Neue Technologie

Die SRG stellt auf Ultra-HD um: Nun müssen zehntausende Zuschauer neue Geräte kaufen

Fernseher, die vor 2013 gekauft wurden, kommen mit dem neuen Standard UHD häufig nicht klar.

Fernseher, die vor 2013 gekauft wurden, kommen mit dem neuen Standard UHD häufig nicht klar.

Die SRG und private Fernsehsender lancieren den Standard Ultra HD. Nicht alle Geräte können aber damit umgehen - und der Nutzen ist umstritten.

Das Fernsehbild wird schärfer und die Farben echter - dank dem neuen Standard Ultra HD (UHD). Verschiedene Fernsehsender wollen dieses oder nächstes Jahr darauf umstellen. Die SRG hat anfangs Jahr den Handel informiert, dass sie ihrer Sender ab nächstem Jahr via UHD verbreiten werde. Nur: Längst nicht alle Fernseher und Empfangsgeräte kommen damit zurecht. Einen internationalen Standard für die neue Codierung, welche die SRG für UHD einsetzen will, gibt es seit 2013. Erste UHD-fähige Fernseher wurden vor zehn Jahren verkauft. Ältere Modelle sind in aller Regel nicht UHD-tauglich.

Aber auch wer in den letzten Jahren einen neuen Fernseher gekauft hat, kann nicht sicher sein, dass dieser mit UHD zurecht kommt. Laut der SRG seien von den heute verkauften Geräten über 80 Prozent UHD-tauglich, das belegten Erhebungen des Marktforscher GfK. Doch das bedeutet auch: Zehntausende Geräte müssen nachgerüstet werden. Das ist mit sogenannten Vorschaltgeräten, auch Set-Top-Boxen genannt, möglich. Von der Umstellung betroffen sind anfänglich jene Haushalte, die über Satellit fernsehen. Diesen Empfangsweg nutzen laut Zahlen des Bundes etwa 300’000 Geräte.

Coronavirus wirbelt die Pläne durcheinander

Während einer gewissen Zeit will die SRG ihre Sender in UHD- und HD-Qualität gleichzeitig verbreiten. Ein konkretes Datum für die Umstellung gibt es noch nicht, sagt Sprecher Edi Estermann. Das Coronavirus habe vieles auf den Kopf gestellt. Praktisch alle grossen Veranstaltungen, die in UHD produziert werden, seien abgesagt oder verschoben worden - so etwa die Fussball-EM oder die Tokyo Olympics. Die SRG überarbeite deshalb ihren Zeitplan und gehe von einer «leichten Verzögerung »aus.

Wann die SRG-Sender auch in den Netzen von Swisscom, UPC und Co. in UHD verbreitet werden, ist unklar. Diese dürften allerdings schnell reagieren, wenn die SRG die Signale erst mal zur Verfügung stellt. Erste Erfahrungen haben sie bereits gemacht: So verbreitet die deutsche RTL-Gruppe ihren Sender RTL UHD seit Februar über das Fernsehangebot von Sunrise, im März wurde der Sender auch bei UPC aufgeschaltet. Die Pro7Sat.1-Gruppe wiederum hat 2018 mit einem Testbetrieb begonnen und strahlt einige Sendungen über Satellit in UHD-Qualität aus. Konkrete Gespräche mit Schweizer Verbreitern gebe es aber noch nicht, sagt eine Sprecherin. Man beobachte die «technologischen Entwicklungen und die Angebote der Partner sehr aufmerksam».

3+ und Co. starten 2021 mit UHD

Weit fortgeschritten sind die Planungen bei CH Media mit seinen TV-Sendern wie 3+, TV24 oder Tele Züri. «Wir planen, unsere Sender künftig in UHD anzubieten», sagt Roger Elsener, TV-Chef bei CH Media, zu dem auch dieses Portal gehört. Der Start sei für 2021 vorgesehen. Die Einführung werde gestaffelt nach Sender geschehen.

Im Gegensatz zum heutigen Fernsehsignal, das von den meisten Fernsehsendern in HD-Qualität verbreitet wird, hat ein einzelnes UHD-Bild mindestens viermal mehr Pixel. Zudem sieht der neue Standard eine grössere Farbtiefe vor. Vereinfacht gesagt drückt dieser Begriff aus, wie viele verschiedene Farben dargestellt werden können. UHD ermöglicht auch einen besseren Kontrast und soll Fernsehbilder zeigen, die der Realität noch näher kommen.

Netflix bietet bereits UHD-Qualität

Mit dem neuen Standard steigt auch die Zahl der übertragenen Daten. Er wurde deshalb erst möglich, seit Breitbandanschlüsse weit verbreitet sind und die Datenmengen zu den Zuschauern übertragen werden können. Bereits heute haben Streaminganbieter wie Netflix oder Amazon verschiedene Inhalte in UHD-Qualität auf ihren Plattformen im Angebot.

Zumindest bei der SRG geschieht die Umstellung über einen Zwischenschritt: Erst will sie ihre Sender in Full HD anbieten. Heute setzt die SRG auf die geringste Auflösung des HD-Standard, die im Vergleich zu Full HD nur etwas weniger als die Hälfte der Pixel nutzt. Mit dem Schritt von der heutigen Auflösung zu UHD plant die SRG also mindestens eine Verachtfachung der Pixelzahl.

Ob das bei den Kunden ankommt, ist allerdings eine andere Frage. In einem Test der Stiftung Warentest erkannten Probanden zwar die UHD-Auflösung, aber vor allem wegen der besseren Farben und des besseren Kontrasts. So wählten die Probanden sowohl bei HD- als auch bei UHD-Bildern den selben Abstand zum Fernsehgerät - ein Indiz dafür, dass sie von der höheren Detailschärfe wegen der höheren Auflösung gar nichts bemerkt haben, schlussfolgert die Stiftung.

Wenn Sie wissen wollen, ob ihr TV-Gerät oder ihr Empfangsgerät mit der von der SRG verwendeten Codierung für UHD zurecht kommt, können Sie in der Bedienungsanleitung nachschauen, ob die Codierung HEVC/H265 unterstützt wird. Ist dies der Fall, sind sie für UHD gerüstet.

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