Zypern-Krise

Die Russland-Connection läuft über die Rohstoffirmen

Michaelis Sarris, zyprischer Finanzminister, vor seinen Gesprächen in Moskau am Mittwoch.

Michaelis Sarris, zyprischer Finanzminister, vor seinen Gesprächen in Moskau am Mittwoch.

Auch wenn die Erdgasvorkommen bei Zypern als Faustpfand genannt werden - eine Zuspitzung der Krise hätte ganz andere Konsequenzen. Denn de facto kontrollieren Briefkastenfirmen die halbe russische Rohölindustrie.

Es war für Noble Energy das grösste Weihnachtsgeschenk: Am 28. Dezember 2011 meldete der US-Konzern mit Sitz im texanischen Houston den ersten grossen Erdgasfund in Block 12. Die Bohrung mit der Codebezeichnung «Cyprus A-1» war erfolgreich gewesen. In einer ersten Schätzung sprach Noble von Vorräten zwischen 3 und 9 Billionen Kubikfuss, die gefördert werden könnten. Schätzungen des US Geological Survey gehen von Vorräten um 122 Billionen im Basin zwischen Zypern, Israel und Ägypten aus. Block 12 bildet die südlichste Ecke der zyprischen Hoheitsgewässer auf dem halben Weg zwischen der Südspitze der Insel und der ägyptischen Hafenstadt Alexandria. Zur Küste sind es hier 150 Kilometer.

Teure Förderung

Im letzten Jahr erhöhte Noble die Schätzungen zu den abbauwürdigen Vorräten. Noble zählt wie die beiden Juniorpartner, Delek Drilling LP und Avner Oil Exploration LP, zur illustren Gruppe von amerikanischen Unternehmen, die sich im Geschäft der Rohöl- und Erdgasförderung tummeln. Die Sache ist finanziell immer riskant, und auch der operative Betrieb von neu erschlossenen Feldern ist kein Kinderspiel, wie die grossen Katastrophen bei Förderinseln in der Nordsee und im Golf von Mexiko gezeigt haben. Cyprus A-1 stiess in 6000 Meter Tiefe auf das Erdgasvorkommen. Die gashaltige geologische Formation mit einer Grösse von 100 Quadratkilometern liegt damit unter zwei Kilometer Meerestiefe und weiteren vier Kilometer Meeresgrund. «Es gibt noch einige Risiken und Ungewissheiten um die Förderung bei Block 12», warnen die Analysten der Deutschen Bank. «Die Vorkommen von Block 12 dürfte für den Export bestimmt sein und das wiederum erfordert Investitionen in Anlagen zur Verflüssigung und Verschiffung von Erdgas.»

Damit sind hohe Investitionen und lange Vorlaufzeiten verbunden. Die Analysten von IBI, einem israelischen Broker, kalkulieren mit minimal 5 bis 8 Milliarden Dollar Kosten, um überhaupt ein Flüssiggasterminal zu bauen. Für den Betrieb und die weiteren Auslagen (Pipelines, spezielle Tanker usw.) müssen Interessenten mit weiteren 10 bis 15 Milliarden Dollar rechnen. Die erste Fazilität, der «Train 1», könnte frühstens 2018 in Betrieb gehen. Firmen wie Noble verkaufen ihre Rechte und erste installierte Anlagen üblicherweise an die grossen Förderer. Die kommen zunehmend aus dem Osten.

Die Russen sind schon da

Das macht alles etwas delikater. Denn es gibt beträchtliche politische Risiken. Die türkische Regierung hatte Förderfirmen wiederholt gewarnt, im griechisch-zyprischen Teil der Hoheitsgewässer auf die Suche zu gehen. Die Türkei beansprucht weiterhin grosse Teile des Festlandsockels inklusive der Ägäis als eigene Abbauzonen.

Nach dem Erfolg mit dem ersten Fund interessiert sich auch Novatek, der zweitgrösste russische Erdgaskonzern, für Bohrlizenzen. Novatek leidet auf dem Heimmarkt unter der Dominanz von Gazprom und braucht dringend neue Quellen, nachdem eine Zusammenarbeit mit Ägypten beendet worden war.

Novatek ist aber nicht die einzige russische Energiefirma auf Zypern. Novy Investments Ltd beispielsweise, eine Briefkastenfirma, kontrolliert laut den Analysten der Deutschen Bank 95 Prozent der TNK-BP-Holding, die ihrerseits das Profitcenter für TNK-BP ist. Auf der Bilanz lagen Ende 2012 Guthaben von 4,6 Milliarden US-Dollar in bar. Lukoil, ein weiterer grosser russischer Ölkonzern, unterhält auf Zypern Finanzgesellschaften, von denen einige auch in der Schweiz und den Niederlanden registriert sind. Bashneft, ein weiterer russischer Förderer, finanziert über die Bashneft Middle East Ltd (Cyprus) seine teure Exploration im Irak. Und die Vostok Oil Ltd (Cyprus) kontrolliert den grössten Teil des Fördergeschäfts in Russland. Laut den Analysten kümmern sich viele dieser Ableger auch um die Aktienrückkaufprogramme der Firmen.

Die Geldwaschmaschine

Über diese Rückkäufe sparen die russischen Firmen an Steuern, die sie sonst zu Hause bezahlen müssten. Auch wird so das ganze Geld gewaschen, was der Insel den Ruf als dubiose Finanzdrehscheibe eingebracht hat. Denn Zypern ist offiziell auch der wichtigste Investor in Russland.mit mehr als 13 Milliarden Dollar, wie aus einer Übersicht der russischen Zentralbank hervorgeht. Die Financial Times schätzte die russischen Gelder in Zypern auf 35 Milliarden Euro. «Wenn Zypern die einheimischen Banken verstaatlicht, gehört der Insel ganz Russland» scherzte ein Insider gegenüber der Zeitung.

Vielleicht ist das bald kein Scherz mehr.

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