Maschinenindustrie

Diese Schweizer lassen die Roboter tanzen

Stehen für Swiss Engineering: Nick Koch (links) und Stefan Hänseler

Stehen für Swiss Engineering: Nick Koch (links) und Stefan Hänseler

Die Aargauer Kleinfirma Robotec Solutions hat nach einer Baisse im Maschinenbau wieder Oberwasser. Das Angebot des Unternehmens reicht von der Machbarkeitsstudie bis zur Inbetriebnahme schlüsselfertiger Anlagen.

Den Unternehmerbazillus fing sich Nick Koch (41) vor zehn Jahren in Ohio (USA) ein. Der junge Luzerner Maschineningenieur stand damals für die ABB in einer Robotertechnikfirma in Columbus im Mittleren Westen im Einsatz. Kochs Job: Er war verantwortlich für den Know-how-Transfer zwischen dem Schweizer Konzern und einem US-Familienbetrieb, der als Integrator von ABB-Robotern tätig war. Nach zwei Jahren war Kochs Mission beendet. Der Mann trat die Rückreise an – mit dem Rat des Inhabers jener US-Company im Gepäck: «Kauf dir drüben eine Firma und mach dich selbstständig!»

Vom Rheinfall ins Seetal

Der Unternehmerbazillus sollte Koch nicht mehr loslassen. Mit der Unterstützung seines Firmgöttis, des früheren Motor-Columbus-Managers und Unternehmers Franz-Anton Glaser, stieg er selber ein: Anno 2002 erwarb Koch in Neuhausen am Rheinfall ein knapp 20-jähriges, wenig erfolgreiches Unternehmen mit nur mehr einem Angestellten, aber mit einem Fanuc-Partnerschaftsvertrag in der Bilanz. Der japanische Fanuc-Konzern gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Produkten der Fabrikautomation, nicht zuletzt von Robotern. Wenige Monate später verlagerte Koch seine Robotec Solutions vom Rheinfall in das Aargauer Seetal, nach Seon in Werkhallen, in denen früher Couverts hergestellt wurden.

Zeitsprung: Ende Februar 2011, Ortstermin bei der Robotec Solutions. Geschäftsführer Koch führt durch den Betrieb. Rund ein Dutzend Projekte stehen in Arbeit. Ein halbes Dutzend Installationen finden sich Inseln gleich auf die Industriehalle verteilt. Am Rand der belegten Arbeitsfläche steht eine mehrere Meter lange Holzkiste, massiv zugenagelt und offensichtlich transportfertig. Via Antwerpen wird die Kiste in den kommenden Wochen in die ostchinesische Hafenstadt Qingdao verschifft. Das Frachtgut: Steuerungs- und Roboterkomponenten für eine «Batterie» von Fräsmaschinen, mit denen ein chinesischer Formenbauer Werkzeuge herstellen wird.

«Alles aus einer Hand»

Die Robotec Solutions zählt heute 14 Festangestellte, ausschliesslich Berufsleute und mehrheitlich Techniker oder Ingenieure; zwei zusätzliche Arbeitsplätze sind aktuell ausgeschrieben. Als Systemintegrator ist die Firma auf die robotergestützte Automationstechnik ausgerichtet. Das Angebot reicht von der Machbarkeitsstudie bis zur Inbetriebnahme schlüsselfertiger Anlagen und umfasst auch die Schulung und Wartungsarbeiten. «Alles aus einer Hand, das ist unsere Kampfansage», umschreibt Koch die Positionierung. Ausgerichtet ist die Robotec Solutions insbesondere auf die Segmente Maschinenbeschickung, Montage, Entgraten und Polieren, Palettieren und Verpacken.

In den letzten zehn Jahren hat das KMU rund 360 Roboter installiert, typischerweise Sonderlösungen. Ein zentrales Differenzierungsmerkmal ist der Fokus auf das Engineering von Anlagen mit hohem Komplexitätsgrad – über das blosse Handling von Teilen hinaus: In die automatisierte Bearbeitung werden zusätzliche Schritte integriert, etwa wenn es darum geht, die Teile zu waschen, zu prüfen, zu messen oder auszuzeichnen.

Um ein zusätzliches Kundensegment zu erschliessen, wurde 2009 gleichsam als Abspaltung («Spin-off») die Smart Robotx gegründet. Hier lassen die Ingenieure die eingesetzten Roboter mit smarten Teilen hantieren, beispielsweise Pralinés, Tabletten oder – im Millimetermassstab – Uhrenkomponenten, nicht selten unter Reinraumbedingungen. Die Smart Robotx ist auf den Schweizer Markt ausgerichtet; geführt wird sie von einem langjährigen Mitarbeiter Kochs, Stefan Hänseler.

Randvolle Auftragsbücher

Noch vor drei Jahren wurden rund 70 Prozent des Umsatzes auf internationalen Märkten erwirtschaftet, von Westeuropa bis China, Korea und Brasilien. Heute jedoch präsentiert sich das Bild genau umgekehrt. «Der Euro macht uns das Leben schwer», räumt Koch ein. Die Industrieautomation ist ein hoch zyklisches Geschäft: Ab Ende 2008 schlug die internationale Krise der Werkzeugmaschinenhersteller auf das Geschäft durch. Mitte letzten Jahres begann die Nachfrage wieder anzuziehen. Heute sind die Auftragsbücher wieder randvoll und das Unternehmen bis in den Herbst ausgelastet. Zu den Endkunden in der Schweiz zählen so namhafte Unternehmen wie ETA, Georg Fischer, Lindt & Sprüngli, Phonak, Riwisa oder Rolex.

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