Der Bitcoin drohte an seiner eigenen Popularität kaputtzugehen. Dass beim Handel mit der digitalen Währung alle Transaktionen von dezentralen Computern verifiziert werden müssen, macht die Technologie sicher. Es macht sie aber auch langsam. Denn je mehr Überweisungen es gibt, desto mehr Rechnerleistung wird für diese Kontrolle benötigt. Und desto länger dauert es, bis das Geld vom einen aufs andere Konto überwiesen ist. Vor allem in den vergangenen Monaten, in denen die Währung stark an Nutzern gewonnen hat, ist aus diesem Ärgernis eine Bedrohung für die Zukunft des Bitcoins geworden. Schliesslich sollen die digitalen Münzen nicht nur eine Geldanlage sein, sondern auch im Alltag als Zahlungsmittel genutzt werden.

Bis anhin konnte das Bitcoin-System im Optimalfall lediglich sieben Transaktionen pro Sekunde verarbeiten. Im Vergleich zu den über 50 000 Transaktionen, welche mit Visa-Karten pro Sekunde möglich sind, ist das erschreckend wenig. Deshalb kam es in den vergangenen Monaten auch immer wieder vor, dass die Verarbeitung einer Bitcoin-Transaktion mehrere Stunden dauerte, manchmal sogar über einen Tag. Wenn man so für den Einkauf im Supermarkt zahlen will, ist das natürlich nicht praktikabel.

Lancierung von «Bitcoin Cash»

Wie sich dieses Problem lösen lässt, hat in der Bitcoin-Community seit Monaten für intensive Diskussionen gesorgt. Schlussendlich konnte man sich nicht auf eine einzige Variante einigen. Deshalb wurde der Bitcoin in der vergangenen Woche in zwei separate Währungen geteilt, welche das Problem unterschiedlich lösen wollen. Der klassische Bitcoin existiert weiter, allerdings werden Transaktionen seit dem 1. August anders in der Blockchain abgespeichert. Das trägt zur effizienteren Verarbeitung von einzelnen Transaktionen bei und ist die bedeutendste Änderung im Bitcoin-Code seit der Lancierung vor acht Jahren. Parallel dazu wurde die neue Währung «Bitcoin Cash» lanciert. Sie behält das Grundprinzip des Bitcoin-Protokolls bei, jedoch wurden die einzelnen Blöcke in der Blockchain stark vergrössert. So können mehr Transaktionen auf einmal verarbeitet werden.

Was die Reaktion des Markts auf diesen «Hard Fork» sein würde – so nennt man die Aufspaltung im Jargon –, wusste niemand genau. Auch über Kurseinbrüche wurde immer wieder spekuliert. Diese blieben zwar bis jetzt aus, jedoch lässt sich auch eine Woche nach der Neuerung noch kein eindeutiges Fazit ziehen.

Der klassische Bitcoin scheint zumindest von den Änderungen zu profitieren. Sein Wert stieg vergangene Woche konstant und wurde am Wochenende für über 3200 Dollar gehandelt – so viel wie noch nie zuvor. Nach der Lancierung stieg auch der Wert von Bitcoin Cash innerhalb weniger Stunden von anfänglich rund 400 Dollar auf 750 Dollar an, sank dann aber während der nächsten Tage auf 240 Dollar ab. Diese Entwicklung darf allerdings nicht als repräsentativ betrachtet werden: Weil alle Blockchain-Technologien nach der Lancierung zuerst einige Tage Anlaufzeit brauchen, ist Bitcoin Cash bis heute noch nicht komplett nutzbar. Nur wenige Leute haben Zugriff auf ihre Coins und diese lassen sich auch nur auf einzelnen Plattformen handeln.

Kurs dürfte weiter sinken

Es ist also gut möglich, dass der Preis anfangs nur wegen des geringen Angebots derart rasant angestiegen ist. Experten vermuten, dass der schwächelnde Kurs noch weiter sinken wird, sobald die Börsen komplett offen sind und die Coins problemlos verkauft werden können. Die Zukunft von Bitcoin und der neuen Währung Bitcoin Cash bleibt also weiterhin unsicher. Aber dass die Probleme mit der Skalierbarkeit der Technologie nach monatelanger Diskussion nun endlich angegangen wurden, darf einen optimistisch stimmen.