Wirtschaft

Die Schweizer Finanzbranche leidet unter den Negativzinsen

Während die Finanzinstitutionen die Negativzinsen negativ bewerten, sieht man diese im Bausektor sogar positiv.

Während die Finanzinstitutionen die Negativzinsen negativ bewerten, sieht man diese im Bausektor sogar positiv.

Die Geschäftslage der Schweizer Unternehmen hat sich im Januar leicht verbessert. Dagegen machen die Negativzinsen einer Branche besonders Bauchweh, wie eine Umfrage der KOF zeigt.

(mg) Es geht aufwärts. Wie die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) am Mittwoch mitteilte, hat sich die Geschäftslage der Schweizer Unternehmen im Januar weiter verbessert. Nach einem sehr schwachen ersten Halbjahr 2019 habe sich die Lage seit dem Herbst stabilisiert. «Die Schweizer Wirtschaft kann sich aus dem Abwärtssog befreien», schreibt die KOF in einer Mitteilung.

Beim Verarbeitenden Gewerbe gibt der Indikator der KOF erstmals seit 13 Monaten nicht mehr nach. So steigt die Unzufriedenheit mit den Auftragsbeständen nicht weiter und für die weitere Entwicklung der Bestellungseingänge herrscht etwas mehr Zuversicht. Positive Signale gibt es zudem aus dem Gastgewerbe, dem Detail- und Grosshandel sowie der Baubranche. Einzig bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern trübt sich die Lage leicht ein, auch dort bleibt sie aber insgesamt sehr gut.

Grösster Nachteil für Finanzbranche

Die KOF hat bei ihrer aktuellen Umfrage zusätzliche Fragen zur Zufriedenheit mit der aktuellen Geldpolitik gestellt – im Januar jährte sich die Aufhebung des Euro-Mindestkurses zum fünften Mal. In der Beurteilung zeigen sich grosse Unterschiede zwischen den Branchen. Während die Baubranche beispielsweise die Negativzinsen tendenziell als Vorteil sieht, werten Finanzinstitute diese grössenteils als Nachteil. 65 Prozent der befragten Unternehmen aus der Finanz- und Versicherungswirtschaft gaben an, dass sich die Negativzinsen schlecht auf ihre Geschäfte auswirken. Über alle Befragten betrachtet ergibt sich eine neutrale Bewertung der aktuellen Negativzinspolitik.

Grundsätzlich zufrieden ist die Mehrzahl der befragten Konzerne mit dem aktuellen Frankenkurs im Verhältnis zum Euro. Knapp die Hälfte empfindet den Kurs von 1,10 Franken pro Euro als angemessen. Klagen gibt es hauptsächlich aus dem Verarbeitenden Gewerbe: Dort halten 52 Prozent den aktuellen Frankenkurs für zu stark.

Detailhandel sieht seine Position verschlechtert

Ebenfalls wollte die KOF wissen, wie sich die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen im Vergleich zum Januar 2015 entwickelt hat. Im inländischen Markt beurteilen 66 Prozent der befragten Unternehmen ihre Position als ähnlich – kritische Stimmen gibt es vor allem aus dem Detailhandel, der unter dem Einkaufstourismus leidet. In den europäischen Märkten beurteilen knapp die Hälfte ihre Wettbewerbsposition als gleich gut. Klagen kommen aus dem Gastgewerbe, die im Bezug auf Gäste aus dem Euroraum bei starkem Franken einen Wettbewerbsnachteil sehen.

Insgesamt haben 2048 Unternehmen an der Umfrage zur Geldpolitik teilgenommen. Bei der Konjunkturumfrage waren es mehr als 4500.

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