Bahnindustrie

Die SBB verkaufen ihr Know-how im Ausland

SBB-Zug wird poliert – die SBB machen dasselbe für andere. KEY

SBB-Zug wird poliert – die SBB machen dasselbe für andere. KEY

Die SBB brauchen müssen sich neue Einnahmequellen suchen. Um dazuzuverdienen, verkaufen die SBB vermehrt ihr Know-how an Dritte. Eine zentrale Rolle dabei spielen Beratungen im Ausland.

Die SBB erhalten mehr als ein Drittel ihres Betriebsertrags vom Bund. Zudem stehen die Bundesbahnen in der öffentlichen Dauerkritik, weil sie ständig die Billettpreise erhöhen. Kurz: Die SBB brauchen (zu) viel Geld und müssen sich deshalb neue Einnahmequellen suchen.

Potenzial orten die Bundesbahnen beim Drittgeschäft, sprich der Übernahme von Aufgaben für andere Unternehmen: «Wir haben unsere Anstrengungen in Richtung Dienstleistungen für Dritte in jüngster Zeit verstärkt beziehungsweise vor allem professionalisiert», sagt Konzernmediensprecher Christian Ginsig auf Anfrage der «Nordwestschweiz».

Die Bemühungen der Bundesbahnen in diese Richtung laufen seit 2005. Damals haben die SBB mit dem Aufbau einer professionellen Bearbeitung des Drittmarkts begonnen. Seit 2008 treten die SBB aktiv als Anbieterin im Drittmarkt auf. Zuletzt wurden die Anstrengungen nochmals forciert. Der Antrieb ist klar: «Das Drittgeschäft erzielt einen bedeutenden Deckungsbeitrag und entlastet so das Kerngeschäft», so Ginsig. Aktuelle Kennzahlen gibt das Unternehmen jedoch keine bekannt.

Eine zentrale Rolle spielt bei den Bemühungen der Bundesbahnen das Ausland. Die SBB beraten andere Bahnunternehmen beispielsweise bei Fahrzeugbeschaffungen oder der Planung des Fahrplans: «Diese Beratungen haben das Ziel, das jeweilige Bahnnetz optimal zu entwickeln», sagt Ginsig. Zuletzt hätten SBB-Angestellte bei der Fahrplan-Konzeption in Österreich mitgearbeitet. Ein anderes Beratungsmandat hatten die SBB für die dänische Staatsbahn inne. Diese habe man bei Fragen betreffend Telekommunikation im Zugverkehr unterstützt.

Neben Beratungen werden aber auch Fahrzeuge ausländischer Bahnen in der Schweiz gewartet und überholt. Im SBB-Werk in Bellinzona erledigen die Bundesbahnen Revisionsarbeiten an ausländischem Rollmaterial. «Wenn dadurch die Werke ausgelastet werden können, erachte ich das als sehr sinnvoll», sagt Walter von Andrian, Chefredaktor des Fachmagazins «Schweizer Eisenbahn-Revue». Es dürfe einfach nicht dazu führen, dass dadurch die eigenen Fahrzeuge und eigene Planungsaufgaben vernachlässigt würden, so von Andrian.

Putzen für Schweizer Partner

Vor drei Wochen fand in Berlin die Innotrans, die grösste Bahnmesse der Welt statt. Für die Akquisition neuer ausländischer Kunden ein wichtiger Termin für die SBB. Deshalb hat man mehr in den Messeauftritt investiert als in vergangenen Jahren und war mit verschiedenen Unternehmenszweigen präsent.

Der Aufwand scheint sich gelohnt zu haben: «Wir konnten einige neue Projekte aufgleisen», so Ginsig. Spruchreif sei zwar noch nichts, es habe sich aber einmal mehr gezeigt, dass das Schweizer Bahn-Know-how im Ausland sehr gefragt sei.

Auch für Unternehmen in der Schweiz bieten die SBB ihre Arbeiten an: «Für inländische Partner sind mehrheitlich Servicedienstleistungen gefragt wie technischer Unterhalt an Fahrzeugen oder Reinigungen», sagt Ginsig. Zuletzt wurde bekannt, dass die SBB als Generalunternehmerin die Reinigung bei der innerschweizerischen Gesellschaft Zentralbahn übernehmen werden. Die SBB hatten ein Angebot eingereicht und den Auftrag erhalten. Die Verträge wurden an der Innotrans unterzeichnet.

Ginsig betont die Wichtigkeit von externen Aufträgen: «Das Drittgeschäft ermöglicht es den SBB, sich für die Zukunft zu rüsten.»

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