Erdbeben in Japan

Diskussion um schweizweite Erdbebenversicherung wird neu lanciert

Moritz Leuenberger wollte schon vor über vier Jahren eine Erdbebenversicherung.

Moritz Leuenberger wollte schon vor über vier Jahren eine Erdbebenversicherung.

In der Schweiz gibt es in diversen Kantonen keine Deckung mehr für Erdbebenschäden. Die IG Erdbeben, deren Ziel eine landesweite Erdbebenversicherung war, wurde per Ende 2010 aufgelöst. Nun fordern Versicherer und Politiker eine erneute Prüfung.

Die Seismologen sind sich einig: Auch in der Schweiz muss man mit starken Erdbeben rechnen. In den letzten 800 Jahren wurden 28 Beben mit einer Stärke von 5,5 registriert. Zwölf verursachten ernstere Schäden. Besonders gefährliche Erdbebenregionen sind der Raum Basel und das Wallis.

Erschreckend: Gemäss dem Bauinspektorat Basel-Stadt liegt der Anteil der Bauten, die einem Beben mit einer Stärke von etwa 7 auf der Richterskala standhalten würden, im einstelligen Prozentbereich.

Für sieben Kantone keine Deckung

Trotzdem gibt es in der Schweiz noch immer keine obligatorische Erdbebenversicherung. Es gibt zwar einen Schweizerischen Pool für Erdbebendeckung, diesem sind aber nur die 18 kantonalen Gebäudeversicherer angeschlossen. Und die Deckung dieses Pools beträgt freiwillige Leistungen von lediglich zwei Milliarden Franken pro Ereignis. «Das reicht im Ernstfall nirgens hin», sagt Präsident Roger Blumer. Der Staat müsste die öffentliche Infrastruktur selber bezahlen. Für Private wäre kaum Geld vorhanden.

Für die Kantone ohne Gebäudeversicherung sieht die Lage seit Ende Jahr noch düsterer aus. Wie Blumer einen Bericht von «20 Minuten» bestätigt, gibt es seit Ende Jahr für die Kantone Genf, Uri, Schwyz, Tessin, Appenzell Innerrhoden, Wallis und Obwalden gar keine Deckung mehr für Erdbebenschäden. Grund ist die Auflösung der Interessensgemeinschaft Erdbeben per Ende Dezember 2010. (siehe Box).

«Für die Kantone müsste wohl über Spendenaktionen Geld gesammelt werden», so Blumer. Zwar hätten die Hauseigentümer die Möglichkeit, sich privat versichern zu lassen - die Prämien seien allerdings relativ hoch.

Einzig der Kanton Zürich hat eine obligatorische Versicherungsdeckung für Erdbeben in der Höhe von 1 Million Franken.

Repräsentative Umfrage gestartet

Das Beben in Japan bringt nun aber die Diskussion über eine Erdbebenversicherung wieder ins Rollen. Der schweizerischen Erdbebenpool der 18 kantonalen Gebäudeversicherungen hat eine repräsentative Umfrage in der ganzen Schweiz gestartet. «Wir wollen von den kantonalen Hauseigentümerverbänden, den Gewerbler und der Industrie wissen, ob sie eine Erdbebenversicherung wollen oder nicht», sagt Blumer gegenüber der az.

Ist die Mehrheit der Kantone dafür, sei die notwendige politische Unterstützung gegeben um einen Vorstoss zu planen. «Ist die Mehrheit aber gegen eine nationale Versicherung, müssten wir den ganzen Erdbebenpool hinterfragen.» Die Ergebnisse sollen Mitte Jahr vorliegen.

Im Kanton Basel ist die Regierung momentan dabei, eine Standesinitiative auszuarbeiten, welche die Schaffung einer schweizerischen Erdbebenversicherung verlangt - dabei soll das bewährte Risiko-Pooling der kantonalen Gebäudeversicherungen als Vorbild dienen.

Hängig ist zudem eine Motion von SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer. Darin verlangt sie vom Bundesrat, die Einführung eines Obligatorium für eine schweizweite Erdbebenversicherung erneut zu prüfen. «Damit könnte das Schadenrisiko für Gebäude und Fahrhabe bei einem starkem Erdbeben mit einer relativ bescheidenen Prämie von allen solidarisch getragen werden», so Leutenegger Oberholzer.

Hauseigentümerverband ist weiter dagegen

Nach wie vor gegen eine obligatorische Erdbebenversicherung ist der Hauseigentümerverband Schweiz (HEV). «Der HEV Schweiz ist der Ansicht, dass im Falle eines schweren Erdbebenereignisses, die Bevölkerung auf die Hilfe des Bundes zählen können muss; finanziell, humanitär und fachlich», so Stefan Baer.

Und solange der HEV Vorbehalte hat, sieht auch der Bund davon ab, sich für eine solche Lösung einzusetzen, wie er in der Antwort auf Leutenegger Oberholzers Motion schreibt.

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