"Die Schweiz zählt bei der Internet-Verbreitung weltweit zu den Top-Ländern", sagte Michael Latzer von der Universität Zürich in einer Mitteilung der Hochschule.

Er hat mit seinem Team das "World Internet Project - Switzerland" nach 2011 zum zweiten Mal durchgeführt und liess dafür schweizweit 1114 Personen ab 14 Jahren befragen.

Unterschiede zwischen Männer und Frauen, Jungen und Älteren sind seit 2011 geschrumpft.

Sorgen und Vertrauen in punkto Internetnutzung haben sich indes nicht wesentlich verändert. Die Hälfte der Internet-Inhalte werde von drei Vierteln der Befragten als glaubwürdig eingestuft, erklärte Latzer.

Mangelnde Privatsphäre akzeptiert

Trotz NSA-Skandalen vertrauen die Nutzer den Angeboten der Regierung - etwa der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) - am meisten, Blogs oder sozialen Online-Netzwerken am wenigsten.

In punkto Datenschutz trauen die Befragten Unternehmen weniger als der Regierung. Grundsätzlich sind Junge deutlich weniger um Datenschutz besorgt als Ältere und Männer weniger als Frauen.

Etwa 40 Prozent der Befragten wären "sehr oder extrem besorgt" bei der Nutzung einer Kredit- oder Bankkarte im Internet.

Fünf Prozent sind tatsächlich schon Opfer von Kreditkartenbetrug im Internet geworden. Jeder Zweite befand, man müsse sich damit abfinden, dass es keine Privatsphäre im Internet mehr gebe.

Politikfreier Raum

Die neue Studie zeigt, dass das Internet als Informationsquelle weiter an Bedeutung zunimmt - Spitzenreiter sind Produkt- und Reiseinformationen sowie Nachrichten.

Damit hat das Internet die Zeitung als Informationsquelle eingeholt, bei den 14- bis 29-Jährigen diese sogar abgehängt.

Als zweitwichtigste Nutzung folgt die Unterhaltung mit Video- und Musikportalen an der Spitze.

Allerdings rangiert das Internet noch immer nach dem Fernsehen. Politik hat indes im Internet einen schweren Stand: 71 Prozent der Befragten diskutieren Politik ausschliesslich offline. Nur vier bis sieben Prozent glauben, dass Internet der Demokratie nützt.

Smartphones und Facebook

Mit der Verbreitung von Smartphones wird das Internet heute häufiger als 2011 mobil benutzt. Zugenommen hat zudem die Präsenz auf sozialen Online-Netzwerken wie Facebook oder Twitter, letzteres vor allem von jüngeren Nutzern. Fast sechs von zehn Surfern verwenden diese Netzwerke, zwei Drittel täglich.

Das Internet-Shopping stagniert auf hohem Niveau: 78 Prozent der Befragten suchen Produktinformationen online, 67 kaufen im Internet ein und 63 machen online Preisvergleiche.

Eine Million ist offline

Trotz der weiten Verbreitung des Internets fühlen sich vier von zehn Befragten "gar nicht oder nur ein wenig" in die Informationsgesellschaft eingebunden. Eine geschätzte Million Menschen ist ganz offline. Die Internetnutzung ist in der italienischsprachigen Schweiz sowie bei Personen mit geringem Einkommen, Bildungs- und Beschäftigungsgrad am tiefsten.

Das World Internet Project (WIP) ist eine Langzeitstudie, die in 30 Ländern die Verbreitung und Nutzung des Internets erfasst und analysiert. Die Daten für das zweite Schweizer WIP basieren auf einer repräsentativen telefonischen Befragung von 1114 Personen ab 14 Jahren, die im Mai und Juni 2013 von gfs Zürich durchgeführt wurde.

Unterstützt wird das Projekt vom Bundesamt für Kommunikation (Bakom) und vom Dekanat der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich.