten Schrauben bis zu sieben Meter langen Profilen. Die Spannweite der Artikelpreise ist enorm: Von wenigen Rappen bis zu 30 000 Franken. Angepeilt wird eine Lieferbereitschaft von 98 Prozent über das ganze Sortiment. Die Rudolf Geiser AG garantiert, dass bei einem Bestellungseingang bis um 16.45 Uhr die Artikel am nächsten Tag beim Kunden im Hause sind. Das gesamte Lager wird wertmässig dreimal jährlich umgeschlagen.

Die grösste Herausforderung für den Grosshändler ist «das unglaublich breite Angebot an Artikeln, allein für den Einsatz in der holzverarbeitenden Industrie», sagt Kurt Weber. «Unsere Angestellten müssen immer auf dem aktuellsten Stand sein über das, was auf dem Markt erhältlich ist und welche Neuentwicklungen tagtäglich neu hinzukommen.» Denn als Partner für die «Profis» stehe die Beratung der Kunden im Zentrum der täglichen Arbeit.

Der Stellenwert der Beratung steigt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten für einen Dienstleister noch an. Zwar sei der Einfluss der Wirtschaftskrise im Bereich der Holverarbeitung eher gering, erklärt Bärtschi. Er weiss aber auch, dass in einer längeren Rezessionsphase bei den Endkonsumenten die Lust zum Bauen, ob jetzt Neu- oder Umbau, Renovation oder Reparatur, abnehmen werde. Insbesondere im Bereich Industriebau sei mit einem Rückgang des Bauvolumens zu rechnen. Dadurch würden die Schreiner auch weniger Beschläge bestellen. «Wir werden um unsere Aufträge mehr kämpfen müssen», so Bärtschi.

Trotzdem bleibt er aber zuversichtlich. Glücklicherweise sei man nicht im Export aktiv, und der Warenflussablauf sei inzwischen so optimiert, dass man auch die Kosten senken konnte. Wurde durch die Modernisierung auch Personal eingespart? «Ein Stellenabbau war nicht geplant. Ziel der Investitionen war und ist es, mit dem gleichen Personalbestand mehr Umsatz zu erzielen.» Was auch gelungen sei, so Kurt Weber.

Den Umsatz geben die beiden Unternehmer nicht bekannt. In der Schweiz gehöre man aber zu den fünf führenden Grosshändlern für die Holzbearbeiter. Die auf den hiesigen Markt drängenden Baumärkte wie etwa Hornbach sei für ihr Kundensegment eine kleinere Konkurrenz als für andere Handwerkersegmente. Bärtschi: «Fenster, Türen oder Möbel eignen sich weniger für den Do-it-yourself-Mann als etwa Bodenbeläge oder Gartenarbeiten.»