Delegationen aus 16 ölfördernden Staaten verhandelten am Sonntag in der katarischen Hauptstadt Doha. Heraus kam: nichts. Oder besser: viel weniger als nichts.

Denn dass die Gespräche über eine mögliche Förderbegrenzung ergebnislos abgebrochen wurden, könnte den Preiskampf ums Öl in eine neue Dimension führen.

Die Geschichte dahinter beginnt im Iran. Für dessen Bevölkerung muss es eine Befreiung gewesen sein, als Anfang des Jahres die internationalen Sanktionen gegen das Land in Teilen aufgehoben wurden. Für die politische Führung war es gar ein Segen.

Jahrelang hatte man mit Einschränkungen beim Import wie beim Export von Waren leben müssen. So auch beim Verkauf von Erdöl.

Zurück auf der Weltbühne

2006 verhängte die UNO erstmals Sanktionen gegen den Iran wegen seines Atomprogramms. Weil die politische Führung um den damaligen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad partout nicht davon abrücken wollte, wurden die Sanktionen 2010 nochmals verschärft.

In der Folge brach die Erdöl-Fördermenge des Landes von rund 4 Millionen Fass pro Tag auf zeitweise etwa 2,6 Millionen Fass ein. Heute pumpt der Iran eine Menge von rund 3,1 Millionen Fass Öl aus dem Boden.

Die internationale Gemeinschaft hatte die Strafmassnahmen verhängt, um Iran von seinem Atomprogramm abzubringen. Mit der Unterzeichnung des Atomabkommens im Januar 2016 endete dieses Vorhaben erfolgreich – und bedeutete zugleich das Ende der Sanktionen.

Die Rückkehr auf die grosse Bühne der Ölproduzenten rückt für Teheran damit in greifbare Nähe. Und dieses Ziel wird derzeit mit Nachdruck verfolgt.

Eine Beschränkung der Fördermenge kommt für die Islamische Republik deshalb nicht infrage – im Gegenteil: Teheran peilt erneut die Förderung von 4 Millionen Fass pro Tag an. Wer jahrelang fasten musste, verteidigt am Abend des Fastenbrechens den Fresskorb mit allen Mitteln – auch wenn dieser nicht mehr so prall gefüllt ist wie auch schon.

Ein Erstarken Irans verhindern

Dem Iran den Fresskorb entreissen, bevor die angeschlagene Regionalmacht zugreifen kann und so wieder zu Kräften kommt – genau das versucht derweil Saudi-Arabien. Der Rivale im Mittleren Osten bestand auf einer Teilnahme Irans am Erdöl-Treffen in Katar.

Weil Teheran nicht kam, liessen die Saudis die Verhandlungen offenbar platzen. Dies ist umso erstaunlicher, hatte das Regime in Teheran doch nie vorgehabt, jemanden nach Doha zu schicken – und das bereits vorab auch so gesagt.

Klar ist in jedem Fall: Saudi-Arabien will ein Erstarken des Irans verhindern. Zum einen, weil man in den offenen Konflikten in Syrien und auch im Jemen auf unterschiedlichen Seiten steht.

Zum anderen auch deshalb, weil das Regime in Riad selbst mit dem tiefen Ölpreis zu kämpfen hat. Im vergangenen Jahr fuhren die Saudis ein Staatsdefizit von 100 Milliarden Dollar ein. Ein starkes Teheran neben sich kann Riad deshalb derzeit noch weniger gebrauchen als sonst.

Enttäuschte Hoffnungen

Trotzdem erstaunt der Strategiewechsel der Saudis. Denn auch ohne eine Delegation aus Teheran waren die Hoffnungen vor den Gesprächen gross, deren Scheitern für die Beteiligten daher umso enttäuschender. «Wir haben nicht die Erwartungen erfüllt, die wir vor diesem Treffen geweckt hatten», sagte etwa der russische Energieminister Alexander Nowak.

Dass sich Saudi-Arabien und Iran – trotz aller Rivalität beides Mitglieder des Erdölkartells Opec – in dieser brenzligen Lage nicht einigen können, fegt jegliche Hoffnung auf steigende Ölpreise vorerst vom Tisch.

Kurz nach dem Scheitern der Verhandlungen folgte gar die erste Drohung: Man könne die Fördermenge problemlos und umgehend um zehn Prozent auf 11,5 Millionen, in einem halben Jahr gar auf 12,5 Millionen Fass pro Tag steigern, sagte der stellvertretende saudische Kronprinz Mohammed Bin Salman via Branchendienst Bloomberg.

Mit Devisenreserven von mehr als einer halben Billion US-Dollar im Rücken lässt Riad keinen Zweifel aufkommen: einen Ölkrieg könne man länger durchhalten als Iran.

Opfer der saudischen Strategie

Dabei geht das saudische Königshaus sprichwörtlich über Leichen. Das Opec-Land Venezuela driftet immer weiter in Richtung Staatsbankrott und auch Russland gerät bei billigem Öl weiter in Bedrängnis. In den USA kapituliert eine Ölfirma nach der anderen.

Die Nachfrage ist nach wie vor gering, die Lager weltweit voll, die Fördermenge ungedrosselt. Worüber sich Förderländer den Kopf zerbrechen, sieht einer gelassen: der Autobesitzer. Denn das günstige Öl spürt er deutlich an der Tankstelle.