Bruno Gehrig leitet die Untersuchung in enger Zusammenarbeit mit einem Team der Grosskanzlei Homburger. Diese wurde durch den interimistischen Verwaltungsratspräsidenten Pascal Gantenbein Anfang März in Aussicht gestellt. Sie hat gemäss Mitteilung den Auftrag, Firmenkäufe von Raiffeisen und ihrer Tochtergesellschaften ab 2005 zu durchleuchten.

Insgesamt geht es um 100 Firmenbeteiligungen, die einer «Risikoanalyse unterzogen und gegebenenfalls detailliert analysiert» werden, wie es weiter heisst. Von dieser Überprüfung ausgenommen seien die Unternehmen und Transaktionen, welche im Rahmen der Strafuntersuchung der Staatsanwaltschaft Zürich direkt untersucht werden. Dabei geht es namentlich um Übernahmen von Aduno sowie der Beteiligungsgesellschaft Investnet.

Gehrigs «1-Milliarden-Flop»

Die Wahl von Bruno Gehrig ist eine Überraschung. Der gebürtige Ostschweizer, der schon viele Jahre in Winterthur lebt, blickt auf eine facettenreiche Karriere zurück. Er arbeitete im Direktorium der Nationalbank (Gehrig gilt dabei als entscheidender Förderer des gescheiterten SNB-Präsidenten Philipp Hildebrand), war Wirtschaftsprofessor in St. Gallen, er präsidierte den Verwaltungsrat von Swiss Life, war Vizepräsident von Roche, sass im Verwaltungsrat der UBS und zuletzt bei Fluggesellschaft Swiss.

Sein grösster Flop in seiner Karriere dürfte der Kauf der deutschen Finanzgesellschaft AWD durch die Swiss Life gewesen sein. Gehrig muss sich vorwerfen lassen, vom cleveren Geschäftsmann Carsten Maschmeyer über den Tisch gezogen worden zu sein. Der Kauf des Finanzvertriebs wurde zum finanziellen und operativen Reinfall für den Versicherer. «Der 1-Milliarden-Flop von Bruno Gehrig», titelte der «Blick» damals. So hoch war der Abschreiber, den Swiss Life auf der Beteiligung tätigen musste.

Jetzt soll Bruno Gehrig also Licht ins Dunkel der Raiffeisen bringen. Gehrig kann sich viel Zeit nehmen: Spätestens Ende 2018 soll die Untersuchung abgeschlossen sein. Für Vertraute des Managers ist nicht einsichtig, warum sich Gehrig «das antut». Eine Erklärung ist, dass er eben einfach «nicht Nein sagen» könne. An seiner Integrität gibt es kaum Zweifel. Auch gesteht man ihm zu, dass er genügend unabhängig ist, um auch unbequeme Wahrheiten bei Raiffeisen ans Licht zu bringen.

Bruno Gehrig ist aber auch ein Bekannter von Pierin Vincenz. So sind beide beim Casinotheater Winterthur engagiert. Gemeinsam haben die beiden auch das Kloster Disentis besucht. Politisch war Gehrig für die CVP aktiv, wo er die Studiengruppe Wirtschaftspolitik präsidierte. Damit liegt Gehrig auf der gleichen Linie wie Vincenz und die Raiffeisen, die ebenfalls CVP-nahe sind. Und als HSG-Professor lehrte an der Alma Mater von Pierin Vincenz und Raiffeisen-Chef Patrik Gisel.