Als Interims-Konzernchef kann er dem Nominierungsausschuss des Verwaltungsrates in den kommenden Wochen und allenfalls Monaten konkret beweisen, dass er der Richtige ist.

Und genau das tut er: In einer Mitteilung an die UBS-Angestellten kündigt er an, das Investmentbanking verkleinern und kundenorientierter machen zu wollen. Der Verwaltungsrat habe ihm die volle Verantwortung übertragen, schreibt Ermotti. «Und ich habe vor, meine Befugnisse vollumfänglich zu nutzen.» Die Investmentbank sei in vielen Bereichen ein führender Anbieter und wichtig für viele Kundensegmente, schreibt Ermotti. Daher werde die UBS weiterhin in ihre Kernkompetenzen investieren. Die Investmentbank werde aber insgesamt weniger komplex sein und weniger Risiken eingehen sowie weniger Kapital beanspruchen.

Ermotti kündigt damit an, was Bank-Analysten längst fordern – nämlich das kapitalintensive und riskante Handelsgeschäft mit Festzinsanlagen, Devisen und Rohstoffen zurückzufahren. Zudem solle sich die UBS aus dem Handel auf eigene Rechnung verabschieden.

Eine Abtrennung aus dem Investmentbanking, wie sie etwa die einflussreiche Aktionärsaktivistin Ethos verlangt, kommt für Ermotti hingegen nicht infrage. Man werde an dem Modell der integrierten Bank festhalten, bei dem sich Vermögensverwaltung, Investmentbank und Asset Management sowie das Schweizer Geschäft gegenseitig ergänzen.

Mandate auf dem Prüfstand

Sollte Ermotti wirklich Grübel-Nachfolger werden, will er ausserdem seine externen Verwaltungsratsmandate nochmals überprüfen. Das bestätigte UBS-Sprecherin Tatiana Togni am Donnerstag. Ermotti präsidiert vier Hotel-Immobiliengesellschaften, die in der Steueroase Panama domiziliert sind. Laut Togni hat er diese Mandate angenommen unter der Bedingung, dass die Firmen in die Schweiz überführt werden. Dieser Prozess stehe kurz vor dem Abschluss, schreibt die «Handelszeitung».

Der UBS-Verwaltungsrat habe die Mandate bereits durchleuchtet, als Ermotti im April dieses Jahres zur UBS stiess. «Der Verwaltungsrat ist über sämtliche Mandate informiert und hat diese ausdrücklich gebilligt. Er sieht auch jetzt keine Konflikte», so Sprecherin Togni.

Kein Wunder deshalb, handeln die Buchmacher der Londoner City Ermotti als aussichtsreichsten Kandidaten. Dicht bedrängt wird er gemäss diesen Wettquoten allerdings von Lukas Gähwiler, heute Schweiz-Chef der UBS, und von Hugo Bänziger, heute Risikochef bei der Deutschen Bank. Laut dem «Wall Street Journal» ist allerdings Bill Winters «der einzige denkbare Kandidat».

Er war 25 Jahre lang für die Bank JPMorgan tätig, ist heute aber selbstständiger Vermögensverwalter. Ihm traut die Gerüchteküche allerdings kleinere Chancen ein als Ulrich Körner, oberster operativer UBSler. Nur Aussenseiterchancen haben Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Ex-CS-Chef John Mack und Axel Weber, der Kaspar Villiger als Präsident beerben soll. Ganz Verwegene wetten gar auf Investmentbank-Chef Carsten Kengeter. Seine Quote liegt indes bei spekulativen 20:1.

Wertverlust der Marke

Während über die Nachfolge auf dem Chefsessel gerätselt wird, hat die Beratungsfirma Brand Finance bereits ausgerichtet, wie stark die Marke UBS unter dem Schaden leidet, den der Londoner Händler Kweku Adoboli verursacht hat. Resultat: Die Marke ist knapp 3,5 Milliarden Franken weniger wert. Immerhin bleibt die UBS unter den Top 3 der wertvollsten Schweizer Marken.