Sein Gefährt fällt auf: Ein 51-jähriger rollt mit einem Oldtimer an den Grenzübergang der Konstanz-Autobahn, stoppt und will ihn verzollen. Nach einer Befragung durch die Grenzbeamten gesteht der Oberbayer, das edle Gefährt bar bezahlt zu haben. 120 000 Euro hat er dafür aus Deutschland in die Schweiz geschmuggelt.

Das kostete ihn laut Pressestelle des dafür zuständigen Hauptzollamts Singen «ein nicht unerhebliches Bussgeld». Es beläuft sich auf 25 Prozent der nicht deklarierten Barmitteln. Denn wer am Zoll verheimlicht, mehr als 10 000 Euro auf sich zu tragen, macht sich strafbar.

Fallzahlen sanken drastisch

In den letzten Jahren liefs meist umgekehrt: Zwischen 2010 und 2013 schnappten deutsche Zollbeamte jährlich zwischen 587 und 696 Reisende, die versuchten, Barmittel aus der Schweiz nach Deutschland zu schmuggeln. 2015 waren es nur noch 259 Fälle. Der Sprecher des Hauptzollamts Ulm, Hagen Kohlmann, sagt: «Bis 2014 fanden wir bei 3 von 10 bis 12 Kontrollen Bargeld oder Kontounterlagen.»

Grafik: Elia Diehl

Deutsche Barmittelfunde an der Grenze

Wegen der Weissgeldstrategie der Schweizer Banken, Ankäufen von CDs mit Daten über Bankkunden sowie der Kontrollen an den Grenzübergängen sei dies nun nicht mehr so: «Das ist auch gut so.» 2015 wurden insgesamt 116 Fälle am Grenzabschnitt zwischen Konstanz und Lindau registriert. Gefunden wurde deutlich weniger Bares. Kohlmann geht davon aus, dass sich die Zahl der Aufgriffe von Barmitteln in den kommenden Jahren auf diesem Niveau einpendeln werde.

Drastisch verringert hat sich die Zahl der Barmittelaufgriffe am Grenzabschnitt zwischen Basel und Konstanz. Antje Bendel, Sprecherin des Hauptzollamts Lörrach, geht ebenfalls davon aus, dass dies an der neuen Politik der Schweizer Banken liege, die nur noch sauberes Geld annehmen wollen.

Sie hatten nicht deklarierte Vermögenswerte bei Schweizer Banken parkiert und damit allen Grund zu reagieren: Denn spätestens als sich 2012 abzeichnete, dass Deutschland die Abgeltungssteuer ablehnt, forderten Banken ihre Kunden auf, ihre steuerliche Situation zu klären.

Dazu kam: Seit 2015 gelten in Deutschland schärfere Spielregeln. Wer jährlich Erträge von mehr als 25 000 Euro hinterzogen hatte, blieb nur noch straffrei, wenn er einen Zuschlag auf die Nachsteuern und die Zinsen bezahlte. Zuvor lag die Grenze bei 50 000 Euro. Deshalb brach im vergangenen Jahr die Zahl der Selbstanzeigen ein.

Das gilt auch für die die Menge der von Zöllnern aufgegriffenen Barmittel. Auf 5,6 Millionen Euro beliefen sie sich 2015 noch. 2013 waren es fast 29,1 Millionen Euro. Für den deutschen Fiskus noch wichtiger war jedoch, dass bei Deutschen oft Bankunterlagen gefunden wurden, die Hinweise auf im Ausland deponierte Vermögenswerte lieferten. Grenzer des Hauptzollamts Ulm fanden 2010 Belege für Vermögenswerte von 1,8 Milliarden Euro. Seither gingen die Beträge stetig zurück, erst auf 500 Millionen im Jahr 2011 bis auf 28 Millionen im letzten Jahr. Die Unterlagen werden an die zuständigen Finanzämter weitergeleitet. Diese klären ab, ob die Gelder versteuert waren. Mehrheitlich waren sie es wohl nicht.

15 000 Euro in einem Kondom

Die Zahl der spektakulären Aufgriffe mit mehr als 100 000 Euro wird seltener. 2010 schnappten die Beamten vom Hauptzollamt Singen gar einen zweistelligen Millionenbetrag. Eine Deutsche versteckte einst 15 000 Euro in einem Kondom, das sie im Vaginalbereich über die Grenze zu transportieren versuchte. Männer stopfen ein paar 10 000 Euro oft einfach in ihre Unterhose.

Heute seien Personen, die mit mehr als 10 000 bis 20 000 Euro an der Grenze erwischt werden, meist Rentner, sagt Kohlmann: «Wir gehen davon aus, dass die Besitzer versuchen, Restbestände von Schwarzgeld in der Schweiz oder in Österreich in Tranchen über die Grenze zu schmuggeln.»

So erwischten Zollbeamte kürzlich eine ältere Bargeldschmugglerin aus dem Raum München im Schnellzug von Zürich nach München mit Silbermünzen und 13 000 Euro. Zudem stiessen die Grenzer auf Bankunterlagen, die auf Vermögenswerte von einer Viertelmillion Euro hinwiesen. Die Dokumente liegen nun beim Finanzamt. Stellt sich heraus, dass sie unversteuert sind, wirds teuer für die Dame.