Tourismus

Die Reize Ägyptens verführen Schweizer Touristen wieder

Schluss mit Revolution: Ägypten lockt wieder Schweizer an.

Schluss mit Revolution: Ägypten lockt wieder Schweizer an.

Ein Jahr nach der Revolution reisen die Schweizer wieder ins Land der Pharaonen. Über ein Jahr nach dem Umsturz hätten sich die Buchungen für Ägypten wieder verdoppelt, sagen die grössten Schweizer Reisebüros.

Anfang 2011 flimmerten permanent Bilder der ägyptischen Revolution über die Schweizer Bildschirme. Mit dem Resultat, dass Herr und Frau Schweizer keine Lust mehr hatten, am Roten Meer ihre Ferien zu verbringen.

Jetzt – über ein Jahr nach dem Umsturz – hätten sich die Buchungen für Ägypten wieder verdoppelt, sagen die grössten Schweizer Reisebüros.

Das Vertrauen kehrt zurück

Kuoni verzeichnet zurzeit ein Buchungsplus von über 40 Prozent gegenüber der gleichen Vorjahresperiode, bei TUI Schweiz steige die Nachfrage ebenfalls kontinuierlich und Hotelplan spricht von einer Verdoppelung der Buchungen seit Ostern. Vor diesem Hintergrund sagt Hotelplan-Mediensprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir gegenüber der az: «Die Destination Ägypten hat sich wieder erholt.»

Trotz aller Euphorie: Das Niveau vor der Revolution ist noch lange nicht erreicht. Bei Hotelplan gingen in den ersten drei Wintermonaten vor der Revolution (November 2010 bis Januar 2011) doppelt so viele Buchungen ein als in der gleichen Periode in diesem Winter. Und auch Kuoni-Sprecher Peter Brun bestätigt: «Das Niveau liegt insgesamt auf etwa 50 Prozent gegenüber dem Niveau vor der Revolution.»

Für die kurz- bis mittelfristige Zukunft sind aber alle Reiseveranstalter sehr zuversichtlich. Dazu Brun: «Sollte Ägypten zur Stabilität zurückfinden und das Vertrauen der Feriengäste wiedergewinnen, ist eine Nachfrage wie vor der Revolution bis in ein bis zwei Jahren möglich.»

Einen Vertrauensbeweis an das Land der Pyramiden lieferte Anfang März auch Mövenpick. Der Reiseveranstalter eröffnete am Roten Meer drei neue Resorts und nahm fünf neue Nil-Kreuzfahrtschiffe in Betrieb.

Enttäuschung bei Ägyptern

Die Revolution in Ägypten war auch ein Ruf nach besseren Arbeitsbedingungen und mehr Arbeitsplätzen. Doch vorab erreichten die Demonstranten das Gegenteil: Durch die Bilder der Gewalt aus der Hauptstadt Kairo waren die Touristen verängstigt und mieden das Land. Und wo keine Touristen sind, gibt es in vielen Gegenden Ägyptens auch kaum Arbeit. In den Tourismus-Hochburgen Hurghada und Scharm El-Scheich am Roten Meer war die Ernüchterung der Einheimischen deshalb gross: «Die Menschen erhofften sich von der Revolution einen wirtschaftlichen Aufschwung. Als dann plötzlich die Gäste ausblieben, war man natürlich enttäuscht», sagt TUI-Sprecher Roland Schmid.

Reisebüros haben Verständnis

Am Roten Meer ist es während der Revolution durchgehend ruhig geblieben. Die Unruhen in Kairo waren weit weg. Mit dem Auto liegen zwischen Kairo und Scharm El-Scheich rund 600 Kilometer. Das entspricht der Distanz zwischen Wien und Belgrad. Wenn in Belgrad ein Konflikt ausbrechen würde, käme es wohl kaum einem Schweizer in den Sinn, den Stephansdom in Wien für gefährlich zu halten.

Trotzdem wollen die grossen Reisebüros den Schweizer Urlaubern keine Irrationalität vorwerfen: «Reisen ist ein emotionales Produkt, da spielt die Wahrnehmung in den Medien immer eine Rolle. Zudem gibt es immer Alternativen», erklärt Schmid das Verhalten der Kunden.

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