Am Anfang stand ein folgenschwerer Fehler: Der Genfer Steuerexperte Philip Egglishaw liess im Sheraton Hotel Sydneys wichtige Geschäftsdokumente seiner Kunden liegen, die ein flinker Beamte der australischen Finanzpolizei behändigte.

Dieses Missgeschick löste 2006 «Project Wickenby» aus, Australiens grösste Untersuchung in Sachen Steuerhinterziehung.

Über 500 Millionen Dollar aufgetaucht

Die Aktion förderte bisher über 500 Millionen Dollar Schwarzgeld zu Tage, berichtete die australische Steuerbehörde Ende August.

Diverse Steuerhinterzieher, deren Helfer sowie ein bekannter Rechtsanwalt wurden inzwischen zu Haftstrafen verurteilt. Bisher kam es zu 58 Anklagen und 12 Verurteilungen.

Seit 2008 steht auch ein Kunde der Firma K.* aus Zürich im Visier der Fahnder: Michael John Milne soll Millionen Dollar versteckt haben.

Die Australische Bundespolizei AFP behauptet, B.* habe zahlreiche Offshore-Firmen für Milne verwaltet und eine Schweizer Bank angewiesen, Aktien im Wert von 30 Millionen Dollar in eine Milne-Firma zu verschieben, schreibt «The Australian».

Die Australier stellten in Zürich ein Rechtshilfegesuch, wie Staatsanwalt Peter Hünig der «Aargauer Zeitung» bestätigte.

Hausdurchsuchung wegen Australien-Kunde

Darauf fand bei der Firma eine Hausdurchsuchung statt und die Eidgenössische Steuerverwaltung befand, dass im Fall Milnes eindeutig ein Abgabebetrug vorliege, sagte Hünig. Doch B. wehrte sich juristisch.

Die Australier warten noch immer auf die Akten aus der Schweiz. Hünig muss die Dokumente per Gerichtsverfahren freiklagen, der Fall liegt derzeit beim Bundesstrafgericht Bellinzona.

Als australische Journalisten B. zu kontaktieren versuchten, verschwand sein Profil von der Firmen-Website. Milne, der bei der ersten Einvernahme behauptete, er habe in 13 Jahren schlappe 3000 Dollar verdient, schaffte es ohne Probleme, eine Kaution von 5 Millionen Dollar für seine temporäre Freiheit zu hinterlegen.

Gemäss Gerichtsdokumenten wird Milne beschuldigt, die Millionen durch «Betrug und Einschüchterung» ergaunert zu haben. So habe seine Rechtsanwältin der 2004 noch aktiven Zürcher Bank Swissfirst den Auftrag gegeben, Dokumente zu vernichten, die bewiesen hätten, dass die Aktien nicht ihm gehörten, sondern seinem ehemaligen Geschäftspartner. Zu Milne will Firma K. keinen Kommentar abgeben.

Auch Bank Crédit Agricole involviert

Die Milne-Geschichte ist nicht die einzige, die Firma Ks.' Umfeld betrifft. Die Bundesanwaltschaft (BA) ermittelt auch wegen des Verdachts auf Bestechung und Geldwäscherei. Dies bestätigte BA-Sprecherin Jeannette Balmer.

Weiter zeigen Recherchen, dass in diesem Zusammenhang auch wegen Verdachts auf schweren Drogenhandel und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung gefahndet wird. Auch hierzu mochten die Zürcher zuerst keinen Kommentar abgeben.

B. legte aber Wert darauf, festzuhalten, dass die Bundesanwaltschaft gegen ihn die Ermittlungen wegen Drogenhandels sowie Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation Anfang September 2009 eingestellt habe, was zu seiner sofortigen Freilassung führte.

Gegen andere Personen dauern die Untersuchungen wegen schweren Drogenhandels und Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisationen gemäss Behördeninformationen aber an.

In die BA-Ermittlungen geriet auch ein Kadermann der Bank Crédit Agricole: Sein Büro wurde durchsucht, er für einen Monat in Haft gesetzt.

Nach Razzias Geld verschwunden

Offenbar herrscht zwischen der BA und dem Umfeld der Firma K. ein heftiger juristischer Streit. Diese Woche wurde vom Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) bekannt gegeben, dass gegen einen BA-Mitarbeiter Anzeige wegen Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung, Amtsmissbrauch und Verleumdung eingereicht wurde und die Vorwürfe nun durch einen ausserordentlichen Staatsanwalt untersucht würden.

