Millionen-Busse

«Dirty Tricks» von Novartis und Roche in USA

Bereits früher Ärger für Novartis: U.S. Anwalt Zane David Memeger (l.) an der Pressekonferenz, als sich die Firma Ende September 2010 zur Zahlung von  422 Millionen Dollar verpflichtete.

Bereits früher Ärger für Novartis: U.S. Anwalt Zane David Memeger (l.) an der Pressekonferenz, als sich die Firma Ende September 2010 zur Zahlung von 422 Millionen Dollar verpflichtete.

Novartis und die Roche-Tochter Genentech verkauften Ärzten einige Medikamente mit dubiosen Mitteln: Enorme Rabatte und Treffen mit ehemaligen Spitzensportlern sollten die Verkäufe ankurbeln.

Die amerikanische Novartis-Tochter wendete Millionen Dollar für ehemalige Sportler auf, um den Ärzten Medikamente schmackhaft zu machen.

Um die Aufmerksamkeit der Ärzte zu erhalten, liess Novartis ehemalige Stars der NFL, NBA und Basketball-Liga an Veranstaltungen auftreten, berichtet die «Washington Times». Für bis zu 35 000 Dollar plauderten die Cracks aus ihrem Leben und die anwesenden Ärzte durften ihre Idole auch befragen.

Als Fotoshootings getarnte Verkaufs-Anlässe

Die Sportcracks signierten Gegenstände und bei jedem Event gabs für die sportverrückten Ärzte Fotomöglichkeiten mit ihren Idolen. Die als Sportevents getarnten PR-Veranstaltungen stiessen auf grosses Echo, berichtet die «Washington Times».

Die Aktion lief von 2006 bis 2009, eine Zeit, als Novartis längst Ärger mit dem US Justice Department hatte. Die Justizbehörde beschuldigte Novartis, zwischen 2002 und 2009 Ärzten getarnte Kickbacks (illegale Rückzahlungen) gewährt zu haben, um sie dazu zu bringen, entsprechende Medikamente zu verkaufen.

Novartis zahlt 422 Millionen Dollar Strafe

Ende September erklärte sich Novartis bereit, den Behörden deshalb 36,5 Millionen Dollar zu zahlen - ohne Schuldanerkennung. Diese Zahlung ist Teil eines grösseren Deals zwischen dem Justice Department und Novartis: Die Basler haben sich dazu entschlossen, 422 Millionen Dollar zu zahlen, um Zivil- und Strafklagen abzuwenden, weil die Firma eines seiner Top-Medikmante (Trilepal) illegal vermarktet haben soll.

Eigenes Medikament bereitet Genentech Bauchschmerzen

Auch Genentech, eine Rocht-Tochterfirma sorgt in den USA momentan für Negativschlagzeilen.

So berichtete die «New York Times», dass Genentech seit Anfang Oktober durch geheime Rabatte versucht, den Einsatz des sehr teuren Augenmittels Lucentis massiv zu verbreitern.

Lucentis kostet pro Anwendung 2000 Dollar und hilft gegen Erblindung im Alter. Doch viele Ärzte verkaufen mit Avastin ein anderes Genentech-Produkt, das mit Kosten von höchstens 50 Dollar viel billiger ist und die gleichen Resultate bringt.

Avastin war ursprünglich für andere Zwecke entwickelt worden, doch durch den ungewollten Effekt entgehen Genentech jährlich hunderte Millionen.

Durch das billigere Medikament sparen die Patienten viel Geld und entlasten die US-Krankenkasse Medicare. Ein Effekt, der durch das neue Rabatt-Programm von Genentech sabotiert wird.

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