Rohöl

Die Schieferöl-Förderung bringt nicht das, was Ölmultis sich vorstellen

Rohölpreis stark gesunken

Boom flaut ab: Die neuen Quellen sprudeln in den USA nur kurz.

Rohölpreis stark gesunken

Für Ölmultis wie Shell haben sich die Milliardeninvestitionen in die Schieferölförderung bisher nicht gelohnt. Grund: Die neuen Quellen versiegen sehr rasch. Doch es gibt weitere Herausforderungen, die zu Beginn der Investition nicht bedacht wurden.

Als seinen «grössten Fehler der beruflichen Laufbahn» bezeichnete der abtretende Shell-Konzernchef Peter Voser die Investitionen des Rohölkonzerns in die Schieferöl- und Gasvorkommen in den USA. Shell hatte 24 Milliarden Dollar in den Abbau dieser unkonventionellen Vorkommen investiert und musste in diesem Sommer eine Wertberichtigung von 2 Milliarden Dollar vornehmen. «Diese Vorhaben haben sich nicht so ausbezahlt, wie wir uns das vorgestellt hatten», sagte Voser gegenüber der «Financial Times».

Shell ist nicht das einzige Unternehmen, für das sich die Investition in Schieferöl und Gas nicht gelohnt hat. BHP Billiton, ein Rohstoffkonzern, stellt die Hälfte seiner Schürfrechte in den USA zum Verkauf. Die kleineren Förderer BG Group, Exco Resources und Encana schrieben jeweils dreistellige Millionenbeträge ab. Die Analysten von Casey Research, einem US-Finanzberatungsunternehmen, erwarten weitere Abschreiber und Rückzieher.

Versiegende Quellen

Denn obwohl der Abbau von Schieferöl und Gas in den USA das weltweite Preis- und Fördergefüge bei diesen Energieträgern verschiebt, schlägt sich die Industrie mit einer Reihe von Herausforderungen herum, die man zu Beginn nicht bedacht hatte und die sich jetzt als nachteilig herausstellen. So versiegen die neuen Quellen sehr rasch. Oft fällt die Förderung eines neuen Bohrlochs innert des ersten Jahres auf 25 Prozent der ursprünglichen Leistung, sagen die Casey-Analysten.

Konventionelle Felder lassen hingegen über 5 bis 20 Jahre das Öl einigermassen konstant bei 60 Prozent der Leistung sprudeln. Es müssen deshalb ständig neue Löcher gebohrt werden, um die Produktion an einem Standort über die Jahre einigermassen stabil zu halten. Allein in den USA wurden im letzten Jahr über 45'000 Löcher gebohrt.

Zudem bleibt das meiste Öl im Boden. Durch das sogenannte Fracking, den neuen Abbaumethoden für die Schiefergesteinsformationen, werden lediglich wenige Prozent des Öls an die Oberfläche gebracht. Der Aufwand dafür ist hoch: Gemäss Welt-Energie-Ausblick liegt das Energieaufwands- und Ertragsverhältnis beim Abbau zwischen Faktor zwei und fünf. Mit anderen Worten: Bis zur Hälfte der Energie, die man aus dem Boden holt, geht für die Förderung drauf.

Weiter zeigen sich personelle Engpässe. Nur erfahrene Ingenieure kommen mit den horizontalen Bohrtechniken klar. Von diesen Fachleuten gibt es viel zu wenige. Schliesslich fehlt es öfters am Nachschub von Spezialflüssigkeiten, Sand, Ausrüstung und Transportkapazitäten. Weil die Löcher rasch versiegen, ziehen die Förderer nach kurzer Zeit weiter – und dafür lohnt sich die feste Installation teuren Anlagen nicht.

Bohrtürme billig abzugeben

«Wir erwarten deshalb für 2015 einen bedeutenden Rückgang der Zuwachsraten bei der Produktion», heisst es von den Analysten der Bank Morgan Stanley. Ab 2015 wird sich die Produktion in den wichtigen Fördergebieten Eagle Ford, Bakken und Niobara kaum noch steigern lassen.

Das wissen auch die vielen kleineren unabhängigen Förderer. Sie arbeiten ständig an der Verbesserung der Fördereffizienz. Laut der US-Energieagentur EIA sind auf dem texanischen Eagle-Ford-Feld zwar 5 Prozent weniger Bohrlöcher in Betrieb als vor einem Jahr. Aber es wird 28 Prozent mehr Schieferöl gefördert. Um die Hälfte gefallen ist auch der Preis für gebrauchte Förderausrüstung. Daran sind indes nicht nur technologische Fortschritte schuld. Auch Firmen aus China haben diesen Markt entdeckt – und überschwemmen den Markt mit billigen Bohrtürmen und Rohren.

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