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Die Swiss hat zu wenig Piloten – jetzt muss Edelweiss aushelfen

Swiss Flugzeuge am Swiss Hauptsitz in Basel (Archiv)

Swiss Flugzeuge am Swiss Hauptsitz in Basel (Archiv)

Die Swiss ist eine von wenigen Fluggesellschaften, die sich auf Wachstumskurs befinden. Das hat Folgen: Sie hat zu wenig Piloten. Deshalb muss die Airline nun auf auswärtiges Personal zurückgreifen – damit die Schweizer Ferien abbauen können.

Weil die Swiss seit längerem zu wenig Piloten hat, hat sich deren Feriensaldo aufgestaut. Um die fälligen Urlaubstage abzubauen, weicht sie nun auf das Personal der Tochter-Airline Edelweiss aus. Swiss-Chef Harry Hohmeister bestätigt entsprechende Recherchen: «Wir arbeiten zurzeit an einem Projekt, wie wir den Ferienaufbau stoppen und abbauen können. Eine realistische Möglichkeit ist es, auf die Edelweiss als Betreiberin für einen unserer A330-300 zurückzugreifen.» Derzeit werde geprüft, wie man dieses Projekt genau umsetzen könne.

Laut «Sonntag»-Informationen geht es um einen täglichen Flug Zürich–New York. Dabei gibt es noch ungeklärte Fragen: Wird das Edelweiss-Personal Swiss-Uniformen tragen? Und wie wird die First Class bedient? Denn die Ferienflieger der Edelweiss haben nur Economy- und Business-Class-Bereiche.

160 Piloten reichen nicht aus

Zwar bildete die Swiss auch dieses Jahr 80 neue Piloten aus, und im kommenden Jahr folgen nochmals 80. Doch das reicht nicht aus. Denn die Swiss befindet sich seit längerem auf Wachstumskurs – als eine der wenigen Fluggesellschaften Europas. Dieses Jahr lancierte sie die neue Destination Peking, im kommenden Mai folgt Singapur. Doch die starke Expansion der letzten Jahre mit straffem Budget führte dazu, dass die Swiss nicht genügend Piloten ausbilden konnte. Mit der Folge, dass der Feriensaldo der Piloten stark anstieg. Laut Kilian Kraus vom Pilotenverband Aeropers geht es um mehrere Mann-Jahre, die nun abgebaut werden müssen. Die Aeropers hat der Swiss sogar vorgeschlagen, Co-Piloten von der Lufthansa einzumieten, da bei der deutschen Airline ein Überbestand herrscht. Ein Entscheid dazu steht aus.

Für Hohmeister hat das Projekt den angenehmen Nebeneffekt, dass die Edelweiss-Crew günstiger ist. So erhalten Swiss-Piloten nicht nur mehr Lohn, sondern auch mehr Erholungszeit. Nach einer New-York-Rotation können Swiss-Piloten zwei Freitage beziehen, Edelweiss-Piloten hingegen nur einen. Verbirgt sich dahinter also gar eine grössere Strategie, um mit der kostengünstigeren Edelweiss Flüge der Swiss durchzuführen? «Nein», wiegelt Hohmeister ab. «Das ist eine pragmatische Massnahme, die mit unserem Gesamtarbeitsvertragspartner vereinbart ist, primär um den Ferienabbau bei den Airbus-Piloten zu beschleunigen.»

Die Lösung mit Edelweiss ist Teil des stark verbesserten Gesamtarbeitsvertrags (GAV), den die Aeropers im letzten Jahr mit der Airline abschloss. Bei der Cabin Crew sieht die Situation düsterer aus. Im April muss die Kabinengewerkschaft Kapers entscheiden, ob sie den laufenden GAV erneuern will. Viele Flight Attendants wünschen sich Verbesserungen. Doch Hohmeister nimmt ihnen allzu grosse Hoffnungen auf Lohnerhöhungen: «Ich glaube, alle unsere Angestellten lesen die Zeitung und wissen, wo Europa und die europäische Luftverkehrsindustrie stehen. Sie wissen auch, dass sie als Kabinenmitglied bei uns mehr verdienen als bei allen anderen Airlines in Europa.»

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