Die Serafe AG wird künftig das Inkasso der neuen geräteunabhängigen Radio- und TV-Gebühren in der Schweiz übernehmen. Die Firma hat im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung den Zuschlag erhalten, wie das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) am Freitag bekanntgab. Bis 1. Januar 2019 nimmt die Billag das Inkasso der heutigen Empfangsgebühren war.

Mit dem Verlust des Mandats ist die Firma mit Sitz in Fribourg in ihrer Existenz bedroht. Rund 250 Mitarbeitenden droht die Entlassung. Mit den Empfangsgebühren bestreitet die Billag weit über 90 Prozent ihrer Einnahmen.

Daneben treibt die Swisscom-Tochter für die Schweizer Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik (Suisa) Urheberrechtsentschädigungen ein.

Im Moment sei es noch zu früh um zu sagen, wie es nach dem Aus für das Inkasso der Empfangsgebühren mit der Billag weitergehe, sagte Sprecher Dominik Müller gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Denkbar sei eine Schliessung. Neue Kunden zu finden dürfte sich nicht einfach gestalten: Der Inkassomarkt sei bereits gesättigt, sagte Müller. Zunächst gehe es darum, den Auftrag bis Ende 2018 professionell weiterzuführen.

Die Billag zeigte sich zudem enttäuscht über den Uvek-Entscheid. Es gehe immerhin um rund 250 zweisprachige und qualifizierte Mitarbeiter, sagte Müller. Zudem sei die Billag erst zwei Stunden vor der offiziellen Mitteilung kurz informiert worden.

Serafe: Sitz in Fehraltdorf

Die Serafe AG hat ihren Sitz in Fehraltdorf ZH und ist eine Tochterfirma der Secon AG. Die Secon-Tochter Serafe hat einzig die Aufgabe, die Abgabe zu erheben. Die Tochterfirma wurde gegründet, weil dies das Radio- und Fernmeldegesetz so vorschreibt. So darf die Haushaltabgabe nur durch eine Firma erhoben werden, die keine anderen wirtschaftlichen Tätigkeiten als eben dieses Inkasso ausübt.

Gemäss Uvek konnte die Serafe mit ihrem "Umsetzungskonzept überzeugen" und machte zudem ein günstigeres Angebot als die Billag.

Die Mutterfirma Secon AG verfügt gemässt Uvek "über grosse Erfahrungen im Inkasso sowie über moderne IT-Systeme und Prozesse". So ist die Secon für verschiedene Krankenversicherer tätig.

Die Serafe  wird am 1. Juli 2017 mit dem Aufbau der Infrastruktur und des notwendigen Informatiksystems beginnen. Die Firma muss Ende 2018 operativ bereit sein. Das Mandat endet am 31. Dezember 2018.

Gemäss Uvek stammen die Kunden-Daten aus den Einwohnerregistern und werden von den Kantonen und Gemeinden zur Verfügung gestellt.

Die Radio- und TV-Gebühren machten in den vergangenen Wochen immer wieder Schlagzeilen. Jüngst lehnte der Ständerat die No-Billag-Initiative ab, die die Abschaffung der Radio- und TV-Gebühren fordert.

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Preis sinkt unter 400 Franken

Mit der Annahme des neuen Radio- und Fernmeldegesetzes in der Abstimmung vom 14. Juni 2015 wurde die heutige Empfangsgebühr durch eine allgemeine und geräteunabhängige Abgabe ersetzt. Die Finanzierung wird auf mehr Schultern verteilt und wird administrativ einfacher zu verwalten. Damit kann die Gebühr gemäss Uvek auf deutlich unter 400 Franken pro Jahr gesenkt werden. Die genaue Höhe der Abgabe legt der Bundesrat vor Infkrafttreten des neuen Systems fest.