Tourismus
Die Reisedestination Paris leidet – der Hashtag «ParisWeLoveYou» soll das ändern

Zehn Wochen nach den Attentaten von Paris kehren die Touristen nur zögerlich in die Stadt der Liebe zurück.

Stefan Brändle, Paris
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Parisweloveyou

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«Gute Nachrichten für Reisende», wirbt der Anbieter. «Billige Flugtickets nach Paris – ob Sie auf dem Eiffelturm stehen oder an der Seine flanieren wollen.» Andere Schnäppchen gibt es für schnelle Buchungen bis Ende Februar. Nur der Grund dafür wird nicht genannt: Günstiger geworden ist das Reisen nach Paris wegen der furchtbaren Terroranschläge im November mit 130 Toten.

In der ersten Januarhälfte lag die Auslastung der Pariser Hotels um 7,8 Prozent hinter dem Vorjahreswert, hat das Beraterbüro MKG Hospitality bekannt gegeben. Bis zum Jahresende waren es sogar 16 Prozent gewesen. Von den wenigen Luxushotels, die Angaben machen, rechnet das «Bristol» im ersten Quartal dieses Jahres mit einem Rückgang von 20 bis 25 Prozent, das «Plaza-Athénée» mit 30 Prozent. MKG schätzt weiter, dass die Pariser Hotels von November bis März insgesamt 146 Millionen an Umsatz einbüssen dürften.

Laut der Firma ForwardKeys, die täglich die Flugreservationen um den Planeten errechnet, liegen die Flugbuchungen nach Paris für das erste Quartal noch um 17 Prozent hinter dem Vorjahr zurück. Dieser Einbruch belastet den gesamten französischen Fremdenverkehr, der ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist.

Auch Bistros spüren Rückgang

Unter dem Rückgang leiden natürlich nicht nur Airlines und Hotels, sondern auch die Sehenswürdigkeiten. Der Eiffelturm, der nach den Anschlägen zwei Tage geschlossen war, verlor auch danach Zehntausende von Besuchern – und auf das ganze Jahr 2,5 Prozent seines Umsatzes. Der Louvre verzeichnete einen Besucherrückgang von 6,4 Prozent, das Schloss Versailles 4 Prozent.

Auch die Pariser Bistros und Feinschmeckerlokale bekommen den Gästeschwund zu spüren. Die Brasserie «Au pied de Cochon», die auch deshalb berühmt ist, weil sie rund um die Uhr offenhielt, sieht sich erstmals gezwungen, vier Nächte pro Woche zu schliessen. Während die Franzosen kaum ausblieben, brach die ausländische Kundschaft nach den Attentaten um 40 Prozent ein, wie Betreiber Pascal Brun feststellte.

Die Tourismusökonomin Sylvie Brunel meint mit Verweis auf Anschlagsserien in Madrid und London, die Besucher kehrten jeweils nach rund vier Monaten wieder im früheren Umfang in die Fremdenverkehrsmetropolen zurück. Gemäss der Statistik von «The Economist» bleibt Paris eine der 25 sichersten Hauptstädte der Welt. «Die jüngste Terrorattacke ändert daran nichts», versichert der Online-Reiseanbieter Oyster. Nachdem US-Präsident Barack Obama vorgerechnet hat, dass man tausendmal weniger Chancen hat, bei einem Terroranschlag als in einem Verkehrsunfall umzukommen, schrieb eine frankophile Neuseeländerin in ihrem Blog: «Fahren Sie vorsichtig und hören Sie auf zu rauchen – aber verschieben Sie nicht Ihre Paris-Reise!»

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Solche Argumente scheinen aber im Fall von Paris nicht zu überzeugen. Schon mehrfach gab es Versuche von Nachahmertaten durch Amateurattentäter. Ausserdem bleibt das Antiterrordispositiv in ganz Frankreich intakt, genauso wie der nationale Ausnahmezustand. «Das macht den Leuten Angst», bekennt Evelyne Maes, die Vorsteherin des Pariser Hotelier- und Wirteverbandes UMIH.

Fast 50 Grossfirmen der französischen Tourismusbranche haben deshalb den Hashtag #ParisWeLoveYou geschaffen, der Aussenstehenden das ganz normale Leben in der Seine-Stadt schildert. Spätestens im Juni hofft der Sektor, die Krise ganz überwunden zu haben. Dann beginnt in Frankreich und auch in Paris die Fussball-Europameisterschaft.