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Ein Altmeister lobt die Credit Suisse

Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam habe die Weichen richtig gestellt, sagt Investor Thomas Braun.

Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam habe die Weichen richtig gestellt, sagt Investor Thomas Braun.

Während Hedgefonds-Manager Rudolf Bohli gegen die Credit Suisse wettert, unterstützt Thomas Braun die Bank.

Sie sind zwei, die unterschiedlicher nicht sein könnten: die Credit-Suisse-Investoren Rudolf Bohli und Thomas Braun. Hedgefonds-Manager Bohli liebt die öffentliche Bühne. Medienwirksam schlug er im Oktober vor, die Bank aufzuspalten und die Investmentbank mithilfe von Dritten neu aufzustellen.

Ganz anders verhält sich Thomas Braun. Obschon er als CS-Aktionär fast so viel Gewicht wie Bohli hat. Der Schweizer Portfoliomanager ist über seinen Anlagefonds mit 75 Millionen Franken in die Credit-Suisse investiert, Bohli mit etwa 100 Millionen Franken. Der 61-jährige Ökonom versteht sich als «Value-Investor». Die ziehen bekanntlich die Bilanzanalyse im stillen Kämmerchen dem Auftritt auf der grossen Bühne vor. Braun fischt den Markt seit 35 Jahren nach unterbewerteten Aktien ab. Seit 20 Jahren tut er dies auf eigene Rechnung, als Teilhaber der 1997 gegründete Fondsgesellschaft Braun, von Wyss & Müller.

Ist mit Bohlis Forderungen nicht einverstanden: Thomas Braun.

Ist mit Bohlis Forderungen nicht einverstanden: Thomas Braun.

CS habe Weichen richtig gestellt

Braun ist ein Altmeister seines Fachs. Nach einer Durststrecke in der Finanzkrise knüpft er derzeit an alte Erfolge an. CS ist die grösste Einzelposition im Gesamtvermögen von den 1,2 Milliarden Franken, die er in seinen drei Fonds verwaltet. Ein Erfolg ist die Anlage bislang nicht. Er habe allzu grosszügig «über das Tal hinweggesehen», als er im Sommer 2015, kurz nach der Berufung Thiams, die ersten CS-Titel einkaufte, räumt er freimütig ein. Damals kosteten die Titel noch deutlich mehr als 20 Franken. Bald folgte die Ernüchterung: Drei miserable Quartale liessen den Börsenwert des Konzerns auf 20 Milliarden Franken abschmelzen. Braun kaufte nach: Für 13 im Februar und für 10 Franken im Sommer 2016. Zuletzt zog er auch an der Kapitalerhöhung mit, für 10.50 Franken pro neue Aktie. Inzwischen beträgt sein durchschnittlicher Einstandspreis noch rund 18 Franken. Die Titel notieren aktuell bei 15.50 Franken. Das ist das Niveau, auf dem sich Bohli einkaufte.

Sässe Braun nicht bereits im Boot, würde er heute nicht mehr einsteigen, sagt er. Als Value-Investor habe er den Anspruch, den Franken für 60 Rappen zu kaufen. Für so billig hält er die Aktien im Unterschied zu Bohli nicht mehr. Der «faire Wert» des Finanzkonzerns liege zwischen 50 und 60 Milliarden Franken, sagt der Analyst – vorausgesetzt, die Bank verdient 2018 fünf Milliarden Franken vor Steuern. Das ist etwa das Doppelte von dem, was heuer bei der Bank herausschauen dürfte.

Geht es nach Bohli, könnte das CS-Management den Börsenwert des Konzerns auf 80 Milliarden Franken steigern, wenn es seine Ratschläge befolgt. «Wenn ein Management den Atem seiner Aktionäre im Nacken spürt, ist das nie schädlich. Obwohl ich mit Blick auf das Pflichtenheft der CS wenig Angst habe, dass es Thiam bald zu wohl werden könnte», kommentiert Braun die Auftritte seines Berufskollegen. «Im Kern bin ich mit Bohlis Forderungen nicht einverstanden», erklärt er. Thiam habe die Weichen richtig gestellt. Er lenke die Ressourcen dorthin, wo sie die höchsten Renditen versprächen.

Doch eine Grossbank sei mehr als ein Konglomerat einzelner Geschäfte, die sich ohne Verlust auseinanderdividieren liessen. Die Verbindung des globalen Vermögensverwaltungsgeschäfts mit einer leistungsfähigen Investmentbank sei ein Wettbewerbsvorteil der Schweizer Grossbanken, wie ihn wenige Konkurrenten besässen. «Thiam tickt als Geschäftsmann absolut rational», sagt Braun und stellt sich gegen die Kritik am Konzernchef.

Dass Bohli mit seiner Kritik viel Wind macht, findet Braun «legitim». Vermutlich ist er gar froh, solange der Kurs steigt und sich die Fahrtrichtung nicht radikal ändert. Doch gegen ein weiteres Restrukturierungsprogramm würde sich auch der stille Braun wehren. «Die Moral der Truppe steigt von ganz tief unten langsam an. Es wäre fatal, wenn sie in dieser diffizilen Phase abermals geknickt würde.» Wird er seine Aktien verkaufen, wenn sie wieder über 20 Franken liegen? «Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich meine Schätzung in ein bis zwei Jahren weiter erhöhen kann.» Das würde bedeuten, dass sich Braun und Bohli näher kämen, ohne dass Thiam seinen Kurs ändern müsste.

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