Agrochemie

Droht der Syngenta jetzt eine feindliche Übernahme?

Alleingang von Syngenta? Grün ist die Hoffnung.

Alleingang von Syngenta? Grün ist die Hoffnung.

Der US-Agrokonzern Monsanto hat das Werben um Syngenta aufgegeben. Vom Tisch ist eine Übernahme hingegen nicht.

«Das ist Good News» – auf diese Kurzformel kann man in Basel die Reaktionen auf den Rückzug Monsantos bringen. Regierungsrat Christoph Brutschin zeigt sich erleichtert, ebenso die Gewerkschaft Unia. Immerhin stand zur Debatte, dass möglicherweise der Hauptsitz der neuen Firma nach London verlegt würde. Das hätte einen Verlust von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen bedeutet.

Nur ein Manöver?

Die Freude könnte verfrüht sein. Einige Börsenanalysten glauben, dass Syngenta eine Übernahmekandidatin bleibt. Der Rückzug Monsantos könnte ein Manöver gewesen sein, um den Syngenta-Börsenkurs zu drücken und den Wert von Monsanto zu erhöhen, sagt Martin Schreiber, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank. Rein rechnerisch hat sich durch diese Ab- und Aufwertung auch das Angebot von Monsanto wieder verbessert.

Auch das Szenario einer feindlichen Übernahme kann Schreiber nicht gänzlich ausschliessen. Diese würde ein öffentliches Kaufangebot beinhalten. Syngenta-Grossaktionäre könnten sich zum Beispiel zusammenschliessen und eine ausserordentliche Generalversammlung verlangen, wo der aktuelle Verwaltungsrat abgesetzt und ein neuer, fusionsfreundlicher eingesetzt würde.

Feindliche Übernahme mit Haken

Eine feindliche Übernahme hätte jedoch auch einen entscheidenden Haken: Die Wettbewerbsbehörden würden von den Fusionsgegnern mit Argumenten beliefert, dass die Übernahme im Prinzip verboten werden müsste oder nur mit ganz massiven Auflagen erlaubt werden könne. Bei einer freundlichen Übernahme würden die kartellrechtlichen Probleme dagegen eher kleingeredet.

Auch andere Analysten glauben, dass der Deal zwischen Syngenta und Monsanto nicht vom Tisch ist: Monsanto habe die Türe für Verhandlungen offengelassen, sollte die Leitung von Syngenta ihre Meinung ändern, schrieb beispielsweise Jeremy Redenius von der Bank Bernstein. Ein Analyst des Brokers Kepler Cheuvreux meinte gegenüber der SDA, dass nun bereits wieder spekuliert werde, ob der deutsche Chemiekonzern BASF ein Übernahmeangebot für Syngenta lancieren werde.

Problematische Sitzverlegung

Syngenta war in ihrer ablehnenden Haltung immer sehr deutlich. Eine Hauptsitzverlagerung hätte Syngenta überhaupt nichts gebracht, aber die Sitzverlagerung nach London wäre gemäss einer US-Bestimmung namens «Tax Inversion» möglich gewesen: Wenn 20 Prozent oder mehr einer US-Firma Ausländern gehören, kann der Steuersitz verlegt werden. Weil der Monsanto-Deal einen teilweisen Aktientausch beinhaltet hätte, wären rund 30 Prozent der Monsanto-Aktien in die Hände von Syngenta-Aktionären gelangt. Syngenta hätte davon überhaupt nichts gehabt. Der Steuersatz in London liegt fast gleichauf mit dem in Basel, er ist aber vor allem tiefer als der in den USA mit 35 Prozent.

Für Verwirrung sorgte in den letzten Tagen ein über die Medien kolportiertes neues Angebot für Syngenta – war es etwa auch eines der Monsanto-Manöver? Monsanto hatte pro Syngenta-Aktie insgesamt 245 in bar und 2,229 Monsanto-Aktien geboten. Dazu kam eine «reverse breakup fee» von drei Milliarden Dollar, die bei Scheitern der Übernahme von Monsanto bezahlt worden wäre. Aufgrund der Kurskorrektur der Monsanto-Aktie von rund 115 Dollar im April zum Zeitpunkt des Angebots auf 89 Dollar am 25. August (Tag vor dem Rückzug des Angebots) hätte dies pro Syngenta-Aktie einem Angebotspreis von 433 Franken entsprochen und nicht einem von 449 auf 470 erhöhten Preis, kommentiert Schreiber.

Für Aussenstehende sei unklar, ob Monsanto das Angebot aufgrund von regulatorischen Auflagen, aus taktischen Gründen oder wegen der eigenen Aktionäre zurückgezogen habe, meint Schreiber. Zudem sei ungewiss, ob Monsanto eine Karenzfrist einhalten muss, falls der US-Konzern doch noch den Syngenta-Aktionären ein öffentliches Kaufangebot unterbreiten will.

Der Blick der Investoren wird sich jetzt wieder auf die Leistungen von Syngenta und auf die Entwicklung der Agromärkte richten. Diese ist für Syngenta ungünstig. Am Donnerstag erholte sich die Syngenta-Aktie wieder und schloss bei Fr. 325.20 (+4,9 Prozent). Also doch noch ein bisschen «Good News». 

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