Die UBS-Aktionäre sind nicht zufrieden. Und dies, obschon sich das Management sehr um ihre Gunst zu bemühen scheint. Der Konzerngewinn ist zwar im zurückliegenden Jahr von 3,2 Milliarden auf 1,2 Milliarden Franken gesunken. Dennoch winkt den Eigentümern eine Erhöhung der Dividende um 8 Prozent auf 65 Rappen pro Aktie.

Die Bank ist sogar bereit, für die Ausschüttung von 2,5 Milliarden Franken einen Teil ihrer bisherigen Gewinnreserven herzugeben. Von diesen musste die UBS im Schlussquartal 2,9 Milliarden Franken auflösen, um der Entwertung latenter Steuerguthaben in Amerika Rechnung zu tragen.

Die gigantischen Verlustvorträge der Bank, die noch von den schlimmen Zeiten der Finanzkrise herrühren und steuerlich abzugsfähig sind, haben nach Donald Trumps Senkung der Unternehmenssteuersätze einen deutlich geringeren buchhalterischen Wert als vorher.

Zwar werden solche Steuerguthaben im Unterschied zu früheren Jahren nicht mehr zum Eigenkapital gezählt, weshalb man sie auch nicht mehr als Reserven im engeren Sinn bezeichnen kann. Ohne Bedeutung sind sie trotzdem nicht. Denn in den vergangenen Jahren waren sie immer wieder nützlich, um die von Restrukturierungskosten und Altlasten gedrückten Ergebnisse wenigstens optisch in einem helleren Licht erscheinen zu lassen.

Nur ein Pappenstiel

Neben der Dividende sieht sich die UBS nun in der Lage, im Lauf der nächsten drei Jahre insgesamt 2 Milliarden Franken ihren Aktionären zurückzugeben. Sie tut dies, indem sie die Anzahl von Aktien in diesem Betrag zurückkauft, um sie in der Folge zu vernichten.

Dies wurde im Zuge des im Dezember erreichten Abschlusses des grossen Basler Schachers möglich, der die Kalibrierung des neuen internationalen Kapitalstandards (Basel III) für systemrelevante Grossbanken regelt.

Zum aktuellen Börsenkurs gerechnet, handelt es sich um rund 105 Millionen Titel oder etwa 3 Prozent aller Aktien. Für viele Aktionäre ist das offensichtlich zu wenig. Tatsächlich ist es nur ein Pappenstiel, wenn die 50 Milliarden Franken herangezogen werden, welche die Bank seit 2012 an frischem Kapital aufnehmen musste. Während UBS-Chef Sergio Ermotti von einem hervorragenden Jahresergebnis sprach, stieg die UBS-Aktie lediglich um 0,4 Prozent.

Gleichzeitig scheinen die Anleger zu erkennen, dass die Bank sechs Jahre nach dem grossen strategischen Kurswechsel weg vom risikoreichen Handelsgeschäft in Richtung Vermögensverwaltung zunehmend an ihre Grenzen stösst. Das zeigen auch die neuen Leistungsziele, die durchweg bescheidener sind als die alten. Künftig soll der Vorsteuergewinn nicht mehr «mindestens» 15 Prozent des Eigenkapitals erreichen, sondern nur noch gerade so viel. Das Ziel wurde 2017 wie im Jahr davor verfehlt.

Neu wird auch ein Kosten-Ertrags-Verhältnis von nurmehr 75 Prozent angestrebt, nachdem das Ziel bisher rund 65 Prozent betragen hatte. Die Kapitalbeschaffung sei teuerer geworden. Der Grund: Die aufsichtsrechtlichen Auflagen, welche die Bank 2012 noch für temporär gehalten hatte, seien zu einem permanenten Aufwand geworden, erklärte Ermotti.

Selbst in der Vermögensverwaltung wird die Bank bescheidener als zuvor. Die Neugelder sollen künftig pro Jahr lediglich zwischen 2 und 4 Prozent zunehmen. Viel von dem Geschäft, das man in der Finanzkrise verloren hatte, habe man inzwischen zurückgewonnen. In den USA sei man inzwischen mehr darauf aus, die Kunden zu halten, als neue, teure Berater einzustellen.

Sparen geht vor

Um weiter sparen zu können, wird die UBS die beiden bisher als getrennte Divisionen geführten Vermögensverwaltungseinheiten in den USA und im Rest der Welt zusammenlegen. Der überraschende Abgang von Jürg Zeltner, der bis Dezember die globale Vermögensverwaltung leitete, habe mit der Zusammenlegung der beiden Einheiten rein gar nichts zu tun, sagte Ermotti.

Zeltner und Tom Naratil, der für das US-Geschäft zuständig war, hätten während zweier Jahre gezielt auf die Fusion hingearbeitet. Die neue Einheit soll künftig von Naratil und Martin Blessing gemeinsam geleitet werden. Blessing leitete bis Ende vergangenen Jahres das Schweiz-Geschäft. Doppelbesetzungen bewähren sich bekannterweise nur selten. Aber sie können offenbar zur Notwendigkeit werden, wenn es mit dem Sparen schnell gehen muss.