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Die Schweiz soll mehr Kunststoff rezyklieren: Politiker fordern landesweites System

Nicht nur Aludosen und Petflaschen sollen rezykliert werden, sondern vermehrt auch Plastikverpackungen.

Nicht nur Aludosen und Petflaschen sollen rezykliert werden, sondern vermehrt auch Plastikverpackungen.

Die Schweiz sieht sich gern als «Recycling-Weltmeisterin». Doch was bei  Glas, Petflaschen oder Alu längst etabliert ist, steckt bei den Kunststoffen noch in den Kinderschuhen. Das wollen Politiker ändern. Nur: Lohnt sich das überhaupt?

Der Zeitpunkt ist Zufall: FDP-Nationalrat Marcel Dobler reichte just am Tag der Migros-Ankündigung eine Motion ein, die mehr Plastikrecycling fordert. Von den Plänen der Migros habe er nicht gewusst, sagt Dobler, «aber mein Vorstoss kommt damit zur richtigen Zeit». Der St. Galler findet, die Schweiz müsse mehr Plastik rezyklieren. Konkret fordert er in der Motion, der Bund müsse dafür sorgen, dass die Plastikabfälle schweizweit koordiniert und flächendeckend gesammelt und rezykliert werden können.

Dobler schwebt eine Lösung wie beim PET vor: Nicht der Staat, sondern Private sollen das Plastik-Recycling organisieren. Der Vorstoss ist breit abgestützt; auch Nationalräte aus dem linksgrünen Lager haben ihn laut Dobler unterzeichnet. Ebenfalls für eine flächendeckende Einführung plädiert der Verein Swiss Recycling. «Es wäre an der Zeit, ein schweizweites Plastik-Recycling aufzubauen», sagt Geschäftsführer Patrik Geisselhardt.

Kleiner Nutzen, hohe Kosten

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Rainer Bunge, Professor für Umwelttechnik an der Hochschule für Technik Rapperswil, schrieb vergangenes Jahr in der «Volkswirtschaft», das Recycling lohne sich nicht: Kunststoffe zu rezyklieren sei sehr teuer, gleichzeitig sei es ökologisch gesehen nur wenig besser als es zu verbrennen und daraus Strom und Fernwärme zu generieren.

Geisselhardt von Swiss Recycling entgegnet, dieses Argument sei zwar richtig. Aber inzwischen könne man mehr und effizienter rezyklieren – und es werde weitere Fortschritte geben. «Ausserdem will die Industrie zunehmend rezyklierten Kunststoff einsetzen», gibt er zu bedenken. «Die Nachfrage nach Rezyklat nimmt zu.» Heute würden deswegen Plastikabfälle importiert.

Die Situation sei «absurd», sagt FDP-Nationalrat Marcel Dobler. Er stört sich insbesondere daran, dass die Schweiz Plastikabfälle importiert, um daraus zum Beispiel Rohre herzustellen – und gleichzeitig den eigenen Abfall verbrennt.

Und die Kehrichtverbrennungsanlagen?

Heute landen Plastikabfälle in Kehrichtverbrennungsanlagen und Zementwerken, die daraus unter anderem Fernwärme produzieren. Würde Kunststoff vermehrt rezykliert, hätten sie weniger Plastik zum Verbrennen.

Dennoch: Der Verband der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen stehe dem Plastik-Recycling positiv gegenüber, sagt Präsident Bastien Girod: «Gewisse Kehrichtverbrennungsanlagen sammeln sogar selber Plastik, beispielsweise die KVA Thurgau.» Der Grüne Nationalrat unterstützt auch Doblers Anliegen. «Entscheidend ist eine wirksame Umsetzung», sagt er.

Autor

Maja Briner

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