Verkaufsschub
Die Uhrenwelt glänzt wieder: Nach zwei Jahren Flaute sieht die Branche Licht am Ende des Tunnels

Der Verkauf von Uhren zieht an. Inzwischen haben auch die Börsen die Schweizer Uhrenaktien wiederentdeckt. Zusätzlichen Schub verleiht der schwächere Schweizer Franken.

Andreas Schaffner
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Zugenommen haben in diesem Jahr vor allem die Verkäufe von Uhren im Luxussegment und Schmuck. Und dies besonders in Asien.

Zugenommen haben in diesem Jahr vor allem die Verkäufe von Uhren im Luxussegment und Schmuck. Und dies besonders in Asien.

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Nick Hayek gibt nichts auf den Aktienkurs. Regelmässig kritisiert er die kurzsichtige Betrachtung seiner Firma durch die Börsenteilnehmer. Von seinem Optimismus rückte der Chef der Swatch-Gruppe auch nicht ab, als er wegen der miesen Verkaufszahlen im letzten Jahr eine Gewinnwarnung herausgeben musste.

Ein Jahr später zeigt sich: Der Mann mit der Zigarre und den markigen Worten sollte recht behalten. UndDie Swatch-Aktien sind innerhalb eines Jahres um über 45 Prozent angestiegen. Beim grossen Schweizer Konkurrenten Richemont stiegen die Werte sogar um 54 Prozent an.

Der Grund für die Krise war ein heftiger Einbruch der Verkäufe in den wichtigsten Schlüsselmärkten. Besonders unabhängige Händler bestellten weniger Ware. Im vergangenen Jahr sanken die Verkäufe bei Swatch um 10 Prozent, der Betriebsgewinn nahm um die Hälfte ab. Bei Richemont brachen die Umsatzzahlen um 4 Prozent ein, auch hier wurde der Gewinn nahezu halbiert.

Die vergangene Woche vorgestellten Zahlen für den August zeigen, dass die Branche nach zwei Jahren wieder Licht am Ende des Tunnels sehe, sagt Jean-Daniel Pasche, Präsident des Verbandes der Uhrenhersteller. Der schwächere Schweizer Franken – am Freitag sank der Franken gegenüber dem Euro auf einen Kurs von 1.16 ab – ist eine wichtige Stütze.

Insgesamt wuchsen die Exporte von Januar bis August um 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In den grossen Absatzmärkten ist das Wachstum zweistellig. «Besonders angezogen haben die Exporte nach Asien, aber auch in Europa. In den USA liegen die Exportzahlen noch unter dem Vorjahr», sagt Pasche. Es sind vor allem die Luxus-Uhren, die wieder gefragt sind. Dies bestätigt auch Nick Hayek im Interview mit der «Schweiz am Wochenende» (siehe Box am Ende des Artikels).

Beide grossen Konzerne haben den Einbruch der vergangenen Jahre unterschiedlich verarbeitet. Hayek nahm bei Swatch bewusst Margeneinbussen in Kauf. Er hat sich trotz dem Abschwung geweigert, Mitarbeiter zu entlassen oder Kurzarbeit einzuführen.

Unterschiedliche Strategien

Richemont hingegen hat durch Sparprogramme und durch Managementwechsel von sich hören lassen. So verliessen CEO Richard Lepeu und Finanzchef Gary Saage Anfang Jahr das Unternehmen. Im Sommer zog Uhrenchef Georges Kern von dannen. Der starke Mann bleibt der 67-jährige Haupteigentümer und Verwaltungsratspräsident Johann Rupert.
Swatch und Richemont, sie werden deshalb von Analysten ganz unterschiedlich bewertet. Das liegt vor allem am Produkteportfolio.

Hoch im Kurs ist trotz auffällig häufigen Managementwechseln Richemont. Es hat historisch bedingt mehr Luxusmarken im Angebot. Swatch bedient hingegen – nicht zuletzt auch mit der Swatch selber – auch das mittlere Preissegment. Die Analysten von Morgan Stanley trauen Richemont in der Schmucksparte in diesem Jahr ein Wachstum von 12 Prozent zu.

