Coronavirus

«Durch diesen Herbst kommen wir nur gemeinsam»: Sommaruga appelliert an Bevölkerung

Bundesrätin Sommaruga: «Auch durch diesen Herbst kommen wir nur gemeinsam» (28.10.02020)

Bundesrätin Sommaruga: «Auch durch diesen Herbst kommen wir nur gemeinsam» (28.10.02020)

Wie erwartet zieht der Bundesrat die Schraube an. Ab morgen Donnerstag gelten unbefristet schärfere Massnahmen. Damit will der Bundesrat die Coronazahlen runterbringen und einen zweiten Lockdown verhindern.

(rwa) Der Bundesrat hat am Mittwoch eine Reihe einschneidender Massnahmen präsentiert. «Es werden nicht alle mit allen Massnahmen einverstanden sein», erklärte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga vor den Medien. Für den Bundesrat gibt es aber keine Alternative. «Niemand möchte, dass in unseren Spitälern der Platz fehlt.» Für Sommaruga ist auch klar, dass der Schaden für die Wirtschaft grösser wäre, wenn jetzt nichts unternommen werde.

«Wir müssen die Reproduktionszahl halbieren, um die Kontrolle zurückzuerlangen», erklärte Gesundheitsminister Alain Berset. Derzeit liege diese bei 1,7. Das bedeutet, dass 10 positive Menschen 17 weitere anstecken. Laut Sommaruga ist dabei jede und jeder gefragt – ob jung oder alt, Risikogruppe oder kerngesund. «Auch durch diesen Herbst kommen wir nur gemeinsam», appellierte die Bundespräsidentin an die Bevölkerung.

Maskenpflicht auch am Arbeitsplatz

Als eine der Massnahmen wird die Maskenpflicht auf den Arbeitsplatz ausgeweitet. Wer kein Einzelbüro hat, muss eine Maske vor dem Computer tragen. Der Bundesrat empfiehlt, dass Arbeitnehmer möglichst von zu Hause arbeiten. Neu muss eine Maske zudem in allen öffentlich zugänglichen Innenräumen und Aussenbereichen getragen werden.

In der Vernehmlassung hatte der Bundesrat gar eine generelle Maskenpflicht im Freien vorgeschlagen. Nach Kritik der Kantone ist er jedoch zurückgekrebst. So gilt die Maskenpflicht im Freien nur, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann – etwa auf Einkaufsstrassen in Innenstädten.

Sperrstunde und Schliessung von Clubs

Auch die weiteren Massnahmen des Bundesrates haben es in sich. An privaten Anlässen dürfen nur noch bis zu 10 Personen teilnehmen. Sportliche und kulturelle Freizeitaktivitäten mit mehr als 15 Personen sind untersagt. Im Gastgewerbe gilt von 23 bis 6 Uhr eine Sperrstunde. Zudem dürfen neu maximal noch vier Personen am Tisch sitzen. Clubs und Tanzlokale müssen ganz schliessen.

Der Bundesrat hat zudem beschlossen, Grossveranstaltungen bereits nach einem Monat wieder zu verbieten. Seit Anfang Oktober waren Veranstaltungen mit über 1000 Personen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wieder erlaubt. Neu gilt eine Obergrenze von 50 Personen für alle sportlichen, kulturellen und andere Veranstaltungen. Ausgenommen sind Parlaments- und Gemeindeversammlungen. Fussball- und Eishockeyspiele werden wieder vor fast leeren Rängen stattfinden. Konsequenzen hat die Limite auch für Konzerte, Theater und weitere kulturelle Aufführungen.

Weitere Einschränkungen gibt es auch beim Amateursport. In Innenräumen sind nur noch Sportarten mit maximal 15 Personen erlaubt. Dabei muss zwingend eine Maske getragen und der Abstand eingehalten werden. Von der Regel ausgenommen sind Kinder unter 16 Jahren. Ab nächstem Montag müssen Hochschulen zudem auf Präsenzunterricht verzichten.

Schnelltests und neue Quarantäneregel

Zudem hat der Bundesrat die Einführung von Schnelltests beschlossen. Diese sollen ab nächstem Montag eingesetzt werden. Nach Ansicht der Landesregierung ermöglicht das eine breitere und schnellere Testung der Bevölkerung. Es könnten mehr positive Fälle in der Bevölkerung rasch nachgewiesen und isoliert werden. Vorgesehen sind die Schnelltests nur für jene Personen, die gemäss den Kriterien des Bundes als symptomatisch gelten und nicht zu den besonders gefährdeten Personen gehören.

Angesichts der steigenden Fallzahlen hat der Bundesrat einen neuen Schwellenwert für die Reisequarantäne definiert. Neu kommen nur noch Staaten und Gebiete auf die Quarantäneliste, deren Inzidenz pro 100'000 Einwohner um 60 höher liegt als jene der Schweiz.

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