Neuer 200er-Schein

Die Schweiz ist eine Insel im Banknotendruck

Fritz Zurbrügg, Vizepräsident der Nationalbank, präsentierte am Mittwoch die neue 200er-Note.

Fritz Zurbrügg, Vizepräsident der Nationalbank, präsentierte am Mittwoch die neue 200er-Note.

Mit viel Aufwand hält die Schweizerische Nationalbank die Herstellung der Banknoten im Land. Das freut die Notendruckindustrie, denn: Ihr Geschäft rentiert schon lange nicht mehr.

Mit der Ausgabe der 200-Franken-Scheine aus der neuen Serie lanciert die Schweizerische Nationalbank am 22. August die zweite Halbzeit des im April 2016 gestarteten Emissionsreigens. «Sehr zufrieden» zeigte sich SNB-Vizepräsident Fritz Zurbrügg an der Medienorientierung am Mittwoch mit den bisherigen Erfahrungen der drei bereits ausgegebenen Noten. In der Ostschweiz seien zwar schon zwei gefälschte 50er-Scheine aus der neuen Serie aufgetaucht, wie SNB-Bargeldchef Beat Grossenbacher am Rande der Konferenz im Gespräch einräumte. Doch die Kopien seien in ihrer Qualität so dilettantisch gewesen, dass sie sehr schnell entdeckt wurden.

Bis heute als fälschungssicher gilt auch die alte Notenserie, die in den Jahren 1995 bis 1998 in Umlauf gebracht wurde und wie die neuen Noten durch aufwendige Sicherheitsmerkmale wie Hologramme auffällt. Grossenbacher sagt, es seien auch bei diesen Noten nie Fälschungen aufgetaucht, die nicht nur von Kopierautomaten, sondern von echten Druckmaschinen stammten. Die Schweiz ist auch in puncto Notendruck eine Insel in dieser Welt.

Die Nationalbank lässt sich das sichere Bargeld auch ungewöhnlich viel kosten. Rund 40 Rappen betragen die durchschnittlichen Herstellungskosten einer neuen Note. Das ist ein Drittel mehr als in der alten Notenserie. Allein die Produktion der ersten Auflage der neuen 200er-Scheine wird also mehr als 20 Millionen Franken verschlingen.

Die neue 200er Note widmet sich der Schweizer Wissenschaft

Die neue 200er Note widmet sich der Schweizer Wissenschaft

Fritz Zurbrügg, Vizepräsident des SNB-Direktoriums, erklärt, was die Symbole auf der neuen Note bedeuten und wie fälschungsicher die Note ist.

Im Schnitt drei Jahre im Umlauf

Zurzeit sind 56 Millionen 200-Franken-Noten im Umlauf, was etwa 12 Prozent des gesamten Notenumlaufes entspricht. Zur Lebensdauer der neuen Hightech-Noten gibt es natürlich noch keine Erfahrungswerte. Die Scheine der achten Serien blieben im Durchschnitt rund drei Jahre in der Zirkulation, bis sie ersetzt werden mussten. Unter der Annahme, dass dies bei den neuen Noten nicht viel anders sein wird, lässt sich mit einiger Sicherheit schon heute voraussagen, dass bis zum Ende der Lebenszeit der neuen Notenserie in vielleicht 20 Jahren mehr als 300 Millionen 200-Franken-Scheine gedruckt werden müssen. Die Kosten dafür lägen bei mindestens 120 Millionen Franken. Für die gesamte Notenserie kämen sie ziemlich exakt auf eine Milliarde Franken zu stehen.

Neue 200er-Note: «Das ist nicht der Rütlischwur!»

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Neue Kunden dank Schweizer Noten

Es liegt auf der Hand, dass sich ein derart teures Projekt nur ein Land leisten kann und will, das fest an den beständigen Wert der eigenen Währung glaubt. Dieser Glaube fusst auf den Erfahrungen mit dem Franken in den vergangenen 150 Jahren. Jahre, in denen die Entwertung der Schweizer Valuta tatsächlich langsamer fortschritt als in anderen Ländern. Während in Hochinflationsländern wie Venezuela neue Banknoten schon fast im Monatsrhythmus hergestellt werden müssen, plant die Nationalbank in Dekaden.

Sie macht damit auch der einheimischen Notendruckindustrie einen grossen Gefallen. Das rentable Geschäft, das der Notendruck einmal gewesen war, ist er schon länger nicht mehr. Vor drei Jahren sah sich die deutsche Notendruckerei Giesecke & Devirent gezwungen, ihre Euro-Noten-Produktion in München zu schliessen und über 600 Stellen abzubauen. «Der Preisdruck bei der Banknoten-Herstellung hat enorm zugenommen», erklärte Geschäftsführer Walter Schlebusch den Abbau. Anders als früher bei den D-Mark-Noten stehe Giesecke & Devrient beim Euro mit staatlich subventionierten Druckereien in Konkurrenz. Zur gleichen Zeit musste auch die britische Firma De la Rue ihre Fabrikation in Malta schliessen. In jenen Jahren schrieb auch die Notendruckerei von Orell Füssli in Zürich hohe Verluste. 2013 betrug das Minus 25 Millionen Franken. Doch seit die Druckerpresse für die Nationalbank läuft, geht es mit Orell Füssli aufwärts. 2017 war ein Spitzenjahr im Sicherheitsdruck mit einem Betriebsgewinn von 20 Millionen Franken, und wenn die neue Notenserie im Herbst 2019 mit dem 100-Franken-Schein zum Abschluss kommt, könnte ein Rekordergebnis resultieren. Der Hunderter ist die mit Abstand am meisten verbreitete Note im Land. 125 Millionen Stück decken fast 28 Prozent des gesamten Notenumlaufes. Auch Landqart, die Herstellerin jenes Substrates, auf dem die neuen Noten gedruckt werden, konnte sich im vergangenen Jahr allein dank der Nationalbank über Wasser halten.

Wie lange die Schweizer Banknotenindustrie als autarke Insel in diesem international zunehmend schwierigen Geschäft noch bestehen kann, muss sich weisen. Zurzeit versucht man bei Orell Füssli und Landqart aus der Reputation der mehrfach preisgekrönten neuen SNB-Noten Nutzen zu ziehen und neue Kunden zu gewinnen.

Mehr Bilder der neuen 200er-Note:

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