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Easyjet-Leiter: «Basel ist eine unserer Top-Basen»

Die orange-weissen Airbusse von Easyjet beherrschen in Basel das Bild (Blick Richtung Osten). zvg

Die orange-weissen Airbusse von Easyjet beherrschen in Basel das Bild (Blick Richtung Osten). zvg

Die Airline wächst in Basel fast ungebrochen, aber ein weiteres Flugzeug stationiert Easyjet vorläufig nicht.

Im kommenden Sommer wird Easyjet ab dem Basler Flughafen nach Dubrovnik und Biarritz fliegen – es sind die Destinationen 55 und 56. Das Wachstum geht also weiter, sagt Thomas Haagensen, kommerzieller Direktor Nordeuropa von Easyjet, im Gespräch mit der «Nordwestschweiz».

Herr Haagensen, warum stationiert Easyjet in Basel kein 10. Flugzeug?

Thomas Haagensen: Im kommenden Jahr noch nicht. Aber das heisst nicht, dass es in Basel kein Wachstum gibt, im Gegenteil. Die Kapazität steigt. Wir werden im kommenden Jahr vier Airbus A-320 von 180 auf 186 Plätze aufrüsten. Wir können ohne Probleme eine zusätzliche Sitzreihe einbauen, dabei wird ungenutzter Platz in der hinteren Bordküche entsprechend umgebaut. Dabei wird der Beinabstand nicht reduziert. Wir werden auf Strecken mit hoher Nachfrage zusätzliche Flüge anbieten, diese werden wir von anderen Basen aus bedienen. Und zudem werden die zwei neuen Sommer-Destinationen Biarritz und Dubrovnik dazukommen. Zurzeit fliegt Easyjet 54 Destinationen an, und es gibt Platz für mehr. Wir haben auch schon Pläne für nächsten Winter. Aber wir haben immer mehr Ideen, als wir realisieren können.

Easyjet wächst in Basel also weiter – mit welcher Rate?

Wir werden diesen Winter ein Wachstum von knapp acht Prozent sehen, nach 10,6 Prozent bis Ende September. Europaweit liegt das Wachstum der Passagierzahlen von Easyjet bei 6,6 Prozent, in Genf knapp bei acht Prozent. Basel liegt also klar über dem Durchschnitt. 4,5 Millionen Passagiere, das ist schon eine ganze Menge.

Die neuen Flugzeuge von Easyjet werden also anderswo eingesetzt?

Ja, wir haben Wachstumsprojekte auf anderen Basen, wie etwa Amsterdam, Barcelona oder Palma; Basen, die wir erst vor kurzem eröffnet haben. Das ist eine Frage der Prioritäten. Und man muss sehen: Es gab mehr Passagiere, obwohl wir in Basel kein zusätzliches Flugzeug stationiert hatten.

Thomas Haagensen, Leiter Kommerz Nordeuropa von Easyjet.

Thomas Haagensen, Leiter Kommerz Nordeuropa von Easyjet.

Sie haben einmal gesagt, dass ein zehntes Flugzeug erst kommt, wenn der Steuerstreit mit Frankreich vom Tisch ist. Als Fluggesellschaft waren Sie aber gar nie davon betroffen.

Die Differenzen mögen zwar beigelegt sein, aber es braucht noch die Zustimmung der Assemblée Générale in Frankreich und der Vereinigten Bundesversammlung in der Schweiz. Ich habe die Hoffnung, dass es jetzt in die richtige Richtung geht und dass wir mehr Stabilität haben werden. Kommt das Abkommen mit Frankreich, wäre auch die Planungssicherheit für einen Bahnanschluss des EAP grösser. Wir selbst sind schon nicht betroffen, aber unsere Partnerfirmen der Abfertigung etc.

Ein Akt der Solidarität also?

Wir wollen einfach Klarheit und Sicherheit, denn sollten unsere Partner eine allfällige Kosteninflation erfahren, dann sind wir ebenfalls davon betroffen.

Sind Sie mit der Infrastruktur auf dem Euro-Airport zufrieden?

Ja, wir haben einen sehr konstruktiven Dialog. Es gibt genügend Platz, der Flughafen hat für uns ein offenes Ohr. Wir hatten kürzlich ein ganztägiges Treffen in Basel mit allen beteiligten Funktionen, alle legten ihre Pläne auf den Tisch. Sehr konstruktiv, muss ich sagen. Die Situation ist aber wegen des Ausnahmezustandes etwas schwieriger. Es gibt mehr Kontrollen, es gibt nicht den normalen Passagierflow.

Wie entwickeln sich die Preise?

Wir hatten in den vergangenen drei Jahren laufend tiefere Preise, und wir gehen davon aus, dass sie weiter sinken werden.

Gibt es andere Flughäfen, wo Easyjet so dominant ist wie in Basel?

Wir haben hier mit einem Marktanteil von 55 Prozent wirklich eine starke Position. Es gibt nur wenige Orte, wo wir einen höheren Marktanteil haben als in Basel, etwa in Southend nahe London und in Belfast. Basel ist in den Top drei oder vier, und wir haben 27 Basen.

Direkte Konkurrenten haben Sie auf dem Euro-Airport nur auf einzelnen Strecken, wie London und Barcelona. Sie sagen aber auch, der Markt ist kompetitiv. Warum ist er das?

In unserer Branche geht das ganz schnell, dass man plötzlich Überkapazitäten hat, da verliert man schnell viel Geld. Es gibt keinen einfachen Markt. Wir kennen den Markt hier aber gut, deshalb ist unser Risiko etwas tiefer. Finanziell ist er für uns ein positiver Markt .

Aber nochmals: Die nächste Konkurrenz ist in Zürich, und dieser Markt wirft mehr ab ...

Wir konzentrieren uns in erster Linie darauf, den Standort Basel weiter auszubauen. Zürich kann jedoch für Easyjet-Basen im Ausland eine interessante Destination sein, die sie in ihr jeweiliges Netzwerk einbauen wollen.

Wo kommen die Passagiere her?

20 Prozent kommen aus Deutschland, 25 Prozent aus Frankreich und 55 Prozent aus der Schweiz. Das Interessante daran ist, dass Deutsche, Franzosen und Schweizer verschiedene Präferenzen haben. Franzosen fliegen gerne in Frankreich, etwa nach Bordeaux, Toulouse, Nantes, Nizza und Montpellier. Die Deutschen zieht es auf die Kanaren, nach Berlin, Hamburg oder Dresden. Es ist eine grosse Diversität und deshalb gibt es viel Potenzial.

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