Wirtschaft

E-Zigarettenhersteller Juul: Rasanter Aufstieg, steiler Fall

Seit knapp einem Jahr auch in der Schweiz erhältlich: Eine E-Zigarette des US-Herstellers Juul.

Seit knapp einem Jahr auch in der Schweiz erhältlich: Eine E-Zigarette des US-Herstellers Juul.

Das amerikanische Start-up erreichte in kurzer Zeit einen Marktanteil von rund 70 Prozent in den USA. Nachdem sich die Fälle schwerer Lungenerkrankungen häuften, ist das Unternehmen unter Druck.

Die Geschichte beginnt wie bei vielen erfolgreichen Jungfirmen aus dem Silicon Valley. Zwei Studenten namens James Monsees und Adam Bowen treffen sich bei einer Rauchpause auf dem Campus der kalifornischen Universität Stanford, wo sie studieren. Weil beide keine Lust mehr auf Zigaretten haben, suchen sie nach einer Alternative. Anfänglich bringen sie Cannabis-Dampfer hervor, erst später entwickeln sie das Gerät namens Juul.

James Monsees.

James Monsees.

Adam Bowen.

Adam Bowen.

Die E-Zigarette, die wie ein grösserer USB-Stick aussieht, wird rasch populär und Teil der Popkultur mit eigenen Hashtags auf Twitter, wie das US-Magazin «Time» schreibt. Der Siegeszug von Juul verläuft rasant. Im Jahr 2016, ein Jahr nach der Lancierung, verkauft die Firma bereits 2,2 Millionen Geräte, ein Jahr später sind es 16,2 Millionen. Inzwischen beträgt der Marktanteil von Juul unter den E-Zigaretten in den USA knapp 70 Prozent.

Kritiker sagen, Juul habe dies geschafft, in dem das Start-up die Strategie der grossen Tabakkonzerne übernommen habe: Ein aggressives Marketing, das auf Jugendliche zielt, gepaart mit dem Versprechen, eine gesündere Alternative zu sein. «Ich vergleiche Juul immer mit einem Sicherheitsgurt im Auto», sagte Bowen in einem Interview. Schliesslich rette beides Leben – seine E-Zigarette bewahre Raucher vor dem Krebstod, der Gurt erhöhe die Chance, einen schweren Autounfall zu überleben.

Über Nacht zu Milliardären

Die Erfolgsgeschichte bleibt auch den grossen Tabakkonzernen nicht verborgen. Vor knapp einem Jahr beteiligt sich die amerikanische Firma Altria mit 35 Prozent an Juul. Das früher als Philipp Morris bekannte Unternehmen legt dafür 12,8 Milliarden Dollar aus. Dies macht die beiden Gründer Monsees und Bowen über Nacht zu Milliarden, zumindest auf dem Papier.

Doch fast zeitgleich mit dem Einstieg des Tabakkonzerns beginnen auch die Probleme. So berichtet die US-Gesundheitsbehörde FDA letzten November, dass 21 Prozent der Sekundarschüler im letzten Monat mit einen Dampfer geraucht hätten, ein Anstieg von 78 Prozent im Vorjahresvergleich.

Diesen Sommer häufen sich in den USA die Fälle schwerer Lungenerkrankungen bei Nutzern von E-Zigaretten. Bislang hat das US-Zentrum für Seuchenkontrolle und -prävention 39 Todesfälle und über 2000 Erkrankungen registriert. In der Folge hat der US-Bundesstaat Massachusetts den Verkauf von E-Zigaretten vorübergehend verboten, ebenso die Stadt San Francisco.

Die ganze Debatte setzte Juul arg zu. Einst mit 38 Milliarden Dollar bewertet, sind es nun noch 24 Milliarden, womit die beiden Gründer auch keine Milliardäre mehr sind. Ende September wechselt die Firma den Chef aus, kurze Zeit später kündigt Juul den Abbau von 650 Stellen an. Diesen Montag wird bekannt, dass Kalifornien gegen Juul klagen will. Das Unternehmen habe in Werbekampagnen gezielt Minderjährige angesprochen. Zudem habe es die Firma versäumt, das Alter ihrer Kunden zu prüfen. Bis im Mai wird die FDA entscheiden, ob Juul und andere E-Zigarettenhersteller eine Bewilligung für ihre Produkte erhalten.

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