Wirtschaft

Doppelrücktritt bei Sunrise: Wie sich die zwei Manager Kurer und Swantee verrannten

Im März 2016 war die Welt noch in Ordnung: Peter Kurer schenkt dem soeben ernannten CEO Olaf Swantee ein.

Im März 2016 war die Welt noch in Ordnung: Peter Kurer schenkt dem soeben ernannten CEO Olaf Swantee ein.

Nach dem geplatzten UPC-Kauf treten Sunrise-Präsident Peter Kurer und Firmenchef Olaf Swantee ab. Anfang vom Ende war ein folgenschwerer Irrtum.

Wie hart die Bandagen waren, mit denen Peter Kurer für seinen UPC-Deal gekämpft hatte, zeigte sich im vergangenen Sommer. Der Präsident des zweitgrössten Telekomanbieters der Schweiz setzte kurzerhand zwei widerspenstige Verwaltungsräte vor die Tür. Christoph Vilanek und Ingo Arnold durften nicht mehr an Sitzungen teilnehmen, in denen das Gremium die geplante Milliardenübernahme von UPC diskutierte. Die beiden Vertreter des grössten Sunrise-Aktionärs Freenet hatten zuvor öffentlich gegen den Deal getrommelt. Beobachter werteten den Ausschluss als aussergewöhnlichen Vorgang, der in der Historie börsenkotierter Unternehmen in der Schweiz so noch nie stattgefunden hatte.

Es war einer der Höhepunkte eines monatelangen Streits, der gestern mit dem Rücktritt von Sunrise-Chef Olaf Swantee und Kurers Verzicht auf eine weitere Kandidatur im April ein Ende fand.

Kurer und Swantee wollten die Übernahme von UPC unbedingt. Vilanek dagegen fand die veranschlagten 6,3 Milliarden Franken viel zu teuer. Überdies bezweifelte er den Nutzen des Kaufs, schliesslich sei das Kabelnetz der UPC, auf das es Sunrise in erster Linie abgesehen hatte, in Zeiten von 5G wenig zukunftsträchtig.

Immer wieder meldete sich Vilanek zu Wort und wies auf die Unzufriedenheit unter den Aktionären hin. Der Deal, den Sunrise mit der UPC-Muttergesellschaft Liberty Global ausgehandelt hatte, sei nicht im Sinne der Anteilseigner. Die Sunrise-Spitze zeigte sich allerdings unbeeindruckt. Man sei zuversichtlich, die Mehrheit der Aktionäre von der strategischen Logik des Deals überzeugen zu können, hiess es immer wieder. Selbst dann noch, als Präsident und CEO das Wasser bis zum Hals stand: Im Oktober sprach sich der einflussreiche Stimmrechtsberater ISS gegen die Übernahme aus. Das Sunrise-Management hielt trotzdem Kurs. Swantee räumte später ein, dies sei der Moment gewesen, in dem «sich der Trend gegen uns gewendet»habe.

Zwar versuchte die Sunrise-Führung noch, quasi in letzter Minute die abtrünnigen Aktionäre einzufangen. So reduzierte man die Kapitalerhöhung, der die Aktionäre für den Kauf zustimmen sollten, von 4,1 Milliarden Franken auf 2,8 Milliarden. Doch den Kritikern, die immer mehr und immer lauter wurden, reichte das nicht.

Kurer und Swantee hatten die Stimmung im Aktionariat falsch eingeschätzt. Ein Irrtum mit schwerwiegenden Folgen.

Letztlich war es ein Dienstagabend im Oktober, als die Sunrise-Führung ihre krachende Niederlage eingestand. Zum Endspiel, das für den Folgetag im Zürcher Hallenstadion angesetzt war, musste man gar nicht mehr antreten. Zu deutlich war die Ablehnung der Aktionäre. Kurer musste einsehen: Die Kritiker sind in der Mehrheit. Die ausserordentliche Generalversammlung, an der es zum Showdown hätte kommen sollen, wurde von Sunrise kurzfristig abgesagt.

Einer der Abgänge wird besonders bedauert

Nun kam also, was kommen musste. Kurer und Swantee, die für die UPC-Übernahme kämpften und unterlagen, treten ab. Swantee per sofort, ihm folgt Finanzchef André Krause nach. Kurer bleibt noch bis zur Generalversammlung im April im Amt und will dann nicht mehr kandidieren. Auch Kurers Stellvertreter Peter Schöpfer tritt nicht mehr an.

Beobachter bedauern besonders einen Abgang – den des CEO. Firmenchef Swantee, der 2016 zu Sunrise gekommen war, brachte das Unternehmen nach schwierigen Jahren wieder in die Spur. «Sehr bedauerlich» nennt etwa die Bank Vontobel seinen Abgang in einer Analyse. Dank Swantees erfolgreicher Strategie habe sich Sunrise als klare Nummer zwei im Schweizer Markt etabliert. Von Swantee bleibt der Ruf eines exzellenten Firmenchefs, der sich jedoch in einer entscheidenden Sache verzockt hat.

Peter Kurer dagegen weht angesichts des misslungenen Deals ein ungleich härterer Wind ins Gesicht. Nicht zuletzt wegen seiner Vergangenheit – spielte Kurer doch jeweils entscheidende Rollen im Vorfeld der UBS-Rettung und beim Grounding der Swissair. Sein Name wird nun also auch mit einer gescheiterten Milliardenübernahme in der Telekombranche verbunden sein.

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Autor

Fabian Hock

Fabian Hock

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