Die Schweizer Bevölkerung dürstet vermehrt nach Schweizer Bier - zulasten von Importbier. Insgesamt blieb der Bierabsatz hierzulande dank dem perfekten Juni-Wetter im letzten Braujahr 2016/17 (per Ende September) stabil. Seit letztem Jahr entstanden rund 100 neue Brauereien.

Westeuropäischer Biermarkt gesättigt

Die Biermärkte Westeuropas sind gesättigt, wie Marcel Kreber, Direktor des Schweizerischen Brauerei-Verbands (SBV), am Dienstag in Zürich sagte. In der Schweiz blieb der Bierabsatz mit einem leichten Minus von 0,2 Prozent auf 4,61 Millionen Hektoliter im letztem Braujahr stabil.

Trendwende für Schweizer Bier

Trotzdem haben die Schweizer Brauer Grund auf ein Bierchen anzustossen. "Es scheint sich für Schweizer Bier eine Trendwende abzuzeichnen", sagte Kreber. Nachdem die billige Auslandkonkurrenz die heimische Produktion lange unter Druck setzte, legten sie im Bierjahr 2016/17 wieder zu - allen voran die Spezialitätenbiere im höheren Preissegment.

Der Gesamtinland-Ausstoss erhöhte sich um 0,9 Prozent auf 3,5 Millionen Hektoliter - nach einem Minus von 0,7 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig stieg der Marktanteil von Schweizer Bierauf 75,2 Prozent (Vorjahr: 74,3 Prozent)

Dies ging auf Kosten von tendenziell günstigeren importiertem Bier. Die Biereinfuhren schrumpften in der Berichtsperiode um 3,5 Prozent auf 1,1 Millionen Hektoliter.

Eine nüchterne Gesellschaft

Der Pro-Kopf-Konsum ist auf 54 Liter leicht zurückgegangen wegen dem Bevölkerungswachstum, wie Kreber ausführte. Allerdings sei es eine Tatsache, dass seit 2011 immer weniger Bier getrunken werde, aber auch Alkohol generell.

Noch nie sei so wenig Alkohol konsumiert worden, wie letztes Jahr. "Wir sind eine nüchterne Gesellschaft", so Kreber. Beeinflussen lassen sich die Konsumenten beim Bierkonsum in erster Linie durch das Wetter.

Der Juni 2017 ging als zweitheissester Juni seit Messbeginn in die Annalen. Ebenso erreichte der Bierausstoss im Juni einen Höchstwert mit plus 9,6 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode, wie der SBV-Direktor ausführte.

Ende April dagegen, als es im Mittelland nochmals schneite, sank die Lust nach Bier in den Keller, ebenso im September als es plötzlich kalt wurde.

Grosse Sportereignisse - wie die Fussball Europameisterschaft im Vorjahr - hätten einen kleineren Einfluss als das Wetter. Dennoch hofft Verbandspräsident Markus Zemp auf warme Temperaturen während der Fussball-WM nächsten Sommer. Wenn zusätzlich die Schweizerische Fussball-Nationalmannschaft lange dabei bliebe, wäre das für den Bierabsatz ideal, sagte Zemp.

Kein Ende des Brauereibooms

Das Gründungsfieber scheint ungebrochen: Im September verzeichnete die Eidgenössische Zollverwaltung 833 Braustätten, im Vergleich zu 734 im Vorjahr. Laut Kerber sind seither bereits weitere dazugekommen. Im Verhältnis zu Bevölkerungszahl weist die Schweiz somit die grösste Dichte an Braustätten weltweit auf.

Als Braustätte gilt, wer mehr als 400 Liter Bier pro Jahr braut, abgibt oder verkauft. Das Gros von 99,2 Prozent des Schweizer Bieres wird allerdings von nur 49 Brauereien gebraut.

Die Bierbranche macht einen Jahresumsatz von etwas über einer Milliarde Franken und verzeichnet 48'000 Arbeitsplätze, auch vor- und nachgelagerte.

Nächste Woche verleiht der Brauerei-Verband erstmals einen Swiss Beer Award. Weiter setzt sich der Verband dafür ein, dass in der Schweiz Biere, die nach Pilser Art gebraut wurden, auch als Pils bezeichnet werden können. Bisher hatte ein alter Staatsvertrag mit der ehemaligen Tschechoslowakei dies verhindert. Der Bundesrat hatte im Sommer ein entsprechendes Postulat abgelehnt. Als nächstes kommt es in den Nationalrat.