Postauto

Dü Da Doppelmoral: Postauto hat private Fuhrhalter «wie eine Zitrone ausgepresst»

Aussen sind alle gelb, doch viele Postautos gehören privaten Fuhrhaltern.

Aussen sind alle gelb, doch viele Postautos gehören privaten Fuhrhaltern.

Postauto versteckte Millionen und feilschte gleichzeitig um jeden Rappen. Besonders betroffen sind private Fuhrhalter. Schweizweit sind es 150 Unternehmen.

Wer in diesen Tagen in ein Postauto steigt und mit dem Chauffeur einen Schwatz über die Buchhaltungstricks der Postauto Schweiz AG führen will, sollte zuerst das Kleingedruckte lesen. Von den 4100 Mitarbeitern sind nur 2400 bei Postauto angestellt; 1700 arbeiten für private Fuhrhalter. In diesen Fällen verrät ein kleines Firmenschild am Fahrzeug, wem es gehört. Schweizweit sind es 150 Unternehmen. Vor fünf Jahren waren es noch 20 mehr. Sie alle sahen keine Zukunft für ihr Geschäft.

Die privaten Betreiber weibeln seit Jahren für höhere Abgeltungen. Erfolglos. Es ist ein Kampf um jeden Rappen. Die Postauto Schweiz AG zahlt seit zwanzig Jahren etwa 60 Rappen pro Kilometer, ohne die Teuerung auszugleichen. In der gleichen Zeit stiegen die Mechaniker-Stundenansätze, die für Private ohne Werkstatt fällig werden, aber von 95 auf 150 Franken.

Postauto weigerte sich, die Kilometer-Abgeltungen auf 75 Rappen zu erhöhen. Gleichzeitig versteckte die Firma mit einem ausgeklügelten Buchhaltungssystem 78 Millionen Franken Subventionen.

Endstation für Familienbetriebe

Vertreten werden die privaten Postauto-Unternehmer vom Verband Bus CH, der von SVP-Nationalrat Walter Wobmann präsidiert wird. Er sagt: «Wir wurden in den vergangenen Jahren ausgepresst wie eine Zitrone.» Wenn Postauto die in der Buchhaltung versteckten Gewinne teilweise den Privaten hätte zugute kommen lassen, könnte er vielleicht ein Auge zudrücken, wie er einräumt. Doch dass Postauto künstlich vorgab, unter knappen Mitteln zu leiden und gleichzeitig Familienbetriebe zugrunde gehen liess, sei skandalös.

Wobmann sieht CVP-Verkehrsministerin Doris Leuthard und Post-Chefin Susanne Ruoff in der Verantwortung: «Wenn man mit den obersten Frauen über die Probleme bei Postauto sprechen wollte, stützten sie sich sofort auf Postauto-Chef Daniel Landolf. Sie haben zu stark auf ihn gehört, statt auf andere, kritische Stimmen.»

Die Post verkündete im November 2017, dass Landolf per Ende April 2018 vorzeitig pensioniert werde. Damals bedauerte sie den Entscheid und dankte ihm für sein erfolgreiches Engagement. Nun wurde er per sofort freigestellt. Dabei macht das Bundesamt für Verkehr (BAV) schon seit Jahren auf die Probleme aufmerksam. In den Jahren 2007 bis 2011 hat das BAV 13,7 Millionen Franken zurückgefordert, die Postauto in Spezialreserven versteckte. Die Post-Tochterfirma akzeptierte die Kritik und zahlte die Subventionen zurück. In der Chefetage kam deswegen aber niemand auf die Idee, die Verbuchungspraxis grundsätzlich zu ändern.

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Postauto Schweiz wird die unrechtmässigen Abgeltungen in Höhe von 78,3 Millionen Franken vollumfänglich an Bund und Kantone zurückzahlen. Dies verspricht Post-Konzernleiterin Susanne Ruoff. Ausserdem hat der Fall personelle Konsequenzen: Der Leiter der Postauto AG sowie der Finanzchef der Sparte verlassen das Unternehmen.

Dominik Steiner betreibt eines der 150 Postauto-Unternehmen und führt die Geschäftsstelle des Verbands. Er hat eine nicht ganz uneigennützige Idee, wie man die Probleme lösen könnte: «Der Post ginge es besser, wenn sie mehr private Fuhrhalter engagieren würde. Dadurch wäre sie flexibler und effizienter.» Früher seien zwei Drittel der Linien von Unternehmern im Auftragverhältnis betrieben worden. Heute sind es weniger als die Hälfte.

Steiner geht davon aus, dass der Abwärtstrend weitergeht. Die Banken würden privaten Fuhrhaltern keine Kredite für Firmenübernahmen mehr geben. Denn damit liessen sich keine Gewinne machen.

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