Unter anderem seien aus dem Büro von B. Geldbeträge im sechsstelligen Bereich verschwunden. Auch bei Crédit Agrigole vermisste der betroffene Banker nach der Razzia teure Wertgegenstände.

Firma K. geschäftet seit Jahren mit speziellen Kunden. Die diskreten Buchhalter blieben in der Schweiz konsequent im Hintergrund. Im Ausland aber tauchten sie bereits vor Jahren auf.

«Ausweichende und unwahre Angaben»

So etwa in England. Die Entourage des Emirs von Katar soll zwischen 1997 und 2001 um 1,8 Millionen Pfund erleichtert worden sein. Es ging um die Renovation von Residenzen in London. Dabei war auch eine Offshore-Firma auf den Britischen Jungferninseln involviert. Laut Gerichtsakten wurde der Briefkasten durch Firma K. betreut, die Konti waren in Zürich.

Durch Kickback-Zahlungen zwischen der Firma und einem engen Berater des Emirats seien die Gelder versickert. Der Fall wurde 2004 abgeschlossen. Der zuständige Richter fand klare Worte für die Zeugenaussagen eines Mitarbeiters der schweizer Firma: Er und seine Kunden hätten in vielen Punkten ausweichende und unwahre Angaben gemacht.

Hacker-Zwischenfall in Israel

Wenig später kam Firma K. in Israel in die Schlagzeilen. Der erfolgreiche Geschäftsmann Roni Duek mit Kontakten zu den Schweizern wurde durch so genannte trojanische Software ausspioniert. Dabei wurden höchst sensitive Dokumente gestohlen, die «security and defense»-Deals betrafen. Vom Hacker-Angriff betroffen war auch Firma K. B. sagte gegenüber der «Aargauer Zeitung», Duek sei weder Kunde noch Berater der Schweizer gewesen, obwohl dies die israelische Presse kolportierte.

Auch im US-Report über Steueroasen erwähnt

Als der amerikanische Präsident Barack Obama 2008 US-Steuerbetrügern an den Kragen ging, tauchte Firma K. auf dem Radar der US-Politik auf: Das «Senate Permanent Subcommittee on Investigations» veröffentlichte einen 144 Seiten umfassenden Bericht, der anhand von acht typischen Beispielen zeigte, wie Millionäre ihr Geld am Fiskus vorbeischleusten.

Der Report zeichnet etwa nach, wie der Australier Frank Lowy Vermögen im Wert von 68 Millionen Dollar über Liechtenstein vor den Steuerbehörden versteckt haben soll. Lowy war ein guter Kunde der LGT Bank Liechtenstein.

Für die Steuerdeals kaufte die LGT laut dem US-Report eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln. Die Gelder wurden von den USA mit komplexen Überweisungen ins Ländle transferiert und landeten am Ende unversteuert in Genf bei der Bank Jacob Safra.

Bei diesen Operationen war auch die Firma Crofton beteiligt, ein Vehikel der Firma K. mit einem Konto bei der Union Bank of Israel in Tel Aviv.

Bei Madoff investiert

Firma K. muss über ganz besondere Drähte in die jüdische Gemeinschaft verfügt haben. Als der Investmentfonds des Financiers Bernard Madoff 2008 in sich zusammenfiel, verloren Anleger um die 65 Millarden Dollar. Zu den Opfern gehörte auch ein Anlagevehikel der Schweizer, wie die öffentlich zugängliche Investorenliste zeigt.

Die Zürcher gehörten demnach in der Schweiz zu den wenigen von Grossbanken unabhängigen Insidern, die in Madoffs exklusiven Investment-Zirkel aufgenommen wurden.

Offshore-Bank auf Mini-Insel

B. war weltweit aktiv. Auch auf dem kleinen Inselstaat São Tomé und Príncipe vor den Küsten Nigerias. Dort war er Repräsentant einer Offshore-Bank. Ihr wurde 2008 die Lizenz entzogen, weil sie juristische Vorgaben nicht mehr erfüllte.

Die Bank gehörte zum Umfeld eines Münchner Rechtsanwalts, der 1993 in die Schlagzeilen geriet, als er sich in einem Konkursfall eines ostdeutschen Unternehmens für eine Woche Arbeit fast 13 Millionen Mark auszahlen liess.

* Namen der Redaktion bekannt