Die Skalpelle sind nicht gleich lang

Spital Dornach

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Spital Dornach

Kleine Spitäler wie Riehen, Laufen oder Dornach rentieren nicht, wird immer wieder gesagt. Doch ein exakter Vergleich, wie wirtschaftlich sie sind, ist fast nicht möglich.

Walter Brunner

In regelmässigen Abständen taucht es auf, das Argument, kleinere Spitäler seien teuer und müssten deshalb geschlossen werden. In Riehen ist die Frage gerade akut, in Laufen wird sie zum Thema für den Baselbieter Regierungsrat, und auch in Dornach wurde die Frage bereits mehrmals gestellt (siehe bz von gestern). Allerdings ist es sehr schwer, genau zu sagen, welches Spital rentiert und welches nicht, oder welches Spital wirtschaftlicher arbeitet als ein anderes. «Sicher ist, dass man sehr viele Daten hat, die man vergleichen könnte, aber man vergleicht sie nicht», sagt die Mitarbeiterin einer Krankenkasse.

Paul Rhyn bestätigt dies: «Wir haben sehr wenige Informationen, wie die Spitäler betrieben werden.» Der Mediensprecher von Santésuisse, dem Verband der schweizerischen Krankenversicherer, sagt weiter: «Das ganze System ist zu wenig transparent. Im Moment kann man nicht genau sagen, wofür die Gelder eingesetzt werden.»

Kleine Spitäler sind günstiger

Aufgrund des Betriebsaufwandes und der Pflegetage lässt sich ausrechnen, wie teuer ein Pflegetag in einem Spital ist. Da werden grosse Unterschiede sichtbar. Auf den ersten Blick ist klar: Das Universitätsspital Basel ist sehr teuer, und ausgerechnet die kleineren Spitäler Riehen, Laufen und Dornach arbeiten günstiger.

«Die Kosten pro Pflegetag sind eine grobe Grösse», warnt Paul Rhyn, «da werden schnell einmal Äpfel mit Birnen verglichen.» Auch Thomas von Allmen, Abteilungsleiter Leistungseinkauf und Planung im Gesundheitsdepartement Basel-Stadt, betont die Unterschiede. Das Universitätsspital biete eine Intensivstation, eine Radio-Onkologie und vieles mehr. «Deshalb hat es ganz andere Infrastrukturkosten als zum Beispiel das Spital in Riehen.» Auch die Patientenkonstellation spiele eine grosse Rolle. «Deshalb kann man nicht einfach den Schluss ziehen, ein kleineres Spital sei günstiger. Es kommt nicht nur auf die Kosten an, sondern darauf, ob der medizinische Bedarf vorhanden ist oder nicht.»

Rhyn fügt an, dass viele weitere Aspekte wichtig sind: die betriebswirtschaftliche Seite, die Verkehrsverbindungen, regionalpolitische Überlegungen. Offenbar haben die Spitäler keine gleich langen Skalpelle. Und Rhyn sagt: «Das bisherige System ist ein Defizitdeckungs-Mechanismus. Da wird ein kostengünstiges Spital nicht unbedingt belohnt.»

Verein ordnet das Dickicht - anonym

Ein Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kosten und Leistungen der Spitäler zu vergleichen. So fand «Spitalbenchmark» heraus, dass ein Fall in einem Spital durchschnittlich 8690 Franken kostet, in einem Universitätsspital 10 200 Franken. Aber der Verein veröffentlicht seine Ergebnisse nur in anonymisierter Form.

Nun verspricht ein neues System Klarheit: Ab dem 1. Januar 2012 werden die stationären Leistungen der Spitäler nach einem einheitlichen Fallpauschalen-System abgerechnet. Monika Hug-Portmann, Leiterin Unternehmenskommunikation der Solothurner Spitäler AG (SOH), richtet den Blick deshalb nach vorne: «Es gilt jetzt, sich für 2012 fit zu machen.» Die Fallkosten für das Spital Dornach würden nicht wesentlich von denen der grossen SOH-Standorte Olten und Solothurn abweichen.

Zahlen nennt sie nicht. Gleich zurückhaltend gibt man sich beim Kanton Baselland und verweist auf eine Medieninformation Ende April. Weitere Trümpfe für ein Spital sind Kooperationen. Das Spital Dornach etwa profitiert vom SOH-Verbund, der zum Beispiel die Gastronomie, die Informatik und die Administration zentral führt. «Ein kleines Spital ohne einen solchen Verbund muss alle diese Dienstleistungen selber erbringen», sagt Monika Hug-Portmann.

www.spitalbenchmark.ch, www.swissdrg.org

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