Dies im Vergleich zum Wachstum der Uhrensparte von gegen 5 Prozent. Auf der anderen Seite wirkt sich die Abschwächung des Schweizer Frankens eher zugunsten von Swatch aus, da hier in Franken bilanziert wird, bei Richemont hingegen in Euro.

Zwei Konzerne, zwei Welten? Der Uhren-Spezialist der Zürcher Kantonalbank, Patrik Schwendimann, sieht gleichwohl viele Gemeinsamkeiten: «Auch Richemont hat in den vergangenen Jahren nicht auf einmal das Marketingbudget zusammengestrichen. Und auch Swatch hatte Ende 2016 weniger Mitarbeiter auf der ‹Pay Roll› als ein Jahr zuvor. Aber die beiden Konzerne werden offensichtlich ganz anders wahrgenommen.»

Luxus ist hoch im Kurs

Ein wichtiger Unterschied bleibt aber: Swatch stellt mit ihrer Tochterfirma ETA Uhrenwerke für andere Uhrenmarken her. Die Produktion bleibt hier auf schwachem Niveau. Ob dieser Bestellungsrückgang mit den eigenen Uhren wettgemacht werden kann, wird sich erst Ende Jahr zeigen. Nick Hayek bleibt in dieser Frage zurückhaltend.

Nick Hayek: «Das Problem lag nicht bei den Konsumenten»

Herr Hayek, wieso ziehen die Verkäufe bei der Swatch Gruppe so rasch wieder an?

Nick Hayek: Wir haben die Wachstumssteigerung bereits im Juni und Juli gesehen, im August wurde es noch stärker und im September sieht es ganz wie im August aus – sehr positiv. Durch den starken Euro wird auch unsere Profitabilität gesteigert. Im Jahr 2016 war der Konsum gut, das Problem lag nicht bei den Konsumenten, sondern bei den Händlern. Doch nun sind sie wieder zurück an Bord. Alle wollen ihr Inventar wieder so schnell wie möglich auffüllen. Viele unserer Produktionsstätten laufen im Moment auf Hochtouren. Wir sind sogar im Rückstand mit Lieferungen.

Welche Marke profitiert am meisten?

Im Moment hat das Luxussegment von Omega bis aufwärts das stärkste Wachstum. Im mittleren und unteren Segment ist aber auch Wachstum vorhanden. Hier aber viel wichtiger für uns ist das Wachstum in Stückzahlen, in Volumen.

Können Sie die Wachstumsprognosen von 7 bis 9 Prozent in diesem Jahr bestätigen?

Die 7 bis 9 Prozent sind unsere interne Zielsetzung. Das ist keine Prognose oder Guidance für die Anleger. Hier geht es darum, unseren eigenen Mitarbeitern die Ziele zu kommunizieren. Das wird nicht einfach, aber als gute Schweizer sind wir uns gewohnt, um unsere Ziele zu kämpfen.

Welche Märkte haben sich besonders erholt, welche sind noch immer schwierig?

Wir verzeichnen in fast allen Ländern ein deutliches Wachstum. Stark sind vor allem China, Hongkong und Macao. Auch Südostasien entwickelt sich gut. Europa und Japan zeigen ebenfalls Wachstum. Die USA bleiben anspruchsvoll, weil sich dort die Department Stores in einer grossen Krise befinden.

Welche Rolle spielt Schmuck in Ihrer Strategie?

Schmuck und Uhren konkurrieren nicht miteinander, sondern komplementieren sich. Uhren sind übrigens auch Schmuck für Männer wie für Frauen und manchmal sind sie sogar mit Diamanten bestückt.

Sie verkaufen der Konkurrenz weniger ETA-Werke. Wie sieht es aus mit der Bestellung von ETA-Werken durch Konkurrenten in diesem Halbjahr?

Natürlich haben wir in der Produktion gelitten, dadurch dass Drittkunden Bestellungen so massiv und kurzfristig reduziert haben.

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