Kahlschlag
Die Rosskur bei General Electric geht weiter – betrifft dies auch die Schweiz?

Der US-Konzern soll weitere Geschäftsteile verkaufen. Unklar ist zum aktuellen Zeitpunkt, welche Auswirkungen der geplante Verkauf auf das GE-Power-Geschäft in der Schweiz haben könnten.

Philipp Felber und Laurina Waltersperger
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Kopie von General Electric
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Russel Stokes ist Chef der GE Power-Sparte.
Stokes vor Anlegern.
Den Chefposten bei GE hat John Flannery (links) inne. Er übernahm von Jeffrey Immelt (rechts). (Archiv)
Die Zweigniederlassung von General Electric in Birr.
Das Logo von General Electric.

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Nordwestschweiz

General Electric will offenbar einen Teil seiner Energiesparte veräussern. Die Bank Citigroup sei bereits mit den Verkaufsvorbereitungen betraut worden, schrieb die Nachrichtenagentur Reuters am Wochenende. Im Fokus stünde das Geschäft mit Gasmotoren, das vor allem in Werken in Österreich und den USA heimisch ist. Ob GE damit der benötigte Befreiungsschlag in der Power-Sparte gelingt, ist ungewiss. Unklar ist zum aktuellen Zeitpunkt auch, welche Auswirkungen der geplante Verkauf auf das GE-Power-Geschäft in der Schweiz haben könnten.

Fest steht hingegen: Der Teilverkauf des Gasmotoren-Geschäfts würde gut zur Strategie des US-Riesen passen. Man sei offen, den Konzern aufzubrechen und Teile zu devestieren, sagte CEO John Flannery im Januar zu Investoren. Erst letzte Woche verkauften die Amerikaner einen Teil ihres Beleuchtungsgeschäfts an einen ehemaligen GE-Manager. Zu den jüngst kolportierten Verkaufsplänen wollte der Konzern jedoch keine Stellung nehmen.

Fest steht aber ebenfalls, dass die Energiesparte des Konzerns rigoros sparen muss, um gegen den Rückgang im Turbinen-Geschäft anzuhalten. General Electric hatte es verpasst, rechtzeitig auf erneuerbare Energien zu setzen. Damit wurde der Konzern von Umwälzungen im Energiemarkt auf dem falschen Fuss erwischen.

Beunruhigung steigt

Vergangenen November kündigte Russel Stokes, Chef der Energiesparte, ein hartes Sparprogramm an: «Wir wollen unser Geschäft auf die richtige Grösse herunterbringen», sagte er. Von 2017 auf 2018 sollen die «strukturellen Kosten» von 8 auf 7 Milliarden Dollar gedrückt werden. Bis 2019 soll es dann nochmals um ungefähr 10 Prozent runter gehen, auf noch 6,3 Milliarden. In zwei Jahren müssen also über 1,5 Milliarden weg. Das ist fast ein Viertel der aktuellen Kosten.

Entsprechend steigt die Beunruhigung nach den jüngsten Verkaufsgerüchten auch unter der Schweizer Belegschaft von GE. Das in der Schweiz ansässige Gasturbinengeschäft hat zwar nicht direkt mit den zur Disposition stehenden Gasmotoren zu tun – aber auch das Schweizer Business ist Teil der Energiesparte. Bislang machten aber nur Gerüchte zu den Gasmotoren die Runde, nicht so beim Turbinen-Geschäft, ist intern zu vernehmen.

Aber Entwarnung sieht wohl anders aus. Wie die jüngsten Ereignisse zeigen, durchleuchtet der Konzern weiter seine Geschäftsfelder, auf der Suche nach Sparpotenzial.

Was das heissen kann, haben die GE-Mitarbeiter in der Schweiz bereits zu spüren bekommen. Auch an den Aargauer Standorte in Birr, Oberentfelden und Baden versuchte der Konzern im Dezember, sich mit einem gewaltigen Stellenabbau aus seiner misslichen Lage zu befreien. Der einstige amerikanische Vorzeige-Konzern baut im Kanton Aargau total 1400 Arbeitsplätze ab. Weltweit fallen im GE-Energiegeschäft gar 12 000 Arbeitsplätze weg. Das sind fast 20 Prozent aller Stellen bei GE.

Auch Deutschland blieb nicht verschont. GE will dort total 1600 Mitarbeiter weniger beschäftigen. Zwei Standorte werden komplett geschlossen. In Grossbritannien werden 700 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. In Europa baut GE die Stellen von insgesamt 4500 Mitarbeitern ab.

Trotz zahlreicher Sparübungen – an der Börse scheinen Anleger bislang wenig überzeugt zu sein, dass sich der Konzern in absehbarer Zeit wieder fittrimmen kann. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich der Aktienkurs von GE praktisch halbiert.